Der Fall wurde am Amtsgericht verhandelt.
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Der Fall wurde am Amtsgericht verhandelt.

32-Jähriger steht wegen Gefährlicher Körperverletzung vor Gericht – Prozess unterbrochen

Ausgerutscht oder zu Boden geschubst?

  • vonMayls Majurani
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Ein Taufkirchener musste sich wegen Gefährlicher Körperverletzung vor der Erdinger Amtsgericht verantworten. Doch ohne unbeteiligte Zeugen lässt sich die Tat nur schwer rekonstruieren.

Taufkirchen – Was ist am Abend des 23. Oktober 2020 in einer Wohnung in Taufkirchen passiert? Eine Frau behauptet, von ihrem (Ex-) Freund körperlich misshandelt, eingesperrt und bedroht worden zu sein. Der Mann beschreitet das. Die Verletzungen der Frau sind dokumentiert, doch die Tat lässt sich nur schwer rekonstruieren, weil es keine weiteren Zeugen gibt. Der Prozess am Amtsgericht wurde unterbrochen, ein Urteil steht noch aus.

Auf der Anklagebank saß ein 32-jähriger Taufkirchener, dem die Staatsanwaltschaft Gefährliche Körperverletzung vorwirft. Die Anschuldigungen seien „absolut falsch“, sagte er und berichtete von einer „unharmonischen Beziehung“, geprägt von der „krankhaften Eifersucht“ seiner Freundin: „Sie hat meinen Kilometerstand kontrolliert, sie hat meine Kollegen angerufen, ob ich auch in der Arbeit bin, und nicht bei irgendwelchen Frauen, sie hat meine Kontoauszüge kontrolliert. Ich durfte nicht mal allein ins Fitnessstudio.“

Am Tatabend gab es einen Streit. Zu dem Zeitpunkt war das Paar seit einigen Tagen getrennt. Er forderte sie auf, seine Wohnung zu verlassen. Als sie dem folgen wollte, stürzte sie auf der Terrasse und verletzte sich an den Knien. Er half ihr auf und wollte sie in der Wohnung verarzten. Sie bewarf ihn aber mit Gegenständen. „Sie stellt sich jetzt als Opfer dar. Dabei war ich das Opfer. Sie hat mich dauernd gestalkt“, sagte der Angeklagte.

Die blauen Flecken an ihren Oberarmen, „Riesenhämatome“, wie Richterin Michaela Wawerla anmerkte, erklärte der Taufkirchener so: „Sie leidet an einem Lymphödem. Sie bekommt blaue Flecken, wenn man sie festhält.“ Und das hatte er, gab er zu – um sie nach dem Sturz vom Terrassenboden hochzuheben und zurück in die Wohnung zu tragen.

Die Schilderung der Frau war dagegen ganz anders: Sie war zu ihm gefahren, um ein letztes Mal über die Beziehung zu sprechen. Sie ließ ihn sogar einen Zettel unterschreiben, auf dem er verspricht, nicht aggressiv zu werden – dieser lag auch dem Gericht vor. Während des Gesprächs merkte sie aber, dass ihr Freund sich nicht ändern würde. Also wollte sie gehen. An der Terrassentür schubste er sie dann aber zu Boden. Sie stand auf und lief über den Garten Richtung Auto. Er holte sie aber ein, packte sie und zerrte sie zurück in die Wohnung. Auf dem Boden liegend wurde sie dann mit Badelatschen und einem kleinen Metallgegenstand mehrmals beworfen. Deshalb die vielen blauen Flecken an ihren Armen: „Er hat auf mein Gesicht gezielt, ich hab die Sachen aber mit meinen Armen abgewehrt.“

Der Horrorabend war damit aber noch nicht zu Ende. Er nahm ein Messer in die Hand und sagte: „Wenn ich dich nicht bekomme, bekommt dich niemand“ – offenbar ein sehr geschmackloser Scherz: „Dann hat er gelacht und gesagt: ,Als ob ich sowas machen würde’, und das Messer weggelegt“, erzählte die Frau. Doch beruhigend war das für sie nicht: „Ich hatte Angst, dass ich da nicht mehr rauskomme.“

Später beruhigte sich der Mann und entschuldigte sich, erzählte die Frau weiter. Da er kein Verbandsmaterial daheim hatte, wollte die Frau wohl in ihre Wohnung fahren: „Ich habe versprochen, dass ich in einer Stunde zurückkomme.“ Sie stieg ins Auto und begab sich zur Polizei. Noch am gleichen Abend fuhren Polizeibeamte zu dem 32-Jährigen nach Hause und erteilten ihm ein Kontaktverbot und Platzverweise für die Wohnung und den Arbeitsort der Frau.

Vorbestraft ist der Taufkirchener nicht. Auf Antrag seines Anwalts wird nun geprüft, ob die Verletzungen der Frau mit ihren Schilderungen in Einklang zu bringen sind. Einen Termin für die Fortsetzung der Verhandlung gibt es noch nicht.

Mayls Majurani

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