Der ganze Stolz: Franz Kickingereder und sein Sohn Florian auf ihren Klassikern. Foto: Birgit Lang

Vespa-Freunde Vilstal

Eine italienische Leidenschaft

Landkreis - Die Vespa ist ihre Leidenschaft, also die italienischen Motorroller der Firma Piaggio, die seit langer Zeit Kultstatus genießen. Die Vespa verbindet Franz und Florian Kickingereder auf eine ganz besondere Weise.

Vater und Sohn Kickingereder lieben ihre Vespa-Roller. Sie pflegen seit langer Zeit dieses Hobby und würden sich über viele Gleichgesinnte freuen, mit denen sie regelmäßig gemeinsam ihrer Leidenschaft frönen können. Deshalb wurde Florian Kickingereder aus Unterhofkirchen beim Taufkirchener Volksfestwirt Franz Jell vorstellig und bot an, ein Vespa-Treffen mit zu organisieren. Vater und Sohn wollen sich dabei an das mittlerweile 11. Oldtimer-Treffen anhängen, das an diesem Sonntag, ab 9 Uhr auf dem Festplatz in Hilpolding steigt.

Alleine ein Vespa-Treffen auf die Beine zu stellen, hätte ihre Möglichkeiten überfordert, sagen sie. Nun hoffen sie, gemeinsam mit Jell möglichst viele Vespa-Fahrer zu motivieren, aufs Taufkirchener Volksfest zu kommen und erste Kontakte mit ihnen knüpfen zu können. Bei diesem Treffen erhalten die ersten 100 Vespa-Teilnehmer eine gesponserte Willkommenstüte und für alle Vespen, die älter als 30 Jahre alt sind, noch eine Mass Bier obendrauf.

Franz Kickingereder fuhr bereits mit 16 Jahren sein erstes Moped. Allerdings handelte es sich dabei noch um eine Kreidler Florette. 150 Mark hat er dafür hin geblättert. Das Geld hatte er sich als Elektriker-Lehrling mühsam abgespart. Die Leidenschaft für Motoren wuchs schleichend über die Jahre, verrät er. Irgendwann landete der gebürtige Niederbayer bei seiner ersten Vespa, der Virus hatte sich bei ihm sofort eingenistet. Vor gut 20 Jahren besuchte der mittlerweile 63-Jährige das erste Vespa-Treffen, schnell fand er Anschluss bei den Vespa-Freunden, auch bei denen vom gleichnamigen Erding-Freising Club. Mit ihnen besuchte er Stammtische und Treffen, unternahm gemeinsame Ausfahrten und schraubte mit ihnen – natürlich. „Während die Frauen Kaffee trinken, reden die Männer über Motoren“, erklärt er.

Schraubergespräche fesseln ihn und seinen Sohn, der die Leidenschaft des Vaters noch befeuerte. Florians erste Vespa war eine PX 200, Baujahr 1986. Später folgte eine Rally 200, Baujahr 1972. Schon immer sei er Piaggio gefahren, angefangen von seinem ersten Mofa mit 15 Jahren. Der erste Roller folgte ein Jahr später, die erste alte Vespa hat er sich mit 18 Jahren zugelegt. 1999 war das, 1900 Mark hatte er dafür berappt.

Was seine zwei „Vespen“, wie er sagt, heute wert sind, darüber schweigt er sich aus. Aber ein Vielfaches. Denn sie sind sehr gefragt. „Sie haben eine extreme Wertsteigerung.“ Was den Reiz für ihn an einer Vespa ausmacht, hat er schnell erklärt: „Altes Blech, Originallack, Schrammen. Sie sind ein Zeichen, dass der Roller viele Jahre auf dem Buckel hat.“ Für ihn ist sie nicht nur ein günstiges Fortbewegungsmittel für jedermann, als was sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Designer Corradino D’Ascanio konzipiert wurde. Für ihn ist sie ein Stück Lebensgefühl. „Dolce Vita“, das süße Leben, wie es Frederico Fellini in seinem Kinoklassiker in den 50er-Jahren verewigt hat. „Es gibt wohl keinen italienischen Haushalt, wo keine Vespa in irgendeiner Scheune rumsteht“, meint Florian.

Die einfache Bauweise und die Bedienung, Handschaltung, Bremspedal, Zweitakter, das fasziniert ihn. Das Design ist für den 34-Jährigen einzigartig: Der Durchstieg, dass auch Frauen oder der Pfarrer im Talar einfach mit dem Roller fahren können. Vorne das Beinschild als Schutz vor Schmutz und Regen und hinten die dicken Backen, wie bei einer Wespe. „Der Motor ist drunter rechts und der Ersatzreifen links“. Einfach durchdacht halt.

Faszinierend an der Vespa sei für ihn auch, dass man kein gelernter Mechaniker sein muss, um Reparaturen zu tätigen. Hier kann jeder Schrauber noch alles selber machen. Es gibt Liebhaber, die bis zu 40 Vespen daheim haben. Gut kann sich Florian Kickingereder noch an seinen 18. Geburtstag erinnern. „Am gleichen Tag sind wir mit vier Vespen und einem Motorrad an den Neusiedlersee gefahren. 550 Kilometer durch die Wachau, über Linz, Wien, Bratislava und Sopron. „Zwei Tage hin und in einem Tag zurück. Wir hatten schönes bis Scheißwetter. Geregnet hat’s auch“, erzählt er und gibt zu: „Ich hatte einen wunden Hintern und konnte drei Tage nicht mehr gehen.“ Aber an der Vespa sei nichts kaputt gegangen. Bei der lief alles bestens. „Das war meine weiteste und beste Erfahrung.“

Dass solche alten Dinger so zuverlässig sind und so weit fahren, hat ihn nur noch mehr überzeugt von der Einzigartigkeit und der Qualität der Roller. Alle Ersatzteile gebe es noch bei den diversen Vespa-Händlern in Europa. „Vom kleinen Birndl bis zum Seilzug. Alles!“, freut er sich. Seine Mutter und seine Freundin sind zwar nicht vom Vespa-Virus infiziert, fahren aber gern als Sozius mit. „Vespa-Narrische“ gibt es einfach überall“, sagen die beiden.

Weil die Aktivitäten im Landkreis Erding eingeschlafen seien, möchten sie nun eine neue Vespa-Gemeinschaft ins Leben rufen, weitere Vespa-Verrückte kennenlernen und mit ihnen möglichst viel gemeinsam unternehmen, um ihrer Leidenschaft zu frönen. Kontakt gibt es unter vespafreunde-vilstal@t-online.de.

Birgit Lang

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