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Sylvia Frey beschreitet „neue Wege“, muss raus in die Natur, wo ihr vor Energie strotzendes neues Ausstellungsprojekt entsteht.

Sylvia Frey

Malender Holzland-Vulkan brodelt

Corona macht‘s möglich. Malerin und Musikerin Sylvia Frey tobt sich gerade aus - auf der Leinwand.

Von Klaus Kuhn

Steinkirchen – Die Erdinger Malerin und Musikerin Sylvia Frey, die vor wenigen Jahren ins Holzland umgezogen ist, hat offiziell Kurzarbeit. Sie ist im Vertrieb für eine Brauerei für die Gastronomie tätig, und die Gastronomen sind aus bekannten Gründen mit dem Einkauf zurückhaltend. Das gerade mal 162 Zentimeter große 53 Jahre junge Energiebündel aber hat selbst für „Vollauslastung“ gesorgt. Das künstlerische Multitalent, das wie berichtet erst vor Kurzem eine CD auf den Markt gebracht hat, aber noch immer nicht wirklich auf die Konzertbühne darf, reagiert sich regelrecht ab, tobt sich aus, und zwar auf der Leinwand.

„Breaking new Ground – Neue Wege beschreiten“ ist der Titel ihres neuen Ausstellungsprojektes. Die Bilder entsprechen ihrer Stimmungslage und aktueller Verfassung, wie praktisch bei allen Malern: Sie strotzen vor Energie. 80 auf 80 Zentimeter groß sind die Bilder der neuen Serie, die zunächst auf zwölf Exemplare angelegt ist. Sie hat Farben gewählt, die man nicht im Baumarkt bekommt: „Da sind viel mehr Pigmente drin, das ist das, was ich brauche.“ Starke Kontraste, starke farbliche Akzente, entschlossene Linien kennzeichnen ihre neuen Arbeiten.

„Ja, das ist schon sehr komplementär“, gibt sie zu, bei einem durchaus selbstkritischen Blick auf die schon fertigen Arbeiten. Und sie arbeitet wie eine Besessene, muss irgendwo hin mit der unbändigen Kraft. Daheim wird ihr das zu eng, und im Gespräch mit der Heimatzeitung wurde auch ihre Sprache ungemein kräftig, enorm deutlich: „Ich muss raus in die Natur, ich brauche den Raum, ich brauche die Natur! Der Wald gibt mir Energie.“

Der malende Holzland-Vulkan brodelt, und Sylvia Frey kennt sich selbst zu genau um nicht zu wissen, dass diese Eruptionsphase auch mal vorbei sein kann. „Ich muss raus mit meiner Kunst, ich will sie auch zeigen“ verkündete sie darum entschlossen, will auch hier neue Wege gehen, ganz im Sinne des neuen Programms. „Natürlich, das Frauenkircherl, aber . . .“

Zunächst aber zeigte sie der Heimatzeitung ganz handgreiflich, wie sie aktuell arbeitet, packte ihre Sachen in ihren Golf, bei dem scheinbar die Rückbank ständig umgeklappt bleibt, und raus ging’s in die besagte Natur. Sie stellte die Staffelei mitten in ein gerade abgeerntetes Stoppelfeld, kurz nachdem die Großballenpresse durch war und die mächtigen Strohballen um sie herum schon aufgeladen wurden. Im Hintergrund die schöne Dorfkirche von Großwimpasing.

„Ja, super! Schön hier! Ich brauche diese Weite.“ Hier ist sie mit sich und ihrer Kunst allein, die paar Radlfahrer in der Ferne, die stören sie nicht. Kein Lärm, kein Verkehr, Sonne, keine Ablenkung, frische Luft: Hier kann sie ihre Pinsel ihren Gedanken folgen lassen, Gedanken, die sie mitteilen muss, die doch wieder raus müssen. Das aber geht nur, wenn sie die Stille und die Weite ihres gigantischen Ateliers mit dem Raum und dem (hoffentlich) einsetzenden Trubel bei einer Vernissage vertauscht. 

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