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Gerade noch rechtzeitig: Der Großköchlhamer Maibaum ist wieder daheim.

Maibäume in Großköchlham und Steinkirchen

Rücktransport mit Hindernissen

Gaudi war das keine mehr, eher eine richtige Plackerei. Bei nur fünf Grad und Nieselregen karrten die Diebe aus Oberwambach und Hohenpolding die gestohlenen Maibäume am Mittwochabend zurück

Großköchlham/Steinkirchen – Einen Maibaum klauen ist spannend und lustig. Ihn wieder zurückbringen kann oft recht beschwerlich sein. Komplett durchgefroren kamen die Maibaumdiebe bei den Besitzern in Großköchlham und Steinkirchen an, die schon sehnsüchtig auf ihr Eigentum warteten.

Die Burschen vom Oberwambacher Haisl waren am Gründonnerstag um Mitternacht auf Diebestour gegangen. Im Wellinger Hoiz wurden sie fündig und entwendeten den Maibaum des Schützenvereins Gemütlichkeit Großköchlham. Geschepst war er schon. Dass er nicht mehr an seinem Platz lag, fiel keinem auf. Erst als einer der Burschen zwei Tage später beim Weber Martl, dem Schützenmeister anrief, wussten alle Bescheid. Also wurde der Rückgabetermin vereinbart und die Oberwambacher Burschen trafen sich nach der Arbeit beim Schönauer in Schönau, wo sie das Stangerl in dessen Halle zwischengelagert hatten.

Nicht mit einem Bulldog, sondern mit einem 170 PS starken SUV zogen sie den 25 Meter langen Maibaum zurück, den die Familie Lechner aus Hofkirchen gestiftet hat. Begleitet wurden sie von der Feuerwehr, um sicher nach Großköchlham zu gelangen. Dort halfen dann alle im Nieselregen zusammen, um den Maibaum mit Muskelkraft in die Halle beim Stöckl zu ziehen. Hier konnten sich die Burschen bei einem Haferl Kaffee aufwärmen, um dann bei Bier und einer Brotzeit die Auslöse auszuhandeln. 40 Liter Bier und eine Brotzeit soll es für sie beim Aufstellen geben.

Die Großköchlhamer müssen sich jetzt schicken, um ihr Prachtstangerl noch rechtzeitig zu streichen und die Taferl anzuschrauben. Ob es bei der Kälte noch trocknet, wird sich zeigen. Am Montag, 1. Mai, wird ihr Maibaum dann auf alle Fälle um 13 Uhr gleich neben der Kirche aufgestellt. Fleisch und Würstl vom Grill sowie Kaffee und hausgemachte Kuchen gibt es für alle.

Noch länger warten mussten die Steinkirchener – allerdings in der warmen Halle von Richard Forster. Denn die Hohenpoldinger Dorfjugend war für die knapp neun Kilometer von Kleinstadl bis zur Forster-Halle gute zwei Stunden unterwegs. Gestohlen hatten sie den Maibaum mit 25 Burschen in der Nacht von Sonntag auf Montag. Die Wachen waren scheinbar gerade nach Hause gegangen. Die Anwesenden meinten, es sei das erste Mal seit Jahrzehnten, dass im Ort der Maibaum gestohlen worden sei.

30 Meter lang und sakrisch schwer war der feuchte Stamm, denn er war erst am Sonntag geschnitten worden, sagt Valentin Niedermaier, der beim Stehlen dabei war. Bei ihm daheim in Kleinstadl wurde der Baum versteckt, den die Familie Jell aus Lindegraß gestiftet hat.

Um 19 Uhr ging am Mittwochabend der Rücktransport mit einem 260 PS schweren Bulldog los. Eine gute Stunde brauchten sie allein auf der B 15 im vollen Berufsverkehr. Wechselseitig mussten die Feuerwehren von Sulding und Hohenpolding, die sie begleiteten, den Verkehr sperren, damit keine zu langen Staus entstanden. Den ersten Kilometer saßen noch einige der Burschen, traditionell in Lederhosen gekleidet, auf dem Baum. Sie hatten sich Badehandtücher untergelegt, um keinen nassen Hosenboden zu kriegen, vor allem aber um das Kunstwerk nicht zu zerstören, das die Steinkirchener schon begonnen hatten. Diese hatten aus der Rinde des Stammes erste Rauten gestanzt, wie sie es immer mit ihrem neuen Maibaum machen. Mit Nägeln und Fäden hatten sie sich dabei die Linien vorgegeben. Auch diese hatten die Prozedur schadlos überstanden. „Nur ein paar Nägel waren verbogen“, bis sie angekommen waren.

Steinkirchens Wirt Max Bruckmaier hatte vorher schon warmen Leberkäs vorbeigebracht. Bier und andere Getränke standen ebenfalls schon bereit, um gut gelaunt die Auslöse auszuhandeln: Schweinsbraten und Bier, so viel sie wollen, wird es am 1. Mai, für die Diebe geben. Mittagstisch gibt es für alle schon ab 11.30 Uhr. Um 13 Uhr wird der Maibaum dann vor der Kirche aufgestellt. Spender Matthias Jell wird ihn – wie immer – mit seinem alten Lanz herziehen.

Birgit Lang

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