Riesiger Andrang: Das Thema Wasserschloss beschäftigt die Taufkirchener Bürger. Foto: Birgit Lang

Bürgerversammlung zum Wasserschloss Taufkirchen

„Das Herzstück der Gemeinde“

Die Taufkirchener lieben ihr Schloss. Deshalb waren der Andrang und die Wortmeldungen bei einer Bürgerversammlung noch nie so hoch, wie es zum Thema Erwerb des Wasserschlosses der Fall war. Sachlich, aber auch emotional wurde mit den rund 300 Bürgern, Betroffenen und Experten diskutiert

Taufkirchen – Zuvor hatten Sachverständige ihr Urteil abgegeben und Nutzer erklärt, warum ihnen das Schloss so wichtig sei. Auch Sorgen wurden geäußert. Unsicherheitsfaktoren wie die Statik, die Finanzierung und vorangegangene Gutachten wurden vorgebracht sowie eine Reihe von alternativen Vorschlägen. Für Irritationen sorgten vor allem die rechtliche Situation, insbesondere die von Juristin Nicole Mössmer vorgestellte Eigentumsaufgabe, die viele Fragen aufwarf, die nicht alle zufriedenstellend beantworten werden konnten. Als Moderatorin führte Ursula Ammermann durch den Abend.

Für den Kauf sprachen sich sehr viele Bürger aus. Conny Aigner vom Förderverein Schloss etwa, die sich fragte, was mit den ganzen Räumlichkeiten werde, wenn sie nicht mehr genutzt werden könnten. Sie woanders dementsprechend herzurichten, würde nicht kontrollierbare Kosten verursachen. Richard Reitzle betonte, erst das Schloss gebe dem Ort „Charakter“. Martina Wolter, Vorsitzende des Montessori-Vereins, bezeichnete, das Schloss als „Herzstück“ von Taufkirchen. Es sei eine einmalige Gelegenheit, es zu erwerben. „Wir wollen im Schloss bleiben“, sei auch die einhellige Meinung der Bewohner von Sovies Wohnen, erzählte deren Geschäftsführerin Cordia Orlob. Seit Jahrhunderten gebe das Schloss den Taufkirchener Arbeit. Aktuell seien es 16 Arbeitsplätze. Wenn sie ihre Konzession verlöre, würden auch diese Menschen ihre Arbeit verlieren.

Dietrich Berk forderte alle auf, den „gesunden Menschenverstand“ einzuschalten. „Was passiert, wenn wir uns nicht für den Kauf entscheiden. Dann sind wir nicht mehr Herr des Verfahrens. Die Grundschuld-Eintragung hat für mich Erpresser-Potenzial.“ Eine AG könne man jederzeit pleite gehen lassen. „Ab dem 1. 7. einen rechtsfreien Zustand zu haben, können wir uns nicht leisten“. Mit dem Erwerb sei die Gemeinde frei, damit zu tun, was sie wolle.

KMS-Leiter Bernd Scheumeier lobte die optimalen Bedingungen, die er für seine Lehrer und aktuell 126 Schüler im Schloss vorfinde. Der Blick von außen durch Nicht-Taufkirchener sei ganz besonders vom Wasserschloss geprägt, meinte er. Realschullehrer Michael Röhrl schlug in dieselbe Kerbe. Seine Schüler hätten kürzlich im Schloss ein Musical aufgeführt und sich sofort damit identifiziert. „Identifizieren wir uns mit dem Wasserschloss?“, fragte er in die Runde und erhielt spontan Applaus. „Wollen wir uns in Zukunft in den Bürgersaal reinsetzen und ein schönes Gemälde vom Schloss anschauen? Das wär die billigste Lösung.“ Auch Franz Lenz plädierte für den Kauf, allerdings für nur einen Euro. Denn die Erben möchten sich seiner Meinung nach nur vor ihrer Verpflichtung drücken, zu sanieren. Sie sollten auf die 1,3 Millionen Euro Grundschuld verzichten, dann wär der günstige Kauf für die Gemeinde möglich.

Reinhold Kobeck, der schon vor 20 Jahren für das Wasserschloss gekämpft hat, bat darum, nicht so „wahnsinnig schwarz zu sehen“, sondern Visionen zuzulassen. „Vor 100 Jahren hatten wir eine Gruppe von Taufkirchener, die haben das Schloss und die Brauerei gekauft. Sind wir halt auch mal mutig.“ Diese Idee griff Schlossnachbar Konrad Weiher auf und warf ein: Die Befürworter sollen eine Genossenschaft, wie damals gründen und es kaufen. „Damit ist allen geholfen.“ Als er Gemeinderat war, wollte die Gemeinde das Schloss nicht mal für einen Euro kaufen, aus Angst vor den hohen Kosten.

Bedenken wegen der Statik hegte Gemeinderat Martin Huber (REP). Er habe früher als Maurer bei der statischen Sanierung im Ostflügel mitgearbeitet. Nicht alle der maroden Eichenpfähle seien damals gesichert worden. Für ihn ein „Unsicherheitsfaktor“. Er wollte von den Gutachtern bestätigt haben, dass den restlichen Pfählen nichts fehle. Auch ärgerte er sich, dass die Bevölkerung nichts vom Investor erfahren habe, der in das Schloss eine Klinik mit 75 Arbeitsplätzen einrichten und dafür 20 Millionen Euro investieren wollte. Das Schloss sei wunderschön, aber der Bezirk habe versucht es abzustoßen, weil es „ein Fass ohne Boden sein könnte“, meinte Huber weiter.

„Die Pfähle sind in Ordnung. Wir haben kleine Risse, die Marken sind aber noch da“, und das seit mindestens zehn Jahren, antwortete Statiker Franz Mitter. Der Bodengutachter habe einen tragfähigen Baugrund attestiert. Natürlich hänge das Ganze auch mit dem Grundwasser zusammen, sagte Mitter. Aber da „ist aktuell nichts zu befürchten“. Das Schloss stehe bereits 750 Jahre.

Der ehemalige Klinik-Chef Matthias Dose antwortete Huber, dass der Bezirk damals keine Gebäude ohne klinische Nutzung unterhalten wollte. Zudem habe es ein Gutachten gegeben, bei dem 12 Millionen Euro veranschlagt wurden. „Das wollte sich der Bezirk nicht an den Haushalt heften.“ Das Schloss für kulturelle und soziale Zwecke zu erhalten, sei eine einmalige Chance, die sich jetzt biete. Den harten Zahlen, die die Gemeinde zu zahlen habe, würden aber auch Einnahmen für die künftige Nutzung gegenüberstehen, erklärte Dose und plädierte für den Kauf. Birgit Lang

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