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Besonderes Geburtstagsgeschenk: Friederike Forster spendierte ihrem Mann Alois einen Kochkurs. 

Alois und Friederike Forster

Ein Kochkurs für den Spitzenkoch

Er war schon Haubenkoch im Gault Millau, hat ein Besteck und ein Bib Gourmet im Guide Michelin sowie fünf Pfannen im Gusto Deutschland. Nun hat der mehrfach ausgezeichnete Küchenchef Alois Forster von seiner Frau Friederike ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk erhalten: einen Kochkurs.

Von Birgit Lang

Hörgersdorf – Er ist wohl der am meisten prämierte Koch im Landkreis Erding. Aber dieses Geburtstagsgeschenk hat den mittlerweile 68-jährigen Spitzenkoch nachhaltig begeistert. Ganz euphorisch erzählt er, was er bei Richard Rauch, Koch des Steira-Wirtes in der Steiermark erlebt hat. Rauch ist Bundeslandsieger im Falstaff und hatte schon einen Michelin-Stern. 2015 wurde er als Aufsteiger des Jahres gefeiert. Der erst 31-jährige Shooting-Star hat im ORF 2 sogar eine eigene Kochshow, erzählt Forster. Neben diesem jungen, steirischen Überflieger zu kochen, als hätte er nie etwas anderes gemacht, von ihm zu lernen, auch nach 37-jähriger eigener Erfahrung noch praktische Tipps zu bekommen, das alles zaubert dem Hörgersdorfer ein Lächeln auf die Lippen. Es sprudelt nur so aus ihm heraus. „Es war stark. Er war nicht arrogant, nicht unnahbar, sondern menschlich.“ Und nun weiß er, „dass sie auch nur mit Wasser kochen. Dass ich nicht so weit weg bin. Das hat mich in eigener Sache bestätigt.“ Natürlich gebe es neue Ideen und neue Gerätschaften, aber „Kochen bleibt Kochen“.

Dass Forster der einzige Profi unter den Teilnehmern war, hat er nicht gleich verraten, sondern bescheiden mitgearbeitet. „Ich habe Fisch filetiert, Rhabarber geschält und mich zurückgehalten.“ Doch schnell haben alle gemerkt, dass Forster Ahnung vom Fach hat. Rauchs Küche sei zweimal so groß wie seine eigene in Hörgersdorf. Forster gefiel sehr gut, „dass dort nicht alles hochgestylt ist, sondern noch alte, regionale Küche gepflegt und sogar im alten Reindl gekocht wird“. „Mein Bruder, der Koch“ ist der Leitfaden gewesen und dieser Spruch stand auf allen Schürzen, erzählt er und schwärmt von den Innereien, Kutteln, Pries oder Stierhoden, die Rauch als steirische Jakobsmuscheln mit Pilzragout auf seiner Speisekarte anbietet. „Das interessiert mich besonders, weil ich gelernter Metzgermeister bin.“ Auch vom durchwachsenen Schweinekotelette mit Kartoffelknödeln gefüllt mit „Grammeln und dem geeisten Linzer“, die er dort gegessen hat, ist er noch ganz angetan. „So was gibt es bei uns kaum noch.“

Der Kochkurs, den seine Frau im Internet für ihn ausfindig machte, inklusive sechs-gängigem Menü, sei nicht teuer gewesen. Für ihn als Koch sei es besonders interessant gewesen, von Jungköchen etwas abschauen zu können, „was sie in den Fleisch- und Fisch-Schubläden haben, wie sie ihre Zutaten vorbereiten, lagern und frisch halten“. So werden etwa ihre Soßen in Gläsern luftdicht verschlossen, verschiedene Pesti oder Chutneys eingemacht und damit Gerichte verfeinert. „Die Innereien haben mich gedruckt“, verrät Forster, aber auch „die regionale Küche“ und „die Konstellation von Dorf und Stadt – wie bringt man den Städter und den Gourmet auf’s Land in ein kleines Dorf“. 75 Prozent von Rauchs Gästen seien Kurgäste.

Auch Forster lebt zu 80 Prozent von Auswärtigen. Die Gäste kommen aus Dorfen, Taufkirchen und Erding. Viele seiner Stammkunden kommen auch aus München. Sogar der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hat mit seinem 60-köpfigen Kabinett hier schon mal Weihnachten gefeiert. Und TV-Moderatorin Nina Ruge kam mit ihrem Mann, Wirtschaftsmanager Wolfgang Reitzle, zu den Forsters zum Speisen, ebenso wie 2-Sternekoch Johannes Klink aus Sylt. Sie alle schätzen seine „gehobene, regionale Küche mit internationalen Einsprengseln“, und dass es in seinem Restaurant, das er 1980 mit seiner Frau Rike eröffnete, gemütlich-elegant, aber nicht gespreizt zugeht.

Auch mit 68 Jahren macht Kochen Spaß

Der gelernte Metzgermeister und Hotelkaufmann ist als Koch ein „Autodidakt“, verrät er und, dass ihm auch mit 68 Jahren dieser Beruf noch richtig Spaß macht und ihn antreibt Neues zu lernen, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Denn viel hat er von seinen Vorfahren gelernt. Schon sein Opa war Gastronom in Hörgersberg und hat 1922 das Wirtshaus in Hörgersdorf ersteigert. Seine Mutter heiratete den Sohn vom Wirt von Grünbach, der Metzger war. Die beiden haben das Anwesen in Hörgersdorf weitergeführt. Sonntags wurde immer aufgekocht und der kleine Alois verbrachte seine Kindheit in der Wirtsstube. Während die Mutter aufkochte, gab er schon in jungen Jahren das Essen aus, schaute sich von ihr viel ab oder metzgerte mit dem Vater.

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