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Die Anlieger der Zugspitzstraße, hier Gottfried Traber (2. v. l.) und Helmut Scheuerer (4. v. l.) wollen keine Nachverdichtung in ihrer Siedlung. 

Bürgerversammlung Taufkirchen

Angst, „dass jeder bauen kann, wie er will“

Wer glaubt, dass es wegen der geplanten Rekordinvestitionen für den Mittelschul- und Mehrweckhallenneubau bei der Bürgerversammlung zur Sache ging, täuschte sich. Die Bürger bewegen offensichtlich ganz andere Dinge.

Von Birgit Lang

Taufkirchen – Nicht die geplanten 31 Millionen Euro Investitionskosten bewegten die Anwesenden. Nachverdichtung, Wildpackerei, die Finanzierung der B 388-Umfahrung, die Öffnungszeiten des Recylinghofes oder Schulthemen beschäftigten die Bürger, die sich zu Wort meldeten. Ex-Vizebürgermeister Gottfried Traber macht sich Sorgen über die Nachverdichtung in seiner Siedlung an der Zuspitzstraße. Um die Wünsche der Anlieger herauszufinden, hatte die Rathaus-Verwaltung im August einen Fragebogen an sämtliche Hauseigentümer verteilt. Für „diskussionswürdig und rechtlich nicht haltbar“ hielt Traber den darin enthaltenen Passus, dass die Gemeinde davon ausgehe, das alle, die den Frageboden nicht zurückschicken, „vom Grundsatz her keine Einwände“ hätten. 30 Hauseigentümer hatten kein Feedback abgegeben.

Von den 36 rückläufigen Fragebögen, also 56 Prozent, hätte sich die überwiegende Mehrheit, Traber sprach von 68 Prozent, gegen eine Verdichtung ausgesprochen. Als bei der Zusammenfassung der Argumente im Bauausschuss die Nein-Stimmen aufgelistet werden sollten, habe dies Bürgermeister Franz Hofstetter „abgewürgt“, beschwerte sich Traber. Das sei „für die Zuhörer nicht nachvollziehbar“ gewesen. Gleiches gelte für die Klausur, bei der sich der Gemeinderat im Dezember Gedanken zum Thema machen wolle.

Bürgermeister Hofstetter antwortete, eine einzelne Bauanfrage sei Ausgangspunkt für den Fragebogen gewesen. Prinzipiell gehe es dem Gremium darum, herauszufinden, ob die Hauseigentümer in Siedlungen mit großen Grundstücksflächen für Angehörige nachverdichten wollen oder nicht. „Wir wollten vorab nur die Nachbarn befragen“, der Fragebogen habe „überhaupt keine Rechtswirkung“, erklärte der Bürgermeister. Bei der Klausur gehe es um generelle Themen, „wo wollen wir mit unserem Ort hin? Was wird gewünscht vom Bürger?“ Im Bezug auf Nachverdichtung habe es schon mehrfach „Problemfälle“ und bittere Vorwürfe gegeben, etwa beim Anwesen Bernock oder Birnkammer, führte er weiter aus.

Auch Anlieger Helmut Scheuerer äußerte seine Ängste, dass die Gemeinde für diese Siedlung „eine Generalvollmacht geben wird, dass jeder bauen kann, wie er will“. Dies habe Auswirkungen auf die Lebensqualität, vor allem, wenn alles zugepackt werde.

Kreisbrandmeister Richard Obermaier regte an, „ein paar Elektroladestellen in der Gemeinde“ zu errichten und diese von den örtlichen Banken und Himolla mitfinanzieren zu lassen. Problem bei der Feuerwehr Taufkirchen sei, „wir haben keine Parkplätze mehr“. Bedingt sei dies vor allem durch den Schulbetrieb. „Ein schärferes Wort“ richtete er an „die Muttis“, die mit ihrem „Shuttle kommen, um ihre Kinder abzuholen“. Sogar die Tore der Feuerwehr würden sie zuparken, ohne Verständnis für die Auswirkungen auf mögliche Notfälle. „Wir sind für euch da, helfen euch, wenn’s pressiert. Mein Appell ist mehr an die Feuerwehr zu denken.“

Die Sponsoring-Idee für die E-Tankstellen fand Hofstetter „hervorragend“. Auch er appellierte an die Vernunft der Fahrzeughalter. Mehr Stellplätze für die Feuerwehr werde es spätestens dann wieder geben, wenn die provisorische Rettungswache des Roten Kreuzes am Hierlhof in die neue Rettungswache an der Fichtenstraße umgezogen sei. Auch beim Schulneubau soll die Parkplatzsituation verbessert werden, kündigte Hofstetter an.

Bernhard Drechsler aus Taufkirchen hat zur Bürgerversammlung schriftlich darum gebeten, die Öffnungszeiten des Recycling-Hofes am Samstag von 14 auf 15 Uhr zu verlängern. „Das müsste möglich sein“, meinte Hofstetter, dazu. Dass die Hinterlassenschaften der Reiter auf dem Vilstal-Radweg zu einer „großen Gefahr für Radfahrer“ werden könnte, hat Renate Huber aus Granting schriftlich vorgebracht. Sie bat um Abhilfe. Hofstetter versprach dieses Problem im Amtsblatt „Kompass“ zu thematisieren.

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