Umfrage zur Nachverdichtung

Angst vor Überfremdung Taufkirchens

Nachverdichten lautet ein Schlagwort, mit dem die Bayerische Staatsregierung unnötige Flächenversiegelung verhindern möchte. Auch in Taufkirchen ist dies ein Thema, allerdings ein sehr umstrittenes, wie eine Umfrage zeigt.

Von Birigt Lang

Taufkirchen – Die Vilsgemeinde sieht sich großem Siedlungsdruck ausgeliefert. Auch für die Siedlungen Zugspitzstraße I in Taufkirchen und Moosen III im Oberfeld, deren Bebauungspläne aus den 80er Jahren stammen, liegen Bauanfragen vor. Der Grundstücks- und Bauausschuss hatte daher beschlossen, eine Umfrage bei den Grundstückseigentümer beider Siedlungen durchzuführen. So sollte herausgefunden werden, was die Bürger von einer Nachverdichtung halten. Die Ergebnisse stellte Sachbearbeiter Hans Baumgartner jetzt dem Gremium vor.

Insgesamt wurden 110 Grundstückseigentümer angeschrieben. In Taufkirchen waren es 68. Ein Fragebogen wurde leer abgeben, drei erteilten eine Zustimmung, acht hatten Bedenken oder Anregungen und 26 lehnten eine Nachverdichtung kategorisch ab. Die restlichen 30 haben nicht geantwortet. In Moosen waren es 46 Grundstückseigentümer, von denen nur drei eine Nachverdichtung ablehnten. Zehn hatten Bedenken, sieben erteilten ihre Zustimmung und 23 gaben keine Antwort ab.

Viele der Grundstücksbesitzer in Taufkirchen argumentierten, sie hätten sich gerade wegen der lockeren Bebauung hier angesiedelt. Sie wollten die „grüne Lunge“ des Ortes erhalten und keinen zusätzlichen Verkehr. Einige Grundbesitzer fürchten zusätzlich größere Gebäude, die dann wie „Fremdkörper in der eingewachsenen Siedlung“ sein würden.

Kritisiert wurde mehrfach auch der Zustellungsmodus der Fragebögen in den Ferien und die zu kurze Frist zum Antworten von nur 14 Tagen. Außerdem hegten einige rechtliche Bedenken wegen der nicht abgegebenen Fragebögen. Auch Wertminderung, „Überfremdung der Bevölkerung durch Neubürger“ wurden vorgebracht. Andere ärgerten sich, dass man die Profitgier von Bauherren und Bauträger nicht unterstützen sollte. Ängste, dass der vorhandene Spielplatz bebaut werden könnte, entkräftete Bürgermeister Franz Hofstetter. Die Gemeinde habe Spielplatzpaten eingesetzt, um den Wünschen der Kinder nachzukommen und müsse eher um Verständnis kämpfen, weil Spielplätze oft gar nicht gewünscht seien.

In Moosen wurde unter anderem vorgebracht, dass der Passivhausstandard durch zu viel Beschattung nicht mehr einhaltbar sei und die Siedlung jetzt schon mit Autos zugeparkt sei. Zustimmung erteilten überwiegend die Eigentümer, die schon konkrete Baumaßnahmen planen, erklärte Baumgartner.

Für Diskussion sorgten vor allem die hohe Zahl nicht zurückgesandter Fragebögen. Dies werde als stillschweigendes Einverständnis gewertet, hatte die Gemeinde in ihrem Anschreiben hinzugefügt. Bürgermeister Hofstetter stellte jedoch fest: „Die überwältigende Mehrheit ist gegen eine Nachverdichtung.“ Alois Maier (WGW) sagte, „die vielen, die nicht abgegeben haben, irritieren mich“. Hofstetter antwortete, die Aktion sei ein Angebot der Verwaltung gewesen, seine Meinung kundzutun. Für Manfred Slawny (SPD) war klar, dass sich nur diejenigen, die sich die Arbeit machen, etwas aufzuschreiben, grundlegend dagegen seien. Er sei noch von einem höheren Anteil ausgegangen. „Wenn einer nichts schreibt, so hat er zumindest keine gravierenden Einwände.“

CSU-Rat Stefan Haberl bat, darum alle Bedenken und Anregungen nochmals zusammenzufassen, um ein Stimmungsbild nachzeichnen zu können. Und Kurt Empl (EMo) resümierte, bei der Zuspitzstraße sei über die Hälfte massiv gegen eine Nachverdichtung, während in Moosen eher Zustimmung und Nachsicht bei Nachverdichtung herrsche.

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