Viel Platz zum Wachsen: 650 Liter Erde befinden sich in dem Pflanztrog mit Betonring, in dem Paul Rötzers älteste Chili-Pflanze prächtig gedeiht.
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Viel Platz zum Wachsen: 650 Liter Erde befinden sich in dem Pflanztrog mit Betonring, in dem Paul Rötzers älteste Chili-Pflanze prächtig gedeiht.

Chili-Spezialist Paul Rötzer

Auf die richtige Schärfe kommt es an

Vom Raucher zum Chili-Züchter.

TaufkirchenVor 15 Jahren hat Paul Rötzer mit dem Rauchen aufgehört und sich ein neues Hobby gesucht. Seither züchtet er Chilis. Mit Erfolg. Heute ist es neben dem Kochen seine größte Leidenschaft.

Der 53-jährige Taufkirchener ist gelernter Metzger, seit ein paar Jahren aber Schlosser mit Leib und Seele. In seinem Garten pflanzt er vieles an – auch Tomaten. Die meisten Pflanzerl, heuer waren es 230 Stück, zieht er aber für die Pflanzentauschbörse des Heimat- und Verschönerungsvereins Taufkirchen. Auch das eine oder andere Chili-Pflanzerl hat er dort schon angeboten.

Die größte Freude hat Rötzer mit seiner Capsicum pubescens, eine Chili-Art, die aus den Hochanden in Mittel- und Südamerika stammt und bei uns noch relativ unbekannt ist. Ganz klein habe er mit seiner ersten Rocoto angefangen. „Für mich sind sie der Hammer, das Gewürz des Jahrhunderts“, sagt Rötzer. Heuer waren es rund fünf Kilo nur für den Eigenbedarf, seine Jahresproduktion liegt zwischen 15 und 20 Kilo.

Zum Großteil macht er daraus „Chili-Marmelade, die ist der absolute Burner. Die hat genau die richtige Schärfe und schmeckt total fruchtig“, schwärmt er. Sie passe bestens zu Käse oder als Aufstrich aufs Brot. Rötzer kocht die reifen Früchte mit Gelierzucker ein, im Verhältnis 50:50. Gut zehn Kilo hat er dafür heuer verwendet.

„Aus dem Rest mache ich Pulver.“ Pro Jahr benötigt der 53-Jährige rund ein Kilo davon. Im Herbst, sobald der erste Nachtfrost kommt, erntet er seine 20 Pflanzen komplett ab. „Ich verwerte 95 bis 98 Prozent vom kompletten Fruchtansatz“, betont er. „Ich habe fast keinen Abfall.“

Die getrockneten Rocoto kann man in jeder Kaffeemühle oder in einem größeren Mixer pulverisieren. Der Taufkirchener nimmt den Mixer, weil er gleich 500 Gramm auf einmal verarbeitet. Drei bis dreieinhalb Gramm Rocoto-Pulver verwendet er auf ein Kilo des fertigen Produktes. Das sei genau die richtige Schärfe, die jedes Kind und jeder Erwachsene essen könne, sagt er.

„Rocoto ist für mich in der Küche unverzichtbar. Ich gebe überall Chili rein, die Dosis macht es aus. Es ist perfekt zum Kochen.“ So scharf wie die Menschen in Mittel- und Südamerika koche er nicht, meint Rötzer. Dort würden Gerichte auch wegen der Haltbarmachung extrem scharf gewürzt. „Bei mir steht der Geschmack im Vordergrund, nicht die brutale Schärfe, damit es jeder essen kann.“ Auch seine Freunde oder die Schwägerin kommen mit den Kindern gerne vorbei, um bei ihm Schweinsbraten oder Rouladen, selbstverständlich mit Chili gewürzt, zu genießen.

Sieben Jahre alt ist Rötzers älteste Chili-Pflanze. „Mein größter Schatz.“ Ein Spezl hat sie ihm 2013 geschenkt. Dass Chili-Pflanzen so alt werden, sei nicht außergewöhnlich. Die älteste Pflanze der Welt soll 28 Jahre alt sein. Damit sein Schatz mindestens noch 20 Jahre älter wird, hegt und pflegt sie der Taufkirchener. Im Sommer darf sie in einem großen Pflanztopf, einem ein Meter großen Betonring, gefüllt mit 650 Liter Erde, wachsen und erblühen. Mit Erfolg. „Heuer hatte ich zum ersten Mal einen großen Fruchtbrummer mit 180 Gramm“, strahlt Rötzer über beide Ohren.

Seine Chilis überwintern in einem eigenen Zimmer. Er weiß: „Es muss kühl und hell sein.“ Bevor er seine Pflanzen in den Winterschlaf schickt, stutzt er sie – die Wurzelballen ebenso wie die Äste und Peitschen. Nur wenig dürfe man die Pflanzen dann gießen, alle 14 Tage einmal reiche. „Wenn sie nasse Füße haben, sind sie beleidigt.“

Seine Pflanzerl, die Chili-Marmelade und das Chili-Pulver verkauft Rötzer nicht. „Es soll mein Hobby bleiben. Aber jeder, der Mal probieren möchte, kann gerne vorbeikommen.“ Auch für Tipps steht er immer bereit. „Ich helfe gerne, und ich kann mich stundenlang über Chilis unterhalten.“

Birgit Lang

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