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In Reih und Glied aufgestellt geben die aktiven Mitglieder der Holzland-Böllerschützen ihre Schüsse ab. 

Holzland-Böllerschützen

Krachendes Willkommen fürs neue Jahr

Eine lautstarke Tradition ist das Neujahrsanschießen der Holzland-Böllerschützen. Jetzt ließen sie ihre Büchsen wieder ordentlich krachen und rauchen.

Steinkirchen„Laden! Verdämmen! Zündkapsel setzen! Fertig!“ Hans Ertl gibt kurz die Kommandos, und die Holzland-Böllerschützen parieren. Sie geben das Pulver in die Böllerbüchse, klopfen es mit dem Verdämmungsstock und -hammer ein, setzen die Zündkapsel aufs Piston, spannen die Büchse, heben sie in die Höhe und drücken ab. „Sauba hat’s kracht“, sagt ihr Vorsitzender zufrieden, und die Kirchgänger applaudieren.

Das Neujahrsanschießen in Steinkirchen hat Tradition und ist etwas ganz Besonderes. Jeder nutzt die Gelegenheit, um den anderen „A guads neis Jahr und Gsundheit“ zu wünschen, und nach dem obligatorischen Gruppenfoto geht es noch zum Wirt auf ein paar Weißwürscht.

Max Bruckmaier, der Wirt, ist selbstverständlich auch einer der aktiven Holzland-Böllerschützen. Er kann sich noch gut erinnern, als am 18. Dezember 1989 die Unterabteilung der Stefanstaler Schützen in seiner Stube gegründet wurde. Zwölf Mitglieder waren es anfangs, mittlerweile sind es 41, davon 23 aktive Böllerschützen und fünf Schützinnen. Sogar Landrat Martin Bayerstorfer ist aktives Mitglied. Gestern war er allerdings nicht dabei. „Der Eibl Sepp aus Eldering war die treibende Kraft für die Gründung und mindestens 20 Jahre der Vorsitzende“, erzählt der Max.

Ein Zweigerl gehört als Schmuck

Schon die Ausstattung der Schützen ist etwas Besonderes und nicht gerade billig, aber ihnen allen ist es das wert. Die Tracht ist an Vorbildern aus Dachau und dem Holzland angelehnt. Ein altes Muster stammt aus Rechlfing, aus dem Jahr 1896, weiß der Sepp. Zur Tracht gehören auch Faltenstiefel. 600 Mark habe ein Paar bei der Vereinsgründung gekostet. Jetzt seien es bald 1000 Euro, schätzt er, was für solche Stiefel verlangt werde. „Aber die halten ewig.“ Geschustert wurden sie in Au in der Holledau.

Die Lederhosen aus Hirsch- oder Sprungbockleder wiederum wurden in Huldsessen vor Eggenfelden genäht. Auch die hätten damals schon 600 Mark gekostet. Der Hut wurde ebenfalls alten Foto-Vorlagen aus dem Holzland nachempfunden und mit dem Bayerischen Heimatpflegeverband abgestimmt. „Ein Zweigerl g’hört als Schmuck dazu, im Winter Buchs, im Sommer Bleame, was aus der Region, nix Exotisches“, betont der Sepp. Hier werden die Mitglieder richtig kreativ, vom Holz- bis zum Papierblümchen, von Erika bis zum Tannenzweigerl stecken in der Hutschnur. „Zwei Jahre haben wir hingearbeitet im Vorfeld“, bis alles gepasst hat.

Die Böllerbüchsen schauen aus wie neu, das Holz glänzt und das Metall sowieso. Hier wird nicht über den Preis gesprochen. Diese robusten Geräte pflegen ihre Träger peinlichst. „Die Verbrennungsrückstände werden mit heißem Wasser und einen Bürsterl entfernt, sonst geht der Schuss nicht los“, erklärt Bruckmaier. Alle fünf Jahre wird „Beschossen“, also eine Art TÜV durchgeführt.

Dass es beim diesjährigen Neujahrsanschießen trotzdem zu ein paar Versagern gekommen ist, kann viele Gründe haben, aber am Reinigen liege es bestimmt nicht. Eine Böllerbüchse ist 5,5 Kilo schwer, erklärt der Sepp weiter. „Manche haben auch eine mit zehn Kilo, etwa der Scheftschuk Walter.“ Aber die sei dann schon sehr schwer zu heben.

Neben ihrem Gerät tragen die Böllerschützen auch ihr Werkzeug eng am Körper. Verdämmungsstock und -hammer stecken im Stiefelschacht. Die Kartusche mit dem Böllerpulver, ein Korken zum Verdämmen, die Zündkapsel oder -hütchen und Ohrstöpsel stecken in einer Tasche, die um ihre Schultern hängt. Genauso stolz wie auf ihre Büchsen sind die Holzland-Böllerschützen auf Waldburga, ihre eigene Kanone. Die haben sie selbst entwickelt und nach ihren Bedürfnisse fertigen lassen. Das Prachtstück wurde gefräst. Das Kanonengestell haben sie selbstverständlich auch selber gezimmert, aus Eichenholz. „Die Radl stammen vom Lechner Schorsch aus Dickharting, einem Mitglied. Sie waren auf einem alten Heuwagen drauf.“ Die Achse wurde umgebaut und alles tagelang sauber gemacht.

Freilich ist Waldburga beim Neujahrsanschießen auch im Einsatz. Dieser Brauch habe schon eine ziemlich lange Tradition. Früher hätten die heimischen Jäger sich an Silvester zur Treibjagd beim Wirt in Wimpasing getroffen.

Jeder Versager zahlt eine Runde

Wenn sie um 24 Uhr los gingen, dann haben sie das alte Jahr abgeschossen, erklärt der Sepp. Auf die Frage, warum geschossen werde, sagt er: „Lärm machen verleiht der Trauer und der Freude zugleich Ausdruck.“

Im Holzland existiert auch noch eine Sirius, ein alter Standböller, mit dem früher schon zu Anlässen wie Fronleichnam oder Hochzeiten geschossen wurde. „Jetzt machen wir es mit der Büchs’.“ Zu 13 Veranstaltungen, unter anderem zum Holzland-Volksfest und zu anderen würdigen Anlässen, rücken die Böllerschützen alle Jahre aus. Daneben gibt es noch die Landkreis- und Bezirkstagungen, die besucht werden, um die neuen Vorgaben zu erfahren, die eingehalten werden müssen.

Freilich pflegen die Holzland-Böllerschützen auch den Kontakt zu anderen Vereine. Denn die Geselligkeit ist ihnen neben der Traditionspflege ebenso wichtig. Zum Feiern gab es auch gestern wieder ausreichend Grund. Denn als Hans Ertl zur Schussfolge aufruft, also zum Salut, bei dem jeder einzelne das Schusskommando erhält, zum Reihenfeuer, bei dem alle schnell nach einander schießen, und zum Kracher, beim dem alle zusammenschießen, funktionieren nicht alle Büchsen. „Und jeder Versager muss eine Runde zahlen“, freut sich nicht nur der Vorsitzende der Böllerschützen.

Birgit Lang

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