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Glänzende Interpretation: Solistin Carolin Ritter (r.) und Flötistin Susanne Gelsheimer (l.). Foto: Teplan

„Stabat Mater“ in der Pfarrkirche

Sternstunde im Dorfener Kulturleben

Dorfen - Mit einer hinreißenden Interpretation des sakralen Werks „Stabat Mater“ von Karl Jenkins setzte der Cäcilien-Verein Dorfen einen neuen Höhepunkt im Kulturleben der Stadt.

 Um es vorweg zu sagen: Diese Aufführung von Karl Jenkins‘ „Stabat Mater“ in der Dorfener Pfarrkirche war eine Sternstunde im Dorfener Kulturleben. Das Publikum dankte es den Musikern mit stehenden Ovationen. Es würdigte so die außergewöhnliche Interpretation eines ungewöhnlichen sakralen Werks, eines sechssprachigen und zwölfsätzigen Crossover aus Klassik, Pop-, Film- und (orientalischer) Weltmusik, das Chor, Orchester und Solisten musikalisch Enormes abverlangt. Aufgeführt wurde die – mit zwei Hörnern, Oboe, Flöte, Trompete, Orgel und Streichern – reduzierte Fassung. Von Reduktion im Klangerlebnis aber keine Spur: Das Publikum erlebte einen raumgreifenden Ohrenschmaus ersten Ranges mit einem Chor, der bestach durch eine – bei den mehrsprachigen (lateinischen, hebräischen, aramäischen, arabischen, griechischen und englischen), den wechselnden Stimmungslagen entsprechenden Texten nicht immer einfache – makellose Deklamation, in der Dynamik stets präzise, wenn nach voluminösen Stellen ein plötzliches Übergehen in zart vorgetragene Pianissimo-Passagen gefordert ist, die sich später wieder zu einem forte hin aufbauen.

Eine durchweg glänzende Interpretationen bot auch das Orchester – mit ostinaten Bässen, über denen sich stellenweise sphärisch anmutende Klangteppiche ausbreiten, gelegentlich orientalischen Tonfolgen und Percussion-Rhythmen und faszinierenden Passagen wie etwa im „Sancta Mater“ den stakkato vorgetragenen Violinen, die den Gesang rhythmisch unterstreichen oder dem pompösen, filmmusikartigen Intro, mit denen die Bläser diesen Satz einleiten.

Ein besonderes Highlight bot die Solistin Carolin Ritter, die mit Verve und schillerndem Mezzosopran (besonders eindrucksvoll im arienhaften „Ave Verum“) überzeugte, schwierige Koloraturen bravourös meisterte, und im orientalisch geprägten Satz „Incantation“, der ihr mit seinen typisch arabischen Dreiviertel-Ton-Intervallen Improvisationstalent und enorme Stimmakrobatik abforderte, das Gesamtkunstwerk erst rund machte. In diesem Satz setzte die Flötistin Susanne Gelsheimer noch ein i-Tüpfelchen drauf, als sie zu Ritters bewegendem Gesang auf einer pentatonisch gestimmten, herrlich warme Klangfarben verleihenden Indianerflöte entsprechende arabische Tonfolgen improvisierte in so perfektem Zusammenspiel, dass das Stück den Charakter eines herrlich lebendigen Dialogs von Flöte und Solo-Stimme gewann.

Alles in allem letztlich ein Verdienst des Dirigenten Ernst Bartmann, der Jenkins’ Ideen hinreißend und inspiriert umsetzte. Besser, werkgetreuer kann man dieses anspruchsvolle „Stabat Mater“ nicht interpretieren.

Stefan Teplan

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