Schillernde Traumfabrik: Das Martina Eisenreich Quartett ließ mit Orchester in der bestens besuchten Stadthalle ein bilderreiches Musikkino entstehen. Foto: bauersachs

Sternstunden im Planetarium

Erding - Was kommt raus, wenn Martina Eisenreich Filmmusik zelebriert? Ein mit vielen Klangeffekten bebildertes Musikkino - und ein außergewöhnliches Bass-Stereo.

Noch bevor das Martina Eisenreich Quartett mit dem Orchester am Samstagabend auftrat, gab die leere Bühne bereits einen Vorgeschmack darauf, was das Publikum erwarten würde. Darauf war eine schillernde Traumfabrik errichtet worden. Der in mystisches Licht getauchte gigantische Schlagzeugaufbau erinnerte an ein poetisches Planetarium, daneben funkelten verheißungsvoll die Instrumente.

Die aufwändige optische Gestaltung des Konzerts gehörte zum Programm, schließlich ging es in großen Teilen um Eisenreichs Filmmusik. Die Geigerin und Komponistin entwickelte ein mit vielen Klang- und Lauteffekten bebildertes Musikkino, gespielt in großer Besetzung. Wobei Martina Eisenreich unaufgeregt ständig in Aktion war, mal das Glockenspiel, mal die Tin-Whistle erklingen ließ, ihre Geige ergriff oder die Stücke charmant anmoderierte.

Da stieg „Der Mondmann“ von der Erde hinab, um geliebt und gejagt, letztlich wieder zu den Sternen zurückzukehren. Ein anderes Werk führte in ein Reich unheimlicher Schatten. Als „Under the sea“ erklang, das aus der Feder des wahrhaft magischen Schlagzeugers Wolfgang Lohmeier stammt, schien das sagenumwobene U-Boot „Nautilus“ in unerforschte Tiefen abzutauchen, begleitet vom Gesang der Wale und anderer geheimnisvoller Meeresbewohner. Bassist Stephan Glaubitz legte hier sein Instrument beiseite, um über einen Schlauch rhythmisch in ein mit Wasser gefülltes Goldfischglas zu blasen, was blubbernde Geräusche verursachte.

Noch ein Wort zu den beiden Bassisten - ja, es waren an diesem Abend tatsächlich zwei auf der Bühne, und das hatte seinen Grund: Weil Glaubitz in vielen Bands ein gefragter Musiker ist, was zu Terminüberschneidungen führen kann, holte sich Martina Eisenreich einen weiteren Mann am Bass ins Boot, Alex Haas von „Unsere Lieblinge“.

So hatten die vielen Zuschauer in der Stadthalle die Gelegenheit, zwei ausgezeichnete Musiker am selben Instrument zu erleben, die je nach Stück die Front-Bassistenrolle neidlos tauschten und sichtlich ihren Spaß dabei hatten.

Auch mitreißende Kompositionen beider kamen zur Aufführung etwa Glaubitz’ nostalgische Hommage an seine Tante Käthe oder „Atemlos in Sibiu“ von Haas.

Wenn Martina Eisenreich auf ihrer Geige so richtig loslegte, nebenbei mal ein Violinkonzert von Antonio Vivaldi zitierte, sich mit Lohmeier oder dem in allen Stilrichtungen gewandten Gitarristen Christoph Müller originelle Musikgefechte lieferte, dann war man einmal mehr von ihrem erdigen Spiel, ihrem musikantischen Temperament und ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz gebannt. Das Publikum jedenfalls schien restlos begeistert und forderte vehement mehrere Zugaben, die ihm auch gewährt wurden.

Vroni Vogel

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