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Dorfhelferin Irmgard Radlmaier: Bäuerin auf vielen Höfen

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Von: Alexandra Anderka

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Backen ist ihre Leidenschaft: Als Dorfhelferin steht Irmgard Radlmaier in der Adventszeit oft mit Kindern in der Küche, backt Plätzchen und Lebkuchen. Gerne erinnert sie sich anhand ihres Gästebuchs an die schöne Zeit auf der Alm.
Backen ist ihre Leidenschaft: Als Dorfhelferin steht Irmgard Radlmaier in der Adventszeit oft mit Kindern in der Küche, backt Plätzchen und Lebkuchen. Gerne erinnert sie sich anhand ihres Gästebuchs an die schöne Zeit auf der Alm. © Alexandra Anderka

Sie ist Bäuerin auf vielen verschiedenen Höfen. Zwei Tage bis zu einem Jahr bleibt Irmgard Radlmaier jeweils dort und ersetzt den weiblichen Arbeitspart in der Landwirtsfamilie.

Taufkirchen - Besonders mag die 32-Jährige Irmgard Radlmaier die Adventszeit auf den Höfen. „Lebkuchenbacken mit einer Familie habe ich heuer schon vereinbart“, freut sich die Dorfhelferin.

Während ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin musste sie einmal 85 Kilo Plätzchen backen. „Seitdem ist das Backen eine große Leidenschaft von mir“, erzählt sie strahlend. Mit ihren süßen Köstlichkeiten verwöhnt sie auch ihren Lebensgefährten Anton Zur, mit dem sie zusammen auf einem abgeschiedenen Hof in Holzmann in der Gemeinde Taufkirchen lebt.

Die Taufkirchenerin, die aus dem Landkreis Freising stammt, ist seit zwölf Jahren selbstständige Dorfhelferin, vermittelt vom Maschinenring. Sie liebt ihre Arbeit. Im Durchschnitt kümmert sie sich sechs bis acht Wochen lang um einen Betrieb und übernimmt dort die Arbeit der Frau, die gerade ausfällt. „Kochen für eine Großfamilie ist für mich kein Problem“, sagt sie schmunzelnd, „ich brauche die Action“.

Der Beruf der Dorfhelferin ist aber mehr als kochen. Es ist eine soziale Höchstleistung. Denn eine Dorfhelferin kommt immer dann, wenn es in einer Landwirtsfamilie brennt. „Von der Schwangerschaft bis zum Todesfall gibt es viele Gründe, weshalb eine Dorfhelferin angefordert wird“, sagt Radlmaier, und sie weiß: „Manchmal ist Kaffeetrinken mehr wert als die Arbeit, die ich gerade mache.“ Sie nehme bei den Gesprächen mit der Familie einen anderen Blickwinkel ein, und das sei oft hilfreich.

Ein bisschen Psychologie hat sie in der Schule in Pfaffenhofen – die einzige in Bayern, die die Fortbildung zur Dorfhelferin anbietet – gehabt. Doch das meiste habe sie sich selbst angeeignet, „da wächst man rein“. Es dauere ein paar Tage, „dann läuft es eigentlich“, sagt die 32-Jährige entspannt. Die meisten Leute seien sehr dankbar, aber es komme auch mal vor, dass die Chemie zwischen Dorfhelferin und Familie nicht stimme. „Dann vermittelt der Maschinenring, und es kommt zu einem Tausch.“ Die Abwechslung gefalle Radlmaier so sehr an ihrem Beruf. „Es ist inspirierend, immer neue Leute kennenzulernen. Auch ich profitiere von deren Erfahrungen. Ich bin immer neugierig auf Neues.“

Und so kam es, dass sie sich im Sommer 2019 selbst eine Auszeit nahm – auf einer Alm. Zusammen mit ihrer besten Freundin hütete sie auf der Loana-Alm in der Jachenau das Jungvieh eines Bauern aus dem Tal. „Jeden Morgen sind wir los, haben nach den Tieren gesucht und gezählt, ob alle da waren.“ Für die Wanderer bereiteten sie Brotzeiten vor. „Aber das war nicht so wild, denn wir waren im September dort, da ist schon Saison-Ende.“ Als „super Zeit“ sieht Radlmaier die vier Wochen. Das Schönste sei für sie gewesen, nicht erreichbar zu sein. Sie habe während des Aufenthalts wieder zu sich selbst gefunden und die Ruhe genossen.

Die stade Zeit mag die Dorfhelferin auch daheim besonders gern. Für sie gehören dazu ein knisterndes Feuer im Holzofen, Teelichter im ganzen Haus und eine gemütliche Kaffeerunde mit selbstgebackenen Plätzchen und Lebkuchen.

Ihr Kartoffel-Lebkuchen-Rezept:

Zutaten:

6 Eier, 750 g Zucker, 1,5 TL Zimt, 1 TL Nelken, je 100 g Orangeat und Zitronat (gehackt), 900 g gekochte, mehlige Kartoffeln, 500 g gemahlene Haselnüsse, 450 g Mehl, 1,5 bis 2 Päckchen Backpulver, Schokoladenguss, halbierte Mandeln

Zubereitung: Aus den Eiern und dem Zucker eine Schaummasse rühren, anschließend alle Geschmackszutaten zugeben, die zerdrückten Kartoffeln, die Haselnüsse, das gesiebte Mehl und das Backpulver unterheben. Die Lebkuchenmasse auf große Oblaten streichen, bei 180 Grad im Ofen etwa 20 bis 30 Minuten backen. Wenn sie erkaltet sind, die Lebkuchen mit Schokoladenguss bestreichen und mit halbierten Mandeln verzieren.

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