Herzlich willkommen: Bräustüberl-Wirt Rainer Müller, genannt Balu, kocht heute für Bedürftige auf. Foto: Lang

Weihnachtsessen für Bedürftige

Balu hat ein Herz für die Armen

Taufkirchen - Rainer Müller wird von seinen Freunden Balu genannt, nach dem gutherzigen Bären des Disney-Zeichentrickfilms „Das Dschungelbuch“. Dass er ein ebenso großes Herz hat, beweist der Gastronom an Heiligabend.

Erst seit kurzem ist Rainer Müller der neue Wirt des Taufkirchener Bräustüberls. Für ihn sei es selbstverständlich, dass er an Heiligabend mit denen feiern will, denen es nicht so gut geht. Deshalb lädt er von 15 bis gegen 18 Uhr Menschen zu einer Mahlzeit und was zu trinken ein, die „sparen müssen und nicht so viele Habseligkeiten haben“. Ob es Würstl mit Kartoffelsalat oder Gulaschsuppe ist, weiß er noch nicht. „Das richtet sich nach dem Andrang“, erklärt er.

Es ist nicht das erste Mal, dass Balu zu Weihnachten einlädt. „Das mache ich immer“, sagt der große, stattlich gebaute Wirt. Das habe er schon in seinem ersten Lokal in Karlsruhe, in der Stadt, in der er geboren worden ist, so gehalten. Müller war in den vergangenen Jahrzehnten viel in der Weltgeschichte unterwegs. Er hatte diverse Lokale, auch in Teneriffa, arbeitete als Festzeltbedienung und führte auf Kuba sowie der Dominikanischen Republik deutsches Fassbier ein. Hier erlebte er auch hautnah, was Armut ist.

Mit den Mitarbeitern der Taufkirchener Tafel habe er schon Kontakt aufgenommen, damit sie ihre Kunden auf sein Weihnachtsessen aufmerksam machen. Den Kontakt stellten ihm Walter und Monique Schweizer her. Der Wiener und die Hessin sind Stammgäste des Bräustüberls. Sie verstanden sich auf Anhieb mit Balu. Er hofft nun, dass auch einige Tafel-Mitarbeiter am 24. vorbei schauen, um gemeinsam mit allen zu essen und Weihnachtslieder zu singen.

Auch für alle anderen öffnet er sein Lokal an Heiligabend um 18 Uhr. Jeder könne kommen. „Keiner muss allein daheim Weihnachten feiern und Trübsinn blasen“, sagt er und meint, dass es schön wäre, wenn alle gemeinsam feiern würden. Diese Gäste könnten dann à la Carte speisen, müssten aber natürlich bezahlen. 

Riesig gefreut hat sich Müller, als Valentin Vorbuchner, der Vorstandsvorsitzende der Taufkirchener Brauereigenossenschaft, einen großen Christbaum vorbeibrachte. Den will Balu gleich im Eingangsbereich aufstellen und schön schmucken. Gerne hätte er seinen Gästen auch eine Kleinigkeit zu Weihnachten geschenkt. Dabei hätte er ortsansässige Geschäftsleute um Hilfe gebeten, doch fehlte dazu die Zeit. Wenn Unternehmer oder Privatleute jedoch spontan kleine Päckchen vorbei brächten, fände er das klasse.

Warum er fremde Menschen zu sich einlädt, beantwortet er schnell: „Das ist eine ganz einfache Sache, weil die Regierung kein Herz für solche Menschen hat. Wir müssen immer länger schaffen“, sagt der Badenser. Trotzdem werde die Rente immer weniger. „Es gibt so viele, vor allem Ältere, die so viel für unser Land getan haben. Aber ihre Rente reicht ihnen nicht.“ Diesen Missstand kann er nicht beheben, aber er kann im Kleinen helfen, und das macht Balu mit seinem Weihnachtsessen in seiner Traumgaststätte, dem Bräustüberl „sehr gerne und immer wieder“, wie er betont.

Birgit Lang

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