Profi-Musikstudio in der Mittelschule: Franziska Zimmer und Robin Schwabe gehörten zu den 25 Schülern, die bei der Aufnahme des Songs vors Mikro durften. Andi Starek (hinten) hat das Lied komponiert und produziert. 
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Profi-Musikstudio in der Mittelschule: Franziska Zimmer und Robin Schwabe gehörten zu den 25 Schülern, die bei der Aufnahme des Songs vors Mikro durften. Andi Starek (hinten) hat das Lied komponiert und produziert. 

Aktion mit Andi Starek

Taufkirchener Mittelschul-Song über ein verrücktes Schuljahr

„Plötzlich ist alles anders": Fünft- und Sechstklässer der Mittelschule Taufkirchen nehmen  einen Song von und mit Andi Starek  vobn der Kinder-Rockband Schlawindl auf.

Taufkirchen – Corona, Home-Schooling, und dann ist auch noch das alte Klassenzimmer nicht mehr da, die Klasse auf die Hälfte geschrumpft, und ein Teil der Schule soll abgerissen werden. Ganz schön viele Veränderungen für die Taufkirchener Mittelschüler. In einem Musikprojekt erhielten die Fünft- und Sechstklässler nun die Möglichkeit, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Die Idee dazu hatte Schulsozialarbeiterin Hiltrud Molter. Sie bat Andi Starek von der Kinderrock-Band Schlawindl, ein Lied mit den Schülern aufzunehmen. Sie waren begeistert.

„Es war eine tolle Erfahrung und schön, dass ich mitmachen durfte, weil es ein cooles Lied wird“, erzählt die elfjährige Sängerin Franziska Zimmer. Jetzt sei ja eine wichtige Zeit, und mit dem Lied könnten die Kinder „verstehen, wie es für andere war. Ich fand es schön, dass der Andi da mitgeholfen hat.“

Über den Hintergrund sagt Molter: „Wir mussten die Schule schließen wegen Corona, hatten telefonischen Kontakt, wussten aber gar nicht, wie geht’s den Kindern.“ Also habe sie mit ihrer Kollegin Inge Seidl die Kinder, als sie wieder in den Unterricht kamen, einzeln befragt. „Welche schönen Erlebnisse hattest du in der Zeit? Woran bist du manchmal verzweifelt? Oder was hast du Neues an dir entdeckt?“ Diese Fragen standen auf Plakaten, um in den sechs fünften und sechsten Klassen sowohl das Positive als auch das Negative aufzufangen.

Die Antworten haben die beiden Sozialarbeiterinnen zusammengefasst und sie Starek anonym zur Verfügung gestellt. Der Eichenrieder Musiker hat mit den Antworten eine Melodie kreiert und mit ihnen dann den Song „Und plötzlich ist alles anders“ aufgenommen.

Verarbeitet wurde auch der Schulabriss, erzählt Molter. Die Kinder mussten ihr altes Klassenzimmer räumen und umziehen. „Es sind zwei besondere Situationen, die die Kinder erleben, die ihre Struktur und ihre Gefühle zusätzlich in Aufruhr bringen. Wir wollten erfahren: Wie geht es den Kindern? Wie können wir sie stützen?“

Auch die Lehrer seien aktiv dabei gewesen. „Denn lernen kann man ja nur, wenn es einem einigermaßen gutgeht, wenn man mit jemandem über das Thema sprechen kann, das einen beschäftigt. Das greifen die Lehrer auf, soweit zeitlich möglich“, so Molter. Die Kinder seien ja nur drei Stunden, zwei bis drei Mal die Woche, da.

Auch für Starek war es eine positive Erfahrung. „Schulprojekte mache ich ja schon länger“, erzählt der 50-Jährige. Für seine große Aktion „Schule gegen Rassismus“ wurde ein Video veröffentlicht und auch im Fernsehen gezeigt, erzählt er stolz (wir berichteten). In Taufkirchen sei er schon einmal mit seiner Band Schlawindl aufgetreten und habe guten Kontakt.

Schulleiter Adi Geier und Molter seien auf ihn zugekommen. Von dem Projekt sei er schnell begeistert gewesen. „Ich habe den Song komponiert, die 25 Kinder gaben die Vorlagen, ich habe aus den zehn Seiten den Text gebastelt. Der Song dauert fast zehn Minuten und ist vom Stil her eher eine Country-Rock-Nummer.“

Mit seinem mobilen Studio kam Starek in die Schule, und die Schüler durften an einem richtigen Profi-Mikro singen oder reden, denn es gibt auch Passagen mit Sprechgesang. Das Wichtigste ist für Starek der Refrain: „Und plötzlich ist alles anders, über Nacht steht alles still. Der Virus und der Schulabriss, ja das ist viel zu viel.“

Rund eine Woche hat der 50-Jährige an dem Projekt gearbeitet, drei Tage Vorbereitung: Schlagzeug, Gitarre, Bass und Keyboards live eingespielt, ein Aufnahmetag und das Mischen und Editieren dauerten auch noch mal zwei Tage.

Nach der Aufnahme gab es Pizza und Eis für alle Beteiligten. Der fertige Song wird zusammen mit Fotos von der Entstehungsgeschichte in den einzelnen Klassen präsentiert, verrät Molter. Und vielleicht wird im neuen Schuljahr ein Video gedreht.

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