Puerto Jugendwohngemeinschaft

Bald auch Hilfen für Einheimische

In der Taufkirchener Puerto Jugendwohngemeinschaft von Condrobs sollen in absehbarer Zeit nicht nur unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut werden, sondern auch einheimische Jugendliche, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden.

Taufkirchen – Die Gründe, warum Kinder und Jugendliche einer Betreuung durch Pädagogen oder Psychologen bedürfen, können sehr verschieden sein. Besonders gilt dies, wenn man minderjährige Flüchtlinge mit einheimischen Jugendlichen vergleicht. Während erstere Schwierigkeiten mit Sprache oder Kultur haben, stehen Einheimische oft im Konflikt mit den Eltern oder der Schule. Dennoch berichtete Evelyn Ohms, Leiterin der Condrobs Jugendwohngemeinschaft im ehemaligen Gasthaus zur Post in Taufkirchen, im Gemeinderat davon, das Klientel auf Jugendliche ohne Fluchthintergrund auszuweiten.

Condrobs, 1971 als Selbsthilfeinitiative von Eltern drogenabhängiger Jugendlicher gegründet, hat sich vor sieben Jahren für junge Geflüchtete abseits der Drogenthematik geöffnet. In Taufkirchen werden seit zwei Jahren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Nun soll auch hier das gesamte Condrobs-Konzept umgesetzt werden. Für Einheimische führt der Weg in die Einrichtung, die immer ein Notfallzimmer frei hat, über das Jugendamt.

Derzeit sind 24 männliche Flüchtlinge aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan und Eritrea in dem Gebäude untergebracht und in eine sozialpädagogische und eine heilpädagogische Gruppe geteilt. Dabei ist das Verlassen der Einrichtung in ein selbstbestimmtes Leben mit guten Deutschkenntnissen und einem Schulabschluss das Ziel für alle Untergebrachten. Damit die Jugendlichen unterschiedlichster Herkunftsländer als Wohngemeinschaft funktionieren, braucht es verbindende Elemente. Neben einer Deutschpflicht sind dies auch das gemeinschaftliche Kochen sowie Sport und Musik.

Das Interesse der Gemeinderäte richtete sich dann doch auf das derzeitige Zusammenleben der reinen Flüchtlingsgemeinschaft. Auf die Frage, wie es um den Alkohol- und Drogenkonsum in der Wohngemeinschaft stehe, räumte die Einrichtungsleiterin ein, dass Haschisch bei manchen Geflüchteten Teil der Kultur war. Es würden Drogentests durchgeführt, selten seien diese positiv. „Für die große Menge der Untergebrachten ist das kein Thema“, bilanzierte sie. Auch Schlägereien seien schon vorgekommen und für manche Jugendliche sei es anfangs schwierig, eine junge, weibliche Betreuerin zu akzeptieren. „Es ist ein Lernprozess, der bei manchen schnell geht, andere tun sich schwerer“, meinte Ohms zu diesen Vorkommnissen. Ihren Vortrag schloss Ohms mit einem persönlichen Fazit: „Die Arbeit macht Spaß, weil man oft Veränderungen sieht.“  fh

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