Volles Haus: Sehr viele Interessenten waren zum Wagnerwirt gekommen, um sich das Referat von Georg Brenninger (stehend) anzuhören und Fragen an den Bienenexperten zu stellen. foto: Lang

Imkerverein Taufkirchen

Bienenzucht ist kein Honiglecken

Viele Jahre haben die Imker um den Fortbestand ihrer Zunft gebangt. Jetzt gibt es wieder sehr viel Nachwuchs. Wie groß das Interesse an der Bienenzucht ist, merkte auch der Imkerverein Taufkirchen, der zur Veranstaltung „Wie werde ich Imker“ einlud.

Taufkirchen – „Das Interesse ist überwältigend“, freute sich Referent Georg Brenninger, der beim Wagnerwirt die Anwesenden, darunter sehr viele junge Menschen, über das Imkern aufklärte.

Anhand des Jahresablaufs erörterte er die Aufgaben, die zur Zucht, Pflege und zur Honigernte zu erledigen sind. Auch über die Kosten für Einsteiger informierte er. Schulungen seien wichtig: „Ohne geht’s nicht.“ Auch er und die anderen Mitglieder stünden bei den Stammtischen immer gerne für Fragen zur Verfügung. Jedem Anfänger werde zudem ein Imker-Pate zur Seite gestellt. Bevor gleich große Investitionen getätigt werden, riet Brenninger: „Erst mal schauen, ob man mit einem Volk zurecht kommt, bevor man ein großes Bienenhaus baut.“ Die Bienenkästen möglichst frei unter schattigen Bäumen aufstellen, im südseitigen Eck, empfahl er weiter.

„Was braucht ein Imker?“, fragte er. Pro Volk einen Kasten und zwei Honigkästen oben auf, 30 Rähmchen, Wachsmittelwände, einen Stockmeisel, einen Handbesen und einen Smoker. Durch einen leichten Rauchstoß mit diesem Smoker werden die Bienen sanfter. Für den Anfang empfahl Brenninger einen Schutzanzug mit Hut, Schleier und Jacke, „sonst hast schon mal einen Stich im Gesicht.“

Das Bienenjahr beginne um den 20. Juli mit dem Füttern von Zuckerwasser. Auch gegen die Varroamilbe müsse man dann vorgehen. Ende der 70er-Jahre sei diese Milbe, die dem Imker das Leben schwer mache, von China eingeschleppt worden. Sie sei bis zu zwei Millimeter groß, sitze auf der Biene oder in den Waben. Regelmäßig sollte der Befall kontrolliert werden. Der beste Zeitpunkt zur Behandlung sei im Dezember, wenn das Volk brutfrei sei. „Nicht unbedingt bei Minusgraden“, ideal sei zwischen null und fünf Grad.

Im Januar und Februar wird der Bienenstand auf Schädlinge, etwa Spitzmäuse kontrolliert. Dann sei auch Zeit, um Mittelwände einzulöten, Waben herzurichten, Gerätschaften zu säubern und auf Schulung zu gehen. Im März und April werden das Volk und die Waben kontrolliert, Futter nachgereicht, damit die Tiere nicht verhungern, und die verschimmelten Waben entfernt. Im Mai wollen die Völker manchmal schwärmen und es gelte vorab Maßnahmen einzuleiten, um dies zu verhindern. Wenn dann trotzdem mal ein Volk ausziehe, sollte man es wieder einfangen, bevor es verloren gehe. Ende Mai werde der Blütenhonig geerntet, Ende Juli der Waldhonig, falls es einen gebe. Eine Schleuder, die ab 500 Euro koste, müsse nicht jeder Anfänger gleich selber kaufen. Man könne dies auch bei einem Imkerkollegen erledigen.

Brenninger erklärte detailliert, was man bei der Honiggewinnung beachten müsse. „Wenn der Wassergehalt passt, hält er ewig. Dann habt ihr flüssiges Gold im Keller, denn er wird jedes Jahr teurer.“ Eigentlich gebe es im Bienenjahr nur fünf verschiedene Arbeitsschritte, die man einhalten müsse: „Den Rest des Jahres kann man ihnen beim Fliegen zuschauen.“ Jeder, der Imker werden wolle, sollte einem Verein beitreten. Hier sei er versichert und erhalte wichtige Informationen, ohne die es nicht gehe. Auf Wunsch würden auch Völker vermittelt werden. „Wichtig ist, dass sie aus der Region stammen, dann holt man sich keine Krankheiten rein.“

Vorsitzender Alois Gmeineder riet noch, die Stammtische zum Fachsimpeln zu nutzen, um im Vorfeld viele Probleme zu vermeiden. Alte Kästen zu nutzen, um Geld zu sparen, davon riet Brenninger ab. Diese könnten belastet sein, durch Mittel, die die Vorbesitzer über Jahre verwendet hätten.

Abschließend betonte Brenninger: „Wenn man Imker wird, muss man sich um die Viecherl schon kümmern und sie auch g’scheid pflegen.“ Denn ein Volk zu verlieren, tue immer weh. Weitere Frage beantwortet er gerne unter Tel. (08084) 562262, nach 18 Uhr.

Birgit Lang

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