Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist der Polstermöbelhersteller Himolla von Corona-Einschränkungen betroffen.
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Zum zweiten Mal in diesem Jahr ist der Polstermöbelhersteller Himolla von Corona-Einschränkungen betroffen.

Reihentestung in Firma

Corona-Reihentestung: 36 Himolla-Mitarbeiter positiv

109 Menschen sind im Zusammenhang mit der Corona-Reihentestung bei der Firma Himolla in Quarantäne. 36 Proben waren bisher positiv. Die Auftragsbücher sind voll, die Produktion muss aber gedrosselt werden.

Taufkirchen – Die Auftragsbücher von Himolla sind voll, die Möbelbranche macht gute Umsätze. Corona macht dem Taufkirchener Polstermöbelhersteller aktuell allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung – und das schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Wie das Landratsamt bekannt gab, waren bei einer Reihentestung in der Firma 36 Proben positiv. 109 Personen seien in Quarantäne. Bei der hervorragenden Auftragslage stelle das ein großes Problem für die Firma dar, erklärt Geschäftsführer Ralph Bestgen.

Die Fabrik laufe weiter, „weil wir eine komplette Logistik-Kette auch mit unseren ausländischen Vorlieferanten und unserem ausländischen Werk haben“. In Taufkirchen sei man aber erst einmal eingeschränkt tätig, und es werde durchgängig weitergetestet. Aktuell werde eine Bestandsaufnahme gemacht, es sei ja „noch alles frisch“. Hierbei stimme man sich mit dem Gesundheitsamt ab.

Viele Mitarbeiter seien in Quarantäne. Genaue Zahlen nennt der Geschäftsführer nicht, er sagt jedoch: „Es ist schon eine Anzahl, die wir merklich spüren. Aber Mitarbeiter first.“ Oberste Prämisse sei, alle zu schützen.

Hauptsächlich sei die Polsterei betroffen, hier sei man „proaktiv dabei, die Mitarbeiter zu schützen“. Seit Februar habe man Hygieneregeln im Werk, Abstand, Masken, Desinfektionsmittel. „Da sind wir schon sehr vorsichtig.“ Auch Trennwände wurden gebaut, um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Beim ersten Lockdown habe es noch keinen Coronafall im Betrieb gegeben. „Wir hatten zwar viele Themen im Umfeld der Familien, Freunde und Bekannten, aber nicht im Werk“, erklärt der Geschäftsführer. Sobald ein Fall aufgetreten sei, habe man den Mitarbeiter nach Hause geschickt, auch wenn es kein Corona, sondern nur Husten gewesen sei. Ebenfalls seit Februar gebe es eine tägliche Überwachung über die eigenen Mitarbeiter, und man habe sogar eine Gesundheitsbeauftragte. „Das läuft sehr professionell.“

Der erste Coronafall im Werk sei erst vorletzte Woche aufgetreten, erinnert sich Bestgen. Er ist überzeugt: „Bei uns im Werk steckt sich keiner an, wenn dann kommt es von draußen. Das können sie ja nicht verhindern.“ Er bezieht sich dabei auf die hohe Inzidenzrate von über 200 im Landkreis. Mittlerweile kämen die Einschläge überall näher, wenn man die heutige Bayernkarte ansehe, sei alles dunkelrot. Die Kunden und Mitbewerber hätten die gleichen Probleme. „Wir sind kein Einzelfall. Das ist momentan überall so.“ Frage sei nun, wann man wieder mit den Rückkehrern rechnen könne.

Bestgen verwehrt sich dagegen, bestimmte Ländergruppen für die hohen Infektionszahlen bei Himolla verantwortlich zu machen. Natürlich habe man ausländische Mitarbeiter, und wenn diese einen hohen Anteil in einer Abteilung ausmachen würden, seien sie natürlich auch mitbetroffen. Die ausländischen Mitarbeiter würden aber nicht beengt, sondern vernünftig in normalen Wohnungen wohnen: „Wir sind ja kein Fleischbetrieb.“

Auch die Reisetätigkeit der Mitarbeiter sei in letzter Zeit ziemlich eingeschränkt gewesen. Nur in wirklichen Notfällen, etwa Todesfällen in Familien, seien die Mitarbeiter nach Hause gefahren.

Im März sei es viel schlimmer gewesen, als Himolla komplett geschlossen, die Grenzen dicht gewesen und die komplette Lieferkette zusammengebrochen war. Nun arbeite man darauf hin, wieder 100 oder sogar 110 Prozent Kapazität zu kriegen.

Denn der Geschäftsführer ist sehr zuversichtlich und erklärt: „Wir haben ein sehr positives Problem. Unsere Auftragslage ist sehr gut, nur die Produktion geht runter.“ Dafür hätten die Kunden aber höchstes Verständnis, weil sie auch betroffen seien.

Das Wichtigste sei jetzt, die Kunden über Auslieferungs- und Wartezeiten zu informieren. „Da hält die Branche schon sehr gut zusammen.“ Natürlich hätte man lieber 100 Prozent Kapazität, aber man sei ja nicht auf Null. „Wir kriegen immer noch sehr viel raus.“

Allgemein habe die Pandemie der Möbelbranche sogar Aufwind verschafft. „Wer hätte denn nach dem ersten Lockdown gedacht, dass der Möbelmarkt komplett explodiert. Wir hatten Auftragseingänge im hohen zweistelligen Plus“, verrät Bestgen. Daher sei er optimistisch. „Wir haben die Auftragsbücher voll. Wir wachsen seit Mitte letzten Jahres wieder.“

Corona habe diesen Trend nur kurz unterbrochen, weil Möbelhäuser geschlossen gewesen seien. „Wir haben alles komplett wieder aufgeholt. Wir stehen sehr gut da“, betont Bestgen. Ursachen dafür sieht er darin, dass sich die Leute mit ihrem Zuhause beschäftigt hätten, die Gelder seien da gewesen, keiner sei in Urlaub gefahren.

An der Kölner Möbelmesse im Januar werde man aber nicht teilnehmen, sollte sie stattfinden. „Wir schränken Reisetätigkeiten massiv ein, Auslandsreisen fallen schon seit längerem komplett weg. Da werden wir nicht unsere gesamte Truppe auf eine Messe stellen, wo in Corona-Zeiten die Ansteckungsgefahr riesig ist. Da geht die Gesundheit unser Mitarbeiter vor.

Birgit Lang

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