Die Jakobsmuscheln und alle anderen Köstlichkeiten müssen bei Jean-Luc und Traudel Garnier immer perfekt sein. foto: ta

Sterne-Koch kehrt in die Heimat zurück

Wartenberg - Jean-Luc und Traudel Garnier ziehen zum Jahreswechsel nach Frankreich. Ihr Feinschmecker-Restaurant Bründlhof ist nur noch bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag geöffnet.

Noch verleiht er dem kleinen Wartenberg einen besonderen Glanz: der Stern, der über dem Gourmet-Restaurant Bründlhof leuchtet. Doch Meisterkoch Jean-Luc Garnier und seine Frau Traudel verlassen die Marktgemeinde zum Jahreswechsel in Richtung Frankreich. Ziel ist Roanne, eine 35 000-Einwohner-Stadt an der Loire, 90 Kilometer von Lyon. Der Ort von Jean-Luc Garniers Kindheit. Die Eheleute haben dort ein Bauernhaus und viele Freunde. Der nächste Schritt ist ein kleines Restaurant mit ein paar Tischen, ohne Angestellte und vor allem ohne den Stress der Sterne-Gastronomie.

Die Meldung über den Rückzug aus der kulinarischen Diaspora überrascht, denn der Bründlhof hatte erst vor zwei Wochen verheißungsvolle Schlagzeilen gemacht. Der Guide Michelin, die bekannteste Gourmet-Bibel, hat dem Restaurant nach zwei Jahren seinen Stern zurückgegeben. Von 1998 bis 2006 hatte Garnier dieses Prädikat getragen.

So komisch es klingt, der Wiederaufstieg in den Feinschmecker-Olymp macht es dem besessenen Koch leichter, au revoir zu sagen. „Ich gehe raus mit dem Lorbeer“, sagt der 51-Jährige. Einerseits wolle er schon immer zurück nach Frankreich („Ich bin Franzose!“). Andererseits sei bei aller Leidenschaft für den Beruf schon länger klar, dass er sich aus diesem harten Geschäft zurückzieht. „Kein Druck mehr! Man ist einfach belastet von den Führern.“

„Man kann sich keine menschlichen Schwächen leisten“, meint auch seine Frau (50). Man müsse täglich die höchsten Anforderungen erfüllen. „Zwölf Stunden, sieben Tage in der Woche – das ist das Normale.“ Auch bei Besuchen in Frankreich habe sie sich um die richtige Weinempfehlung für die Gäste gekümmert – ihre Service-Mitarbeiter bekamen die Anweisungen per Telefon.

Das Ehepaar zelebriert im Bründlhof schon seit Oktober 1985 die gehobene Gastronomie und hat in Wartenberg auch eine Heimat für ihre Familie gefunden. In dem altehrwürdigen Gebäude an der Badstraße gegenüber der Klinik zogen die Garniers ihre Kinder Catherine (22) und Jules (20) groß. Beide bleiben in Deutschland und haben keine Laufbahn in der Gastronomie eingeschlagen. „Sie haben immer den Stress gesehen“, erzählt die Mama, die die beiden schon jetzt vermisst. „Aber dadurch, dass sie erwachsen sind, sind wir jetzt auch freier.“

Die schlechte Konjunktur macht den Abschied leichter. Es sei schon immer schwierig gewesen, Kundschaft in das doch abgelegene Wartenberg zu locken. Ein Blick auf eine Feinschmecker-Karte von Gault Millau zeigt: ein Punkt in Landshut, einer in München und auch im restlichen Bayern sehr wenige Adressen für Gourmets. „Es war bei uns immer ein Künstlerleben“, meint Traudel Garnier. Umso wichtiger seien die treuen Stammgäste gewesen. Viele wollen es auch bleiben. „Ich habe schon viele Visitenkarten zugesteckt bekommen. Alle wollen wissen, wo wir unser neues Restaurant aufmachen“, erzählt die Wirtin. Aber auf jeden Fall „was kleines und einfaches“. (ta)

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