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Holz, Licht und Farbe: Darüber philosophierten Bildhauer Franz Robert Czieslik (r.) und Bürgermeister Franz Hofstetter.

Lebenspfad für Künstler und Betrachter

30 knallige Skulpturen in Taufkirchen

Zwischen dem Taufkirchener Rathaus und dem Klinikpark stehen 30 bunte Holzskulpturen. Damit geht ein Traum für den Künstler in Erfüllung.

Taufkirchen – Wer derzeit entlang vom Taufkirchner Rathaus, am Wasserschloss vorbei, in den Klinikpark flaniert, sieht farbige, fast schon grelle Skulpturen aus Robinien-Holz. „Baumturen“ nennt Bildhauer Franz Robert Czieslik seine rund 30 Werke, die direkt zum sogenannten „Meditationsraum“ des bekannten Malers und Bildhauers Rupprecht Geiger im Park des psychiatrischen Klinikums führen.

Die Baum-Tour beginne am schönsten Platz Taufkirchens, sagte Bürgermeister Franz Hofstetter direkt hinter dem Rathaus, am Dr.-Winkelmann-Weg: „Wie geschaffen sind die Skulpturen für diese idyllische Umgebung“, sagt Taufkirchens Rathauschef. Ihn fasziniert „der tiefe Bezug der Werke zur Natur“ und er hebt das Farben- und Lichtspiel der Baumstämme hervor.

Grelle Farben für geistige Kraft

Anfang 2000 war Czieslik schon einmal in Taufkirchen. Er war damals Assistent und der letzte Schüler des bekannten Bildhauers und Malers Rupprecht Geiger, der 1991 mitten auf dem Klinikgelände einen „Meditationsraum“, eine quaderförmige und begehbare Skulptur in knalligem Rot, geschaffen hatte. Von außen sieht man etwa zwei Meter hohe Betonmauern, die im Inneren miteinander verbunden sind. Die Simultanität des Inneren und Äußeren, in realer Natur und abstraktem Farbraum, lade zum Innehalten ein, so Czieslik. Doch vor knapp 17 Jahren war der Meditationsraum abgewirtschaftet, hatte an Leuchtkraft verloren und musste restauriert werden.

Geiger war ein Münchner Architekt, aber auch abstrakter Maler und Bildhauer. Der renommierte Künstler und Professor der Bildenden Künste wurde knapp 100 Jahre alt und verwendete bei seinen Arbeiten ausschließlich grelle Farben, die zu geistiger Kraft führen sollten. Schon damals träumte der gelernte Schreiner Czieslik, der seine Liebe zum Holz schon mit 13 Jahren entdeckte, von einer Ausstellung seiner Werke im Freien, in Kombination mit Geigers Meditationsraum.

Open-Air-Ausstellung: Ein Traum geht in Erfüllung

Dank der Gemeinde Taufkirchen und des Klinikums wurde diese Vision nun wahr. Dabei bediente sich Czieslik einer eigenen Form- und Farbsprache. Er bearbeitete frische Stämme aus Robinien-Holz, schnitt sie und legte auf einer Seite die natürlich gewachsene Struktur unter der Rinde frei. Man kann die Astansätze und die Konturen des Baumes noch sehen.

Nach dem Bearbeitungsprozess und einer mehrmonatigen Pause zum Trocknen trug er die Farben auf: intensives Blau, leuchtendes Gelb und Orange sowie Rottöne.

Mühsame Verinnerlichung der Farben

Nicht immer waren die Werke Cziesliks farbenfroh: „Es dauerte lange, bis ich Geigers Farbdimension verinnerlichen konnte“, erklärt der Bildhauer. Da die Wege der Menschen nur in den seltensten Fällen gradlinig verlaufen, kamen alle Farbexperimente ins Stocken. „Ich fiel in eine schwere Depression, lebte auf dem Bauernhof und hatte keine Kraft mehr. Mein Leben bestand nur noch aus Grautönen – ins Schwarze changierend.“

Erst mühsam arbeitete sich der 1965 in Dresden geborene Künstler, der in Wismar aufgewachsen ist, wieder ins Leben, und damit zur Farbe zurück – zum experimentellen Gestalten mit Pigmenten und Holz.

Czieslik: „Ich kann von meiner Arbeit leben“

Interessenten, denen die Skulpturen gefallen, können diese auch kaufen, so Czieslik. Um die 2000 Euro kostet eine Baumtur. Immerhin braucht der Künstler rund 150 Stunden, bis eine Skulptur fertig ist. Ob man davon leben könne? „Ich gebe auch Workshops, halte Vorträge und schreibe Krimis – es geht sich gut aus.“

„Die Menschen laufen mit MP3-Player und dunklen Sonnenbrillen durch die Welt, haben keine Zeit und nehmen die Welt nicht mehr wahr“, sagt Czieslik. Egal ob im Geigerschen Meditationsraum oder beim Betrachten der Skulpturen – innehalten und betrachten sei angesagt: „Die Leuchtkraft der Farbe ist ein Hingucker, soll hinlocken, zum Schauen, Staunen animieren – ähnlich wie beim Beobachten eines Schmetterlings.“

Ausstellung dauert bis zum 20. Oktober

Bis zum 20. Oktober sind die Skulpturen noch im Klinikpark zu sehen. Der Weg beginnt hinter dem Rathaus und endet mitten im Park des Klinikums, beim Meditationsraum von Geiger.

Michaele Heske

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