Disponentin drückt sich um Einkommensteuer

Mit 74 als Steuersünderin auf der Anklagebank

Südlicher Landkreis – Sie bezog seit Jahren ihre Rente, arbeitete aber auch noch fleißig als Personaldisponentin und hatte daraus ein beträchtliches Einkommen. Das hat sie allerdings nicht versteuert und bekam dafür nun beim Amtsgericht Landshut die Quittung in Form einer Geldstrafe von 9000 Euro.

Laut Anklage hatte die 74-jährige Rentnerin aus dem südlichen Landkreis in den Jahren 2009 bis 2013 – und zudem bis heute – als Disponentin gearbeitet und dabei zuletzt pro Jahr 90 000 Euro verdient. Anfangs waren es noch 50 000 Euro gewesen. Dazu kamen noch rund 15 000 Euro Rente im Jahr.

Auf ihrem Konto landete der Lohn abzüglich der üblichen Abgaben wie der Lohnsteuer. Allerdings, so der Anklagevorwurf, wäre die Disponentin verpflichtet gewesen, zusätzlich eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Dies habe sie unterlassen und damit im fraglichen Zeitraum insgesamt rund 33 000 Euro hinterzogen.

Wegen Steuerhinterziehung in fünf Fällen hatte sie sich deshalb vor Strafrichter Alfred Zimmerer beim Landshuter Amtsgericht zu verantworten. Laut ihrem Verteidiger Erich Hanslmaier handelte es sich um einen bedauerlichen Irrtum bei seiner Mandantin. Sie sei mit einem Zahnarzt verheiratet gewesen, dessen Praxis alles andere als erfolgreich gelaufen sei. Nach seinem Tod habe sie Schulden im sechsstelligen Bereich abzutragen gehabt und diese dann abgearbeitet.

„Nachdem von ihrem Gehalt die Lohnsteuer abgezogen wurde, war sie der Meinung, dass damit ihre Steuerpflicht erfüllt sei“, so der Anwalt. Derzeit stottere sie die Steuerschulden, die vom Finanzamt Freising mit Versäumniszuschlägen und weiterem auf rund 80 000 Euro festgesetzt worden seien, mit 2000 Euro monatlich ab.

Strafrichter Zimmerer meldete, was den „Irrtum“ anging Zweifel an: Es sei weltfremd zu behaupten, dass eine Personaldisponentin von steuerlichen Dingen keine Ahnung habe. Außerdem habe sie all die Jahre keinen Lohnsteuerausgleich gemacht, obwohl sie mit Sicherheit hohe Werbungskosten und Sonderausgaben hätte geltend machen können. „Da wollte man wohl keine schlafenden Hunde wecken“, vermutete er.

Staatsanwältin Anna-Maria Degen beantragte für die fünf Fälle der Steuerhinterziehung eine Geldstrafe von 9900 Euro (90 Tagessätze à 110 Euro). Der Verteidiger plädierte für eine Obergrenze von 90 Tagessätzen, da damit das Führungszeugnis „sauber bleibe“ und die 74-Jährige ihren Job behalten könne. Allerdings hielt er eine Tagessatzhöhe von 80 Euro für ausreichend. Schließlich, so führte er ins Feld, habe seine Mandantin darauf verzichtet, Privatinsolvenz anzumelden und arbeite weiter, um ihre Steuerschulden abzutragen. Das honorierte auch Strafrichter Zimmerer und beließ es bei 90 Tagessätzen à 100 Euro, also bei einer Gesamtgeldstrafe von 9000 Euro.  ötl

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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