Mohammad A.muss wegen versuchten Mordes ins Gefängnis. Foto: Schöttl

Asylbewerber vor Gericht

Dreieinhalb Jahre Haft für Steinewerfer

Taufkirchen/Landshut - Wegen versuchten Mordes, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung hat die Schwurgerichtskammer beim Landgericht Landshut den „Steinewerfer“ von Taufkirchen zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Wie mehrfach berichtet, hatte der 25-Jährige Mohammad A., der zuletzt wegen einer paranoiden Schizophrenie im Isar-Amper-Klinikum Taufkirchen untergebracht war, am 29. Dezember vergangenen Jahres vom Gehweg in der Landshuter Straße aus mit einem 600 Gramm schweren Stein auf einen fahrenden Transporter geworfen. Die Scheibe zersprang zwar, doch die Insassen, ein 46-jähriger serbischer Autohändler und seine Ehefrau (44), blieben unverletzt. Am Pkw entstand ein Schaden von rund 1100 Euro.

Bei seinen Vernehmungen äußerte der Asylbewerber, der in einer Erdinger Unterkunft lebte, zunächst, er habe den Stein geworfen, „damit Autos zusammenkrachen.“ Nach und nach gab er aber an, dass er aus Hass auf alle Deutschen gehandelt habe: Während andere Mitbewohner in der Unterkunft längst ihre Anerkennung hätten, sei bei ihm noch keine Entscheidung gefallen, obwohl er bereits sieben Jahre in Deutschland sei. Letztlich räumte er sogar ein: „Mir war es egal, dass ich mit dem Steinwurf jemand verletzen oder gar töten könnte.“ Und: „Ich wollte aus Hass töten.“

Zum Prozessauftakt hatte der 25-Jährige diese Aussagen weitgehend widerrufen: Er habe niemand verletzen und schon gar nicht töten wollen. Er habe gehofft, für psychisch krank erklärt und damit die Anerkennung zu bekommen. Dieses Motiv stellte sich im Prozessverlauf als skurril heraus, denn wegen seiner psychischen Erkrankung war bereits ein Abschiebeverbot verfügt worden.

Die Verteidiger Tim Fischer und Gunther Haberl hatten bereits zu Prozessbeginn moniert, dass ihr Mandant damals wegen eines akuten psychischen Schubes nicht vernehmungsfähig gewesen sei. Außerdem seien die Befragungen sowie die psychiatrische Exploration ohne Dolmetscher erfolgt. Oberärztin Sylvis Apelt vom Isar-Amper-Klinikum bestätigte zwar, dass Mohammad A. seit Mitte 2014 insgesamt fünf Mal in der Klinik behandelt und zur Tatzeit „psychotisch“ gewesen sei, allerdings sei die Befragung durchaus möglich gewesen, zumal der 25-Jährige in der Erdinger Unterkunft sogar als Dolmetscher eingesetzt gewesen sei.

Der serbische Autohändler berichtet, dass er auf der Fahrt durch Taufkirchen, wo er höchstens mit 20 bis 40 Stundenkilometer unterwegs gewesen sei, gesehen habe, wie der am Straßenrand stehende 25-Jährige plötzlich einen Stein aufgehoben und den dann geworfen habe. „Ich habe normal reagiert, das Fahrzeug auslaufen lassen und angehalten“, sagte der 46-Jährige. Seine neben ihm sitzende Ehefrau, psychisch bereits vorbelastet, habe allerdings in Angst und Panik zu schreien begonnen. Wie die 44-Jährige bekundete, habe sich ihre Erkrankung wegen des Vorfalls wieder verschlimmert, vor allem leide sie an Schlafstörungen und sei deshalb auch permanent in ärztlicher Behandlung.

Für Staatsanwalt Achim Kinsky gab es keine Zweifel, dass der Steinwurf als heimtückischer Mordversuch zu ahnden sei: Der 25-Jährige habe aus Verzweiflung, aber auch als Verärgerung und Zorn gehandelt und den Tod anderer Menschen zumindest billigend in Kauf genommen. Wenn er im Prozess bekundet habe, dass er niemand verletzen wollte, müsse er sich fragen lassen, warum er dann den Stein überhaupt und auch noch mit voller Wucht, wie Zeugen bekundet hätten, geworfen habe. Strafmildernd müsse sich allerdings seine krankheitsbedingte verminderte Steuerungsfähigkeit auswirken, dazu auch, dass die Tat im Versuchsstadium stecken geblieben sei und der 25-Jährige im Prozessverlauf Reue an den Tag gelegt und sich beim serbischen Ehepaar entschuldigt habe. Straferschwerend allerdings müsse sich das skurrile Motiv – er habe sich nicht ernst genommen und ungerecht behandelt gefühlt – sowie die Tatsache, dass er gleich zwei Personen gefährdet habe, auswirken. Der Anklagevertreter forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Die Verteidiger erneuerten ihre Auffassung, dass die belastenden Vernehmungen unter anderem angesichts des damaligen Krankheitsschubes nicht verwertbar und belastbar seien, somit ihrem Mandanten kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden könne. Somit liege lediglich ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr sowie angesichts der Tatsache, dass niemand verletzt und nur geringer Schaden entstanden sei, ein „minder schwerer Fall“ vor, für den nicht mehr als eine Bewährungsstrafe von einem Jahr zu verhängen sei.

Die Kammer folgte aber weitgehend der Argumentation und der rechtlichen Wertung des Staatsanwalts, blieb aber beim Strafmaß knapp unter dessen Antrag.

Walter Schöttl

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