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Nachruf: Manfred Becker hat den Landkreis Erding geprägt

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Eine beachtliche Karriere hat Manfred Becker (†) hingelegt.  Nun ist er im Alter von 86 Jahren verstorben.
Eine beachtliche Karriere hat Manfred Becker (†) hingelegt.  Nun ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. © privat

Als CSU-Politiker hat Manfred Becker die CSU und damit den Landkreis Erding geprägt. Beruflich hat er unter anderem geholfen, Himolla zu sanieren. Nun ist Becker im Alter von 86 Jahren verstorben.

Taufkirchen – Er war ein Hüne von Mann. Manfred Becker war mit seinen 1,95 Meter aber nicht nur körperlich ein großer Mann. Er war auch einer der Großen der CSU im Landkreis Erding und legte beruflich eine beachtliche Karriere hin. Um die Gesundheit des 86-jährigen Taufkircheners war es schon länger nicht gut bestellt, bis zum Schluss sei er aber geistig fit gewesen, berichtet Tochter Viktoria Petri. „Schwer erkrankt hatte er am 10. Oktober eine Not-Operation, von der er nicht mehr aufwachte. Für ihn war es eine Erlösung“, sagt die Tochter.

Die späteren Erfolge waren Manfred Becker nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Er kam 1934 in Augsburg, als Jüngster von drei Söhnen zur Welt. Seine Mutter war alleinerziehende Schneiderin. Er musste von klein auf mithelfen und mit der Rasierklinge Nähte auftrennen oder Polster nähen. Vielleicht rührte daher auch seine Affinität zur Polstermöbelindustrie. Denn Becker war unter anderem 18 Jahre lange Geschäftsführer von Himolla.

Bevor er sich in Taufkirchen niederließ, absolvierte er die Realschule und eine kaufmännische Lehre in der Augsburger Kammgarnspinnerei. Nach der Sonderreifeprüfung, die er in nur vier Monaten ablegte, studierte er an der LMU in München Betriebswirtschaft. Als Diplom-Kaufmann wurde er Direktionsassistent, später Prokurist bei der Ackermann Göggingen AG (1959 bis 1968), erst dann wechselte er zu Himolla und half maßgeblich, den maroden Betrieb zu sanieren.

1986 wechselte Becker zu Moralt Fertigelemente in Oettingen und rettete den Standort, wofür er den Ehrenring der Stadt erhielt. Von 1995 bis 2000 arbeitete der Taufkirchener als Vorstandsmitglied der Pfleiderer AG. Mit 66 ging Becker in den Ruhestand – zumindest beruflich.

Seine geliebte Frau Gertrud, geborene Kugelmann, hatte Becker 1955 in der katholischen Landjugend kennengelernt. Die gelernte Hutmacherin und später studierte Berufspädagogin hielt ihm immer den Rücken frei, kümmerte sich um die Familie, gründete daneben die Katholische Frauengemeinschaft in Taufkirchen und engagierte sich in vielen weiteren Bereichen. 60 Jahre lang kannten sich die beiden, 53 Jahre lang waren sie verheiratet. Ihr Tod war 2014 ein schwerer Schlag, von dem er sich nie wirklich erholte.

1961 kam Tochter Birgit, 1965 Viktoria zur Welt. Birgits überraschender Tod 2015 war ein weiterer Schicksalsschlag, den er nicht verkraften konnte. Denn Becker war „ein totaler Familienmensch“, sagt Tochter Vicky. Ein leidenschaftlicher Opa der Enkelsöhne Alex und Basti sowie des Urenkels Jakob sei er gewesen.

Becker habe über viele Jahre dazu beigetragen habe, dass die Christlich Soziale Union im Landkreis zur führenden politischen Macht geworden sei, würdigt Thomas Bauer, CSU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, den Verstorbenen. Seine Aufgaben führte er beharrlich und zielstrebig aus. „Als Intimus der Landräte Xaver Bauer und Martin Bayerstorfer war er ein enormer Strippenzieher und im Umgang mit anderen Fraktionen und zum Teil mit der Presse nicht immer zimperlich“, erinnert sich Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

41 Jahre lang (1972 bis 2014) war Becker CSU-Kreisrat, von 1976 bis 2008 Fraktionsvorsitzender und 35 Jahre lang stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender. Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, der Kommunalen Verdienstmedaille und dem goldenen Ehrenring des Landkreises.

In seinem engagierten Leben übte Becker zahlreiche weitere Ehrenämter aus: Handelsrichter beim Landgericht München II, Verwaltungsrat bei Arbeitsamt und AOK, Mitglied im Vorstand der Bayerischen Holz- und Kunststoffindustrie, Förderer der Klassischen Philharmonie Erding, Vorsitzender des Beirates der Fischer’s Stiftungs-Verwaltungs GmbH sowie mehrere Wahlperioden Mitglied des Sparkassen-Verwaltungsrats.

Birgit Lang

Die Trauerfeier

mit Beerdigung findet am Mittwoch, 28. Oktober, um 14.30 Uhr im Friedhof Taufkirchen statt.

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