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Als „anständiger“ Spekulant prangerte H elmut Schleich die üblen Machenschaften der Banken an. 

Helmut Schleich im Bürgersaal

„Bavaria first“ – schon lange vor Trump

Der Münchner Kabarettist Helmut Schleich gastierte mit seinem Programm „Ehrlich“ im Bürgersaal in Taufkirchen. Als Franz Josef Strauß und Co. galoppierte er durch die Politlandschaft.

Taufkirchen – Wie ein Berserker kämpfte sich Helmut Schleich bei seinem Auftritt im Taufkirchener Bürgersaal ab. Schwitzend, grimassierend und wild gestikulierend bereitete er seinem Publikum einen äußerst amüsanten Abend mit viel Tiefgang.

„Ehrlich“ heißt das sechste Programm des Münchners. Und mit einem „ehrlichen Einstieg“, quasi „einem Kaltstart“ in Person der „Bestie von Dodlbach“, einem fränkischen Massenmörder, der wegen kleinster Lappalien ausrastet, ging sein Parforceritt los. „Es sind irritierende, verwirrende Zeiten“, erklärte Schleich, „nicht erst seit Trump“. Und diese irritierenden, verwirrenden Zeiten, vor allem im politischen, aber auch im wirtschaftlichen und klerikalen Sinn, versuchte er mit seinen gewohnt hintersinnig-absurden, satirisch-pointierten, derb-witzigen Kopfgeburten für die Anwesenden zu entschlüsseln.

Ob die teils Ahnungslosen seine Offenbarungen immer verstanden, stellte er mehrfach in Frage. Deshalb brach er die angerissenen, komplexen Zusammenhänge, Vorurteile und Halbwahrheiten gern auf einfach verständliche Vergleiche herunter, „um sie für alle im Saal konsumierbar zu übersetzen“, was immer für viele Lacher gut war.

Sein Sprach- und Schauspiel-Talent lebte er in unterschiedlichsten Typen aus. Als prolliger Wirtshausbruder Freddy sah er sich mit den Tücken des Internets ebenso konfrontiert wie mit der intellektuell-avantgardistischen Theaterwelt. Geradezu himmlisch war es, wie er sich bei der Schilderung seiner einfachen Sicht auf die Dinge verausgabte.

Als welterfahrener, steinalter Gesanglehrer Heinrich von Horch sinnierte er über den Wandel der Zeiten, etwa die sich ändernden Spionagemethoden, angefangen bei den lautstark meißelnden Ägyptern über die zerfließenden Wachswalzen von Mata Hari bis hin zu den „ausgefupsten“, arschkriechenden Techniken der Neuzeit. Dabei verbuchselte er zungenbrecherisch die Wechselstaben und schlug einmal quer durch alle Sümpfe und zurück. Jeder bekam bei seinen verbalen Attacken sein Fett ab, ob „Slimfit-Politiker“ Macron, „Staubsaugervertreter“ Schulz, „Schnapspraline“ Jean-Claude Juncker in „Bruxel“ oder „Mutti“ Merkel. „Die bleibt uns ewig, die macht es wie die Queen.“

Als anständiger Spekulant im knallroten Jackett prangerte er die üblen Machenschaften der Banken an, um schließlich Werbung für seine „Landesüberweisungsselbsthelfergruppe“ zu machen, deren Verluste solidarisch aufgefangen werden.

Natürlich fehlte auch seine Paraderolle an diesem Abend nicht: Posthum und adhoc ließ er seinen selbstherrlichen Franz Josef Strauß und dessen CSU wieder auferstehen, „eine Partei, die Bayern als Privatbesitz“ betrachtete. Seine missratenen Nachfolger deklassierte er in einem Aufwasch. Ob „Kamillenteetrinker“ Stoiber, der sich als „Franz Josef 2.0, als Alpen-Helmut-Schmid“ versuche und daheim schon das Rauchen übe oder „Worthülsen-Vollkoster“ Andi Scheuer, sie alle können ihm das Wasser nicht reichen.

Auch den kürzlich verstorbenen, „übergewichtigen Oggersheimer“ sparte er nicht aus. Der „kann was erleben, wenn er kommt“, frohlockte er. Lange vor Trump habe für ihn schon gegolten: „Bavaria first und ich bin der Förster“, erklärte Schleich als Strauß und streifte als Horst von Horch noch „von Pontius bis Pilates“ den umstrittenen „Wert im Alter“ und den Vatikan mit seinen Päpsten. Zu Franziskus mit seinem „Sparfimmel“ wetterte er nur: „Wenn er keine Schwulen mehr im Vatikan will, dann kommt das einer Entfernung des ganzen Ladens gleich.“ Ob die Bestie von Dodlbach abschließend aufräumte, soll hier nicht verraten werden. (Birgit Lang)

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