Beschwerlich war der Schulweg früher für Betty Illner (Bild l.). Bis sie dort ankam, war die damals Elfjährige meist durchgefroren.

Erinnerungen an damals

Durch meterhohen Schnee in die Schule

Der Weg zur Schule in Taufkirchen ist frei, als Heinz Illner am Wochenende mit seinem Hund Carlo an dem Gebäude vorbei spaziert. Dabei erinnert sich der 75-Jährige, wie beschwerlich der Schulweg früher war, als witterungsbedingt der Unterricht noch nicht ausfiel.

Taufkirchen – 1954, als er nicht einmal elf Jahre alt war, ging Illner in die Oberrealschule in Erding. Er wohnte als Flüchtlingsbub aus dem Riesengebirge mit seinen Eltern und Geschwistern in Hainöd bei den Held-Schwestern. Er musste zum örtlichen Bahnhof, um nach Dorfen zu fahren, dort in den Zug nach Markt Schwaben umzusteigen und dann Richtung Erding weiter zu fahren. Das auch bei minus 25 Grad und meterhohen Schneewehen. Dann fuhr Illner mit Skiern von Hainöd zum Zug. Spätestens um 5 Uhr in der Früh musste er aufstehen, vielleicht noch kurz ein Schillergedicht vor der Mutter wiederholen. Dann schnallte er sich die Holzbretter mit der Lederriemenbindung an und fuhr über die Greimel-Acker bis zum Bahnhof.

Heinz Illner (mit Hund Carlo) ging in Erding in die Oberrealschule. Dorthin gelangte er mit dem Zug über Dorfen und Markt Schwaben. Zum Bahnhof ging es im Winter mit den SkierN:

„Zappenduster war es da. Da brauchst koa Angst haben, wennst di ned scheichst“, meint Illner heute grinsend. Dass die Bockerlbahn jemals Verspätung gehabt hätte, daran kann er sich nicht erinnern. Lockführer war der Vater der Taufkirchenerin Irmi Niedermeier, geborene Aigner. In späteren Jahren fuhr er mit dem Bus ab Taufkirchen nach Erding. Er weiß auch noch, dass in Dorfen immer Ludwig Mertl einstieg, damals schon sein Mathelehrer an der Oberrealschule und später erster Rektor des Dorfener Gymnasiums. Die beiden fuhren im Zug nach Markt Schwaben. Dort wiederum traf Illner Hubert Kemper, später Mittelschullehrer in Taufkirchen. Er war damals schon in einer der höheren Klassen, und Heinz Illner blickte voller Ehrfurcht zu ihm auf, wenn Kemper auch im Winter mit dem Kontrabass im Arm in den Zug einstieg. In Altenerding war Halt, und zu Fuß ging es noch die paar Meter durch den Stadtpark nach Heilig Blut. Wenn Illner des Öfteren erst um 17 Uhr abends wieder heimkam, wartete seine Mutter schon beim Reiser-Siebler mit der Petroleumlampe auf ihn. Auch seine spätere Frau Betty, geborene Jell, heute 70 Jahre alt, kann sich noch an die strengen Winter ihrer Kindheit erinnern. Oft hatte es schon im Dezember viel Schnee, die Straßen in Wimpasing waren meist zugeweht, sodass die Dorfkinder über den Acker nach Inning in die Schule stapften. Zuvor mussten sie noch in die Kirche zum Engelamt. „Es war ja nicht weit, nur eineinhalb Kilometer, doch bis wir in der Schule ankamen, waren wir total durchgefroren.“ Denn Thermounterwäsche gab es noch nicht. Nur eine dicke Jacke, unter der die Mädels einen Rock, darüber immer eine Schürze und darunter eine schwarze Turnhose trugen, und Gummistiefel mit dicken Socken drinnen. „Da hatten wir wenigstens trockene Füße.“ Als Kopfbedeckung musste ein Kopftuch reichen. Nur wenn es zu eisig war, spannte man das Ross, die Fanni, vor den Schlitten und fuhr die Kinder vom Dorf zur Schule.

Streng war es im Winter auch für den Postboten Marte mit seinem Glasauge, erzählt sie. Er musste sich oft vollbepackt wie ein Ochs durch teilweise ungeräumte Straßen von Reimering über Hofstätt, Wimpasing und Bierbach bis nach Ottering durchkämpfen. „Bei uns hat er oft zu Mittag gegessen.“

Die strengen Winter bedeuteten aber auch Spaß, wenn die Wimpasinger über die „zwoa Gloaßn“ (Spuren) auf der Straße bis zum Schmied runter sausten oder die Taufkirchener vom Kellerberg über die Bahngleise bis zum Spengler Maier. Auch die Mägde und Knechte hatten ihre Freude, abends schnappten sie sich den „Koudschlittn“ und rauschten mit einer Lampe über die Buckel von Wimpasing. „Do is scho wos gmanget worn“, meint das Ehepaar vielsagend. Auch Schnee geräumt haben immer alle gemeinsam – ihr Vater, der „Moar vo Wimpasing“, hat das angeschafft.

Birgit Lang

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