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Stießen auf den 90. Geburtstag an (v. l.): Georg Blumoser (Schwiegersohn), Birgit Blumoser (Tochter), Ruth Holzner (Tochter), Georg Hans Schmitt (Jubilar) und Gudrun Maurer (Tochter).

Georg Hans Schmitt 90

Auf zwei ungleichen Füßen durch das Leben

Ein Schuh in Größe 41, der andere in Größe 42. Damit uniformiert ging es für Georg Hans Schmitt von Taufkirchen an den Rhein, an die Front, durch ein Deutschland, dass im Winter 1944 bereits am Boden lag.

Taufkirchen – Der Sohn eines Landmaschinenmechanikermeisters konnte jetzt im Kreise seiner Großfamilie auf ein bewegtes, 90-jähriges Leben zurückblicken. Eine Zeit mit Umbrüchen und Entwicklungen, wie sie wohl von noch keiner Generation erlebt wurde.

Am 14. November 1927 geboren, wuchs Schmitt mit zwei Geschwistern in der Dorfener Straße im damals noch sehr ländlichen Taufkirchen auf. Heute steht, dort wo die Familie wohnte und die väterliche Werkstatt untergebracht war, das Elektrogeschäft Zeilbeck. Nachhaltig hat sich dem Jubilar ein Unfall eingeprägt, der ihm als siebenjähriger passierte. Als er den Nachbarn die Tageszeitung bringen wollte, erfasste ihn ein Motorrad am Straßenrand. Der Bub verlor fast ein Auge, am rechten Unterarm hatte er eine klaffende Fleischwunde. Sein Glück war, dass der Taufkirchener Arzt Dr. Zistl schnell zur Stelle war. Er implantierte Schmitt – heute nicht mehr vorstellbar – ein Stück frisches Kalbsfleisch vom Metzger in den Arm.

Nach langem Krankenlager besuchte er wieder die Volksschule, die damals nur sieben Jahre dauerte. Die Nachmittage verbrachte er in der Landmaschinenwerkstatt des Vaters, trat den Blasebalg für das Schmiedefeuer und putzte Maschinenteile. Naheliegend erlernte er schließlich auch den Beruf des Landmaschinenmechanikers. Mittlerweile herrschte Krieg in Europa, als Mitglied der Hitlerjugend musste er seine Ausbildung für ein Wehrertüchtigungslager, „Härteerziehung“ genannt und in Weyarn stattfindend, unterbrechen. Dort absolvierte Schmitt eine harte vormilitärische Ausbildung.

Die Morgentoilette geschah am eiskalten Brunnen, der Tagesablauf bestand aus laufen, klettern und schießen. „Ich war damals ein Stopsl von ungefähr 1,45 Metern“, erinnert sich der Jubilar. Nach der Gesellenprüfung wurde er in die Wehrmacht, zusammen mit Taufkirchener Schulfreunden, eingezogen. Der kurzen Grundausbildung folgte im letzten Kriegswinter die Verlegung nach Neuwied an die dortige Rheinbrücke, „Zur besonderen Verwendung“, so der damalige Ausdruck. In Schmitts Fall hieß dies, als Flak-Ladekanonier (Flugabwehrkanone) die von ihren Bombardements aus Deutschland zurückfliegenden Kampfflugzeuge zu beschießen.

In den letzten Kriegstagen kam Hans Schmitt in Gefangenschaft, „„Hands up“ hieß es, dann war für uns der Krieg vorbei“. In einem Gefangenenlager in Frankreich wurden die jungen Taufkirchener Soldaten zur Pflege eines Soldatenfriedhofs aus dem Ersten Weltkrieg verwendet. „Uns ging’s verhältnismäßig gut, wir wurden nicht schikaniert. Zudem war einer unserer Bewacher ein gebürtiger Frankfurter, der in die USA ausgewandert war. Der war uns wohlgesonnen, dazu kam, dass ich noch ziemlich klein war und damit eine Art Lieblingskind der Amerikaner wurde“. Nach einem Monat ging es schon zurück nach Deutschland, Schmitt erreichte unbeschadet seine Heimat.

Beim Faschingsball funkte es

In München bildete sich der junge Mann beruflich fort und wurde Automechaniker. Nach dem frühen Tod des Vaters übernahm er, erst 25, mit seinem Bruder Willi die Werkstatt in der Dorfener Straße. Bei einem Faschingsball in der Taufkirchener Bahnhofswirtschaft Germaier lernte Schmitt Theresia Eberle kennen. Im Sommer 1959 heirateten die beiden, zwei Jahre später kamen die Zwillinge Birgit und Ruth zur Welt, ihnen folgte die jüngste Tochter Gudrun. Bis heute lebt das Ehepaar Schmitt im historischen Eberle-Haus an der Landshuter Straße.

Der „Schmitt-Hansl“, wie er bei vielen Taufkirchenern bekannt ist, gestaltet als Mitglied vieler Vereine auch das gesellschaftliche Leben des Ortes. 22 Jahre war er Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereines, „bis heute bin ich sehr heimatverbunden“, erzählt er. Bei der Verkehrswacht ist er Gründungsmitglied, daneben gehörte er den Altschützen, der Krieger- und Soldatenkameradschaft, dem Förderverein Wasserschloss, der Kirchenverwaltung und dem Pfarrgemeinderat an. Er las lange Zeit als Lektor bei Gottesdiensten und betreute das Taufkirchener Archiv, als es noch im Attinger Weg untergebracht war. Auch bei der Feuerwehr war er viele Jahre als Maschinist aktiv, fuhr die „Cilly“, ein Einsatzfahrzeug, das bis heute als Oldtimer in den Händen des Vereines ist. Zum 90. Geburtstag wurde Schmitt von seiner Familie mit einer Rundfahrt in der Cilly beschenkt.

Aus dem öffentlichen Leben Taufkirchen hat sich Schmitt etwas zurückgezogen, sein Glück findet er in seiner Großfamilie, seine drei Töchter schenkten ihm eine Enkelin und sechs Enkel. Daneben umsorgt er liebevoll seine Frau Theresia.  fh

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