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Die jungen IT-Experten von Taufkirchen

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Von: Uta Künkler

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Nur per Videokonferenz können sie derzeit arbeiten: Lehrer Herwig Solf (Bild links, l. oben) und die Schüler Michael Zollner, Matthias Scharl, Filippo Manca und Gabriel Göpfrich (im Uhrzeigersinn). Nicht im Bild: Felix Wasserlechner.
Nur per Videokonferenz können sie derzeit arbeiten: Lehrer Herwig Solf (Bild links, l. oben) und die Schüler Michael Zollner, Matthias Scharl, Filippo Manca und Gabriel Göpfrich (im Uhrzeigersinn). Nicht im Bild: Felix Wasserlechner. © Uta Künkler

Hier lernen Erwachsene von Kindern: Realschüler helfen bei Fragen zu Handy, Laptop und Co.

Taufkirchen/Hohenpolding – Michael Zollner fährt seinen Laptop hoch, setzt die Kopfhörer auf und wartet auf den Start der Videokonferenz. Rasch wählt der 14-jährige Hohenpoldinger noch einen farbenfrohen Hintergrund für sein Videobild, dann ist er startklar. Gleich beginnt virtuell sein Wahlkurs „IT für alle“ an der Realschule Taufkirchen. Junge Technikexperten wie Michael helfen unentgeltlich bei Fragen rund um Computer, Tablet und Handy.

Michael Zollner ist geschickt am Computer, das ist sein Terrain. Viele Stunden verbringt er jeden Tag am Bildschirm. „Manche sagen, das ist zu viel“, gibt der Neuntklässler zu. Aber Michael zockt nicht nur Spiele, er übt für später, lernt die Programmiersprachen Java und C#. Er bereitet sich auf seinen Traumberuf vor. Anwendungsentwickler will er einmal werden, das ist sein fester Plan. Das eine oder andere Programm hat der 14-Jährige schon selbst geschrieben – Gefälligkeiten für Freunde und Familie.

Der Realschüler hilft gerne. Am liebsten mit seinem Können am Computer. Das ist es auch, was ihm schon das zweite Jahr am Wahlfach „IT für alle“ gefällt. Er erinnert sich an einen älteren Herren, dem er vergangenes Jahr dabei geholfen hat, seine Briefmarkensammlung einzuscannen und zu archivieren. „Der war ganz begeistert und voll am Strahlen“, erzählt Michael, „es war ein schönes Gefühl, dass ich ihm hab helfen können“.

Wie Michael geht es auch seinen Mitstreitern, die das Wahlfach bei Herwig Solf, Lehrer für Mathematik, Physik und IT belegt haben. „Es macht Spaß, anderen zu helfen, wenn sie nicht weiter wissen“, sagt Filippo Manca (13). Auch er sagt von sich, „ziemlich technikinteressiert“ zu sein und will einmal Informatiker werden.

Es gebe den Schülern Auftrieb, dass Erwachsene den Rat und die Hilfe der Jugendlichen schätzen, sagt Lehrer Solf, der das Wahlfach vor gut zehn Jahren ins Leben gerufen hat. Das transportiere eine Wertschätzung, die die Schüler in ihrer Entwicklung stärke.

Im Computerraum der Realschule Taufkirchen in ihrem Element sind die Teilnehmer des Wahlkurses „IT für alle“ (oben). Sie interessieren sich sehr für Medien. Ihr Wissen teilen sie in kostenlosen Sprechstunden.
Im Computerraum der Realschule Taufkirchen in ihrem Element sind die Teilnehmer des Wahlkurses „IT für alle“ (oben). Sie interessieren sich sehr für Medien. Ihr Wissen teilen sie in kostenlosen Sprechstunden. © privat

Im Team sind heuer ausschließlich Buben, das war aber auch schon oft anders, erzählt Solf. Momentan haben die fünf Jugendlichen wegen der Pandemie eine weitere Hürde zu nehmen: Wie erkläre ich ausgerechnet jemandem, der nicht besonders geübt mit neuen Medien umgeht, welche Tasten er drücken muss, wenn ich nur über Distanz per Videochat oder Telefon mit ihm Kontakt haben kann? „Das Prozedere ist sehr viel schwerer als wenn wir der Person gegenüberstehen könnten“, sagt Filippo. Manches funktioniere auch gar nicht und müsse auf die Zeit nach Corona verschoben werden, sagt Solf. Gabriel Göpfrich (13) zum Beispiel ist in Kontakt zu einer Kundin, die einen neuen Laptop geschenkt bekommen hat und diesen nicht einmal hochfahren kann. Es hilft nichts, sie muss warten, bis Daniel sie im Seniorenwohnheim besuchen darf. Die Schüler zeigten viel Einsatz, lobt ihr Lehrer Solf. Mitunter opferten sie auch am Wochenende ihre Freizeit.

Die meisten Anfragen, die das Team über ihren Kooperationspartner, das Mehrgenerationenhaus, erreicht, kommen von älteren Leuten. Oft geht es ums Handy, müssen Apps installiert oder deinstalliert werden, tauchen Symbole plötzlich nicht mehr auf der Startseite auf oder Ähnliches.

„Corona zeigt uns, wo IT eingesetzt werden kann und wohl immer mehr wird“, sagt Lehrer Solf. Entsprechend würden Angebote wie dieses Wahlfach an Bedeutung gewinnen. Und auch auf die Kunden zeige die Pandemie Wirkung. „Gerade jetzt ist es wichtig, dass sich die Leute über die Technik miteinander verbinden können“, sagt Fillipo. Umso wichtiger sei der Draht nach draußen für die Älteren geworden.

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