Mit seiner Kanone Walburga schoss Walter Stenzel (†) bei vielen Veranstaltungen donnernden Salut. Archiv-Foto: Lang

Siedlungsbürgermeister und Bazi-Opa

Walter Stenzel war wegen seiner offenen und liebenswürdigen Art sehr geschätzt

Walter Stenzel war ein Mensch voller Lebensfreunde, der die Welt mehrfach umrundete, Hasen und Tauben züchtete und FSV-Ehrenmitglied wurde, ohne Fußball gespielt zu haben. Ein Nachruf.

Steinkirchen – „Der Walter, seine Gastfreundschaft und sein Presssack werden mir sehr abgehen“, schrieb ein Freund der Familie Stenzel auf seiner Kondolenzkarte, nachdem er vom Tod des beliebten 91-jährigen Steinkircheners erfahren hatte. Auch wenn die Beerdigung von Walter Stenzel traurig war, gab es viel Grund zum Schmunzeln, als man sich an den beliebten zweifachen Vater, Großvater und Urgroßvater erinnerte, der immer ein Lachen auf den Lippen trug.

In Erdmannsdorf, Kreis Troppau, kam er als eines von zehn Kindern zur Welt. Die Familie wurde durch den Krieg auseinandergerissen. Im niederbayerischen Vilsheim trafen sich alle wieder und siedelten sich in der Region an. Walter und seinen Bruder Gerhard verschlug es nach Taufkirchen, wo beide bei der Firma Himolla eine Anstellung fanden und ihre späteren Frauen kennenlernten, die Schwestern waren.

FSV-Ehrenmitglied ohne je Fußball gespielt zu haben

Über drei Jahrzehnte war Stenzel leidenschaftlicher Fernfahrer. „Ich habe öfters die Welt umrundet“, pflegte er zu sagen. Wie beliebt er in der Arbeit war, sah man an der großen Anzahl von Kollegen, die ihm sein letztes Geleit gaben, obwohl er schon 30 Jahre in Rente war.

Gerne hat er in jungen Jahren Partys geschmissen, er verstand das Leben zu genießen. 1978 entschied er sich mit seiner Familie nach Steinkirchen zu ziehen, wo er in viel Eigenleistung noch mal ein Haus baute. Hier wurde er durch seine offene Art und Hilfsbereitschaft überall zum gern gesehenen Ansprechpartner. Als leidenschaftlicher Züchter von Hasen, Giggerl und Tauben war er nicht nur jeden Sonntag beim Taubenmarkt in Langengeisling. Er fand in Steinkirchen auch Gleichgesinnte, mit denen er den Kleintierzuchtverein gründete. Bei der Feuerwehr und beim FSV Steinkirchen war er Ehrenmitglied, obwohl er nie Fußball spielte.

Siedlungsbürgermeister

Jeden Tag sah man ihn auch beim Wirt, denn er liebte die Gesellschaft und die Informationen, die dort ausgetauscht wurden. Stenzel war überall beliebt und verstand es bestens, alles zu organisieren, auch die Feste in der Siedlung, in der er wohnte. So bekam er den Spitznamen „Siedlungsbürgermeister“.

Beim Steinkirchener Christkindlmarkt und Holzlandfest war er ebenfalls unabkömmlich. Ob er Esel und Schaf für die lebendige Krippe oder Giggerl für den Grill besorgte oder tatkräftig beim Auf- und Abbau mithalf. Immer war er zur Stelle, wenn ihn jemand um Hilfe bat, am liebsten, wenn er für denjenigen etwas besorgen konnte.

Der Bazi-Opa

Nachdem seine Frau Gretl 1983 mit nur 53 Jahren starb, kümmerte er sich fortan fürsorglich um seine Töchter Andrea und Tina, und später ebenso um Enkel und Urenkel. Er kochte gern für sie und machte regelmäßig nicht nur seinen einzigartigen Presssack.

Mit 60 Jahren ging er in Rente, war aber weiterhin viel unterwegs. Auch bei ihm daheim war immer etwas los, denn Walter war für seine Gastfreundschaft bekannt. Jeder Geburtstag der Geschwister wurde gefeiert, die Nachbarn kamen gerne zum Kaffee trinken, Schweinsbraten essen oder Schafkopf spielen, vor allem die Damen.

Auch bei den Stockschützen und den Holzland Böllerschützen war er gern gesehenes Mitglied. Mit seiner Kanone Walburga feuerte er oft stolz den Salut. Walter Stenzel genoss seine Freiheit, aber auch den Zusammenhalt in der Familie. Schließlich war er, „der Bazi-Opa“, immer deren Mittelpunkt. Er genoss es, in der Früh auszuschlafen und begrüßte Tochter Andrea jeden Morgen mit einem strahlenden Lächeln, bevor es zum Frühstück ging. „Er war immer, wie man sich einen guten Papa vorstellt, bis zur letzten Minute hat er gerne gelebt und viel gelacht.“ So behalten ihn auch alle in Erinnerung.

Birgit Lang

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