Vor Gericht

Disko-Türsteher legt sich mit Polizisten an

Taufkirchen - Das Verhältnis zwischen dem Betreiber der Taufkirchener Diskothek und der Dorfener Polizei ist nicht das beste. Ein Türsteher wollte einem Beamten den Zutritt zur Disko verwehren. Jetzt stand er vor Gericht.

Am „untersten Rand“, aber eben doch, hat sich ein Türsteher strafbar gemacht, der einem Polizisten den Zugang in die Diskothek Crazy Town verwehren wollte. Es war eine unübersichtliche Situation, Ende Oktober vergangenen Jahres. Das Finanzamt Erding plante ein Pfändung. Weil der Geschäftsführer der Disko als sogenannter „Reizbürger“ gesehen wird, sollte die Aktion mit Polizeikräften durchgeführt werden.

Kurz nach Mitternacht trafen sich vier Finanzbeamte und acht Polizisten auf dem Parkplatz der Diskothek und verabredeten, eine Vorhut mit vier Beamten hineinzuschicken. Diese sollten die Kassen sichern, damit daraus vom Personal kein Bargeld mehr entnommen werden konnte. Die Polizisten wurde auch ohne Probleme von dem 42-jährigen Türsteher eingelassen. Einen der Beamten kannte er persönlich, außerdem habe der gesagt, dass man jemanden suche, sagte der Türsteher vor Gericht. Minuten später sollten die vier Finanzbeamten und weitere Polizisten folgen, doch hier kam es zum Eklat.

Eine Finanzbeamtin, die dem Türsteher den Pfändungsbeschluss präsentierte, konnte noch durchgehen. Den 53-jährigen Einsatzleiter der Polizei versuchte der Türsteher jedoch zu stoppen, indem er ihn mit den Händen zurückhalten wollte. Daraus entwickelte sich eine Rangelei, bei dem mit Hilfe eines zweiten Beamten der Türsteher in die Ecke gedrängt werden konnte. Nicht ahnend, dass es sich um Polizisten in Zivil handelte, schritt der Kollege des Türstehers ein, ließ aber sofort ab, als ihm der Polizeiausweis präsentiert wurde. Verletzungen, bis auf einen blauen Fleck, gab es keine und die teils sehr widersprüchlichen Zeugenaussagen machten die Beweislast schwer.

Aber auch der Einsatzleiter der Polizei widersprach der Anklageschrift, dass der Türsteher „auf ihn zustürmte“. Dieser habe eben nur die Hände gehoben um ihn zurückzuhalten. Für den Angeklagten sei das Teil seiner Arbeitsanweisungen, denn die Geschäftsleitung verlange, dass sie bei Eintreffen der Polizei gerufen werde. Die Anzeige sei hauptsächlich deshalb erfolgt, um deutlich zu machen, dass er zwar Hausrecht habe, aber einen Polizeieinsatz nicht verhindern dürfe.

Richter Andreas Wassermann regte an dieser Stelle die Einstellung des Verfahrens gegen einen „symbolischen Geldbetrag“ an. Nach Unterredung mit seinem Mandanten führte der Verteidiger, Rechtsanwalt Jürgen Neumaier aus Velden, das Verfahren jedoch mit der Forderung nach einem Freispruch fort, da der Türsteher „nichts gemacht hat“.

Für den Staatsanwalt galt es dagegen als erwiesen, dass der Angeklagte „im Moment des Armehochhebens“ wusste, dass er es mit Vollstreckungsbeamten zu tun hat. Ähnlich sah es auch Richter Wassermann, da der 42-Jährige zumindest von der Finanzbeamtin vom „offiziellen Besuch wusste“. Allerdings sei die Straftat nur am untersten Rand anzusiedeln. Auch müsse man ihm zugute halten, dass er versucht habe, seine Arbeitsanweisung zu befolgen.

Eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen je 30 Euro setzte der Richter auf die Dauer eines Jahres zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage hat der Türsteher allerdings 300 Euro an die Deutsche Krebshilfe zu zahlen.

Gert Seidel

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