Amtsgericht Erding

Zwei Versionen einer nächtlichen Schlägerei

Mit Verletzungen endete eine Nacht im Februar 2017 für einen 50-Jährigen in Taufkirchen. Er beschuldigt zwei Eritreer, in verprügelt zu haben. Sie bestreiten vor Gericht die Tat.

Taufkirchen – Wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich ein 21-jähriger und ein 24-jähriger Eritreer derzeit vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Sie und ein Freund sollen Anfang Februar 2017 auf der Landshuter Straße in Taufkirchen einen 50-Jährigen zu Boden gerissen und mit mehreren Tritten verletzt haben. Die Darstellungen über den Streit zwischen dem Trio und dem Berufskraftfahrer polnischer Herkunft gehen jedoch weit auseinander. Vorsitzender Richter Michael Lefkaditis hatte hierzu auf die Aussage einer entscheidenden Zeugin gehofft. Die Frau fehlte allerdings unentschuldigt.

Nach Angaben des Geschädigten zog er sich eine Schürfwunde am Ellbogen und eine kleine Platzwunde über dem Auge zu. Auch habe er eine Verletzung am Sprunggelenk davongetragen, sagte er aus. Dazu lag allerdings kein ärztliches Attest vor.

In der öffentlichen Verhandlung schilderte das Opfer seine Sicht des Tathergangs. Beim Rauchen vor einer Bar seien dem Berufskraftfahrer um kurz vor 2 Uhr drei sehr laute Männer aufgefallen. Als er sie aufforderte, leiser zu sein, hätten ihn die Männer auf der anderen Straßenseite lautstark beschimpft. Aus Angst habe er zwei Bekannte um Verstärkung gebeten. An die weiteren Geschehnisse konnte sich der 50-jährige nach eigener Aussage nicht genau erinnern. Er wisse nur noch, dass er plötzlich am Boden lag und seinen Kopf vor Tritten schützte.

Die angeklagten Flüchtlinge wollten sich auf Anraten ihrer Anwälte zum Tathergang nicht äußern. Allerdings lagen ihre Aussagen bei der Polizei vor. Diese stellen eine andere Version der Geschichte dar. Demzufolge ist die Aggression nicht von ihnen ausgegangen. Das Opfer habe die Verletzungen durch einen Sturz beim Überqueren der nassen Straße selbst zu verantworten, hatten die Eritreer bei der Polizei ausgesagt.

Der Dritte aus der Gruppe war nicht angeklagt und trat nun vor Gericht als Zeuge auf. Der Freund der Beschuldigten bestätigte die Version der Eritreer.

Da seit dem Vorfall bereits über ein Jahr vergangen ist, konnten sich die anwesenden Zeugen – unter ihnen mehrere Polizeibeamte – kaum noch an Details erinnern und lieferten nur wenig brauchbare Informationen für den Richter. Allerdings bestätigten mehrere Zeugen, dass drei Männer sich zügig vom Tatort entfernten und das Opfer verletzt am Boden lag.

Bei der polizeilichen Vernehmung der Eritreer habe es offensichtlich keine Verständigungsschwierigkeiten gegeben, schloss Richter Lefkaditis aus den Äußerungen der Männer. Trotzdem war in der Verhandlung ein Dolmetscher anwesend. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Dann soll auch die noch fehlende Zeugin aussagen, die, falls nötig, unter Polizeibegleitung vor Gericht erscheinen muss. Hannah Wolf

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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