Der Sternekoch und der Traum vom entspannten Kochen

Wartenberg - Sternekoch Jean-Luc Garnier ist vor gut zwei Jahren nach Frankreich heimgekehrt. Mit seiner Frau Traudel betreibt er dort ein Restaurant mit einem Laden.

Frische Bauerneier im Kramerladen, ein Gläschen Rosé an der Ba oder doch gleich ein exquisites Menu im Restaurant - all das bietet Le Relais d’Urfé nahe Roanne im Herzen Frankreichs. In dem Wirtshaus lebt der frühere Wartenberger Sternekoch Jean-Luc Garnier seinen Traum von einer etwas entspannteren Gastronomie. Im Bründlhof hatte der heute 54-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Traudel von 1985 bis Ende 2008 mit höchsten Ansprüchen gekocht - und unter höchstem Druck.

Den Bründlhof führten die Garniers als Feinschmecker-Restaurant. Der Lohn war viel Arbeit, aber auch Anerkennung in der Fachwelt. Ab 1995 war die Gaststätte gegenüber der Klinik Wartenberg Träger von drei Hauben des Gourmetführers Gault Millau. 1998 folgte ein Michelin-Stern, den die Garniers zwar 2006 verloren, aber im November 2008 zurückeroberten. Diese Nennungen in den Feinschmecker-Bibeln sowie stures Festhalten an Top-Qualität und französischem Stil banden auch ein kleines Stammpublikum an das Restaurant in der kulinarischen Diaspora.

Die Wirtsleute hatten immer auf die Unterstützung der Verpächter, Professor Hans Selmair und seine Frau Christiane, setzen können. Dennoch sagte Traudel Garnier Ende 2008, wenige Wochen vor dem Abschied, über die gleichbleibend harte Arbeit bei wechselndem finanziellen Erfolg: „Es war immer ein Künstlerleben.“ Das sollte mit dem Umzug in die Nähe von Roanne, die Stadt von Jean-Luc Garniers Kindheit, anders werden. Die eigenen Kinder Catherine und Jules waren bereits erwachsen geworden, und so fiel den Eltern der Abschied leichter.

Der Franzose und seine aus Notzing stammende Ehefrau pachteten von der Gemeinde ein Restaurant in dem Dorf Saint Marcel d’Urfé. Dort bieten sie während der Woche einfache Mittagsmenus mit typischen Gerichten wie Kalbskopf oder einfach Steak mit Pommes. Am Wochenende gibt es dann aber etwas feinere Küche. „Jean-Luc kann es einfach nicht lassen“, sagt Traudel Garnier. Sterneküche sei nicht das Ziel, „auch wenn es meinem Mann in den Fingern juckt“.

Zum Relais d’Urfé gehören ein kleines Restaurant für 20 Personen, ein Saal mit offenem Kamin mit 50 Plätzen, eine Ferienwohnung und die Epicerie, ein Tante-Emma-Laden. „Das ist mein Lieblingsbereich“, erzählt Traudel Garnier, „dort findet man Brot, Zeitungen und alles, was man im Supermarkt vergessen hat“. Vor allem die Leute mit Ferienhaus oder Zweitwohnsitz in dem Dorf würden sich über die Einkaufsmöglichkeit und einen kleinen Ratsch in dem Laden freuen. „Dadurch haben wir sofort guten Kontakt bekommen“, berichtet die Wirtin und „Krämerin“.

Ganz ohne Höhepunkte soll das Jahr im Relais nicht verstreichen. Im Februar veranstalten die Garniers einen „Sauerkrautabend“, grillen zu Johanni ein Méchoui, Lamm am Spieß, oder laden zur Silvesterfeier mit Festmenu und Tanz sowie zum bayerischen Bierfest am zweiten Wochenende im Oktober. Dazu spielt von 7. bis 9. Oktober die Ledawix aus dem Landkreis Erding auf - heuer das dritte Jahr in Folge. „Die Franzosen sind schon ganz heiß auf sie“, sagt Traudel Garnier. Auch Kochkurse für Gruppen bietet der Maître an.

Nach einem ruhigen Leben sieht das dann doch nicht aus, auch wenn der Name des Restaurants darauf hindeuten könnte. Ein relais routier ist eine Raststätte. Ruhe finden dort vor allem Gäste, so halten es auch die leidenschaftlichen Gastronomen Jean-Luc und Traudel Garnier. (Timo Aichele)

Informationen über das Relais d’Urfé bietet die Homepage des Restaurants www.le-relais-durfe.fr auf Französisch, Deutsch und Englisch.

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