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Warnung an den Dieb: Schon dreimal wurde die bepflanzte Blumenschale vom Grab der Angehörigen von Gerlinde Scharl gestohlen. Jetzt hat sie ein Schild aufgestellt – und ihr Mann die Schale besonders befest igt. 

Immer wieder werden Gestecke von Gräbern gestohlen

Blumendiebe im Taufkirchener Friedhof

Immer wieder treiben Diebe auf dem Taufkirchener Friedhof ihr Unwesen. Blumenschalen sind vor ihnen genauso wenig sicher wie eingepflanzte Blumen.

TaufkirchenFünf Jahre ist es her, dass der Taufkirchener Friedhof vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege mit dem zweiten Platz unter 21 Teilnehmern des Landkreises Erding geehrt wurde. Nun mehren sich Stimmen, die unzufrieden mit den Pflegemaßnahmen sind und sich vor allem über Diebstahl und Vandalismus aufregen.

2015 hatte der Wettbewerb unter dem Motto „Unser Friedhof – Ort der Würde, Kultur und Natur“ stattgefunden. Mit Würde habe es nichts zu tun, wenn immer wieder Pflanzen gestohlen und rausgerissen werden, ärgerte sich Gisela Huber, als von ihrem Urnengrab an der Waldseite besondere Edelweißpflanzen entwendet worden waren.

„Wer so etwas tut, hat wohl noch nie einen lieben Menschen verloren und sollte sich schämen“, sagt die Rentnerin. Die Pflanzen hatte ihr eine Freundin geschenkt, weil sie wusste, dass Hubers verstorbener Sohn ein passionierter Bergsteiger gewesen ist. Im vergangenen Jahr wurden Huber auch alle Rosenknospen am Grab über Nacht abgeschnitten. „Alle weg, keine einzige Knospe war mehr da.“ Manche vermuteten, dass wohl ein Reh den Schaden verursacht hat, aber wie könne dies durch die geschlossene Eingangstür kommen, fragt sich die Taufkirchenerin.

Am Grab von Elisabeth Lenz wurde ein Blumenglas entwendet und Pflanzen wurden ausgegraben. Das schmerzt sie besonders, weil ihr Ehemann noch nicht lange verstorben ist. „Das war nicht nur einmal, sondern öfter. Ich weiß nicht, was Menschen fühlen, die an Grabstätten gehen und so was tun“, sagt Lenz.

Blumen entwendet

„Bei uns haben sie schon drei schöne große Schalen gestohlen. Alle Jahre eine“, erzählt Gerlinde Scharl vom Grab ihrer Familie. Aus Ärger darüber hat sie eine Hinweistafel angebracht. Auf der ist zu lesen: „Hier wurde die Blumenschale zum 3. Mal gestohlen.“ Heuer hat sie die Schale nicht nur bepflanzt. Ihr Mann Georg habe auch Löcher hineingebohrt und sich ein Sechser-Rundeisen besorgt, es in die Schale gesteckt und diese damit befestigt. „Wenn sie heuer wieder gestohlen wird, dann gebe ich 80 Euro aus und kaufe mir eine Wildkamera“, kündigt Georg Scharl an. Das Grab liegt nahe am Ausgang, da kann der Dieb die Schale schnell wegtragen, ohne aufzufallen. Sogar die Bilder von Verstorbenen, die manchen Grabstein zieren, sollen schon entwendet worden sein, erzählt das Ehepaar.

Neben der Lage des Friedhofs wurden vor fünf Jahren auch die Eingrünung, Gliederung, das Konzept, die Gestaltung und Pflege der Grabstellen bewertet. Auch hier hat sich mittlerweile einiges geändert. Viele Gräber wurden aufgelassen und/oder werden von den Angehörigen kaum noch gepflegt. Das verwundert umso mehr, weil es sich mitunter um die letzte Ruhestätte von Taufkirchener Persönlichkeiten handelt, deren Angehörige das Geld hätten, um die Pflege in professionelle Hände zu geben, falls ihnen selbst Zeit und Muse dazu fehlen.

Auch die Rasenpflege, die früher Friedhofsgärtner Hans Hamberger zu aller Zufriedenheit erledigt hat, steht in der Kritik. Während manchen die naturnahe Bepflanzung mit autochtonen Blühern im neuen Friedhofsteil sehr gut gefällt, schimpfen andere über das nachlässige Mähen, vor allem im alten Teil. „Das klappt nicht mehr, seit es der Bauhof übernommen hat“, sagt eine Bürgerin: „Nein, das ist nicht mehr schön.“ Ihr Vorschlag: Die Gemeinde solle die Aufgabe einer 450-Euro-Kraft übergeben, die könne auch in die kleinen Gasserl fahren.

Friedhofsreferent Christian Aigner haben diese Beschwerden in jüngster Zeit nicht erreicht. Er erklärt aber, dass Friedhofsgärtner Hamberger früher gemäht, diese Aufgabe aber aus Altersgründen abgegeben habe. „Da gibt es keine klare Nachfolgeregelung“, räumt Aigner ein. Deshalb mache das jetzt der Bauhof.

„Der Anspruch ist natürlich hoch. Viele brauchen immer einen perfekten englischen Rasen. Aber dann müssten wir auch mehr für die Pflegegebühren nehmen“, gibt er zu bedenken. Auch die Arbeiten des Bauhofs würden in Rechnung gestellt. Die Flächen rund um die Gräber zu mähen, sei „natürlich viel Gefitzel. Das ist ein Problem, das momentan nicht zufriedenstellend gelöst ist“, gibt Aigner zu. Eine 450-Euro-Kraft könne dies nicht übernehmen, dazu wären mehrere nötig. Die große Rasenfläche im neuen Friedhofsteil werde bewusst nicht mehr gemäht und sei eine naturnahe Wiese.

Neue Friedhofssatzung in Planung

Die Gestaltung der Gräber sei in der Friedhofssatzung streng geregelt, betont Aigner. „Aber man kann keinem genau vorschreiben, wie er sein Grab pflegen will.“ Man könne nur bei extrem ungepflegten Gräbern die Eigentümer anmahnen oder auf deren Kosten die Gräber herrichten lassen. Viele Angehörige würden die Ruhestätten mit Zierkies gestalten. Auch das sei nicht erlaubt, aber halt pflegeleichter. Das müsste man eigentlich alles beseitigen lassen, wenn man es streng nehme, sagt Aigner. Er kündigt eine neue Satzung für den alten und neuen Friedhofsteil an, die den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden soll.

Aufgelassene Gräber würden nach seiner Erfahrung immer häufiger nicht neu belegt, weil sich dort noch Knochen befänden, die man anderswo würdig begraben müsste. „Die meisten wollen ein neues Grab“, erklärt Aigner. BIRGIT LANG

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