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Einblicke aus erster Hand geben Bodo Gsedl und Peter Keilhacker (v. l.) in ihrem Buch über Carl Hierl.

Lesung über Carl Hierl

Erinnerungen an einen Visionär

Bodo Gsedl und Peter Keilhacker haben auf Einladung des Mehrgenerationenhauses Taufkirchen im Ausstellungsraum des Polstermöbel-Herstellers Himolla aus ihrem Buch „Erinnerungen an Carl Hierl“ gelesen.

Taufkirchen – Autoren und Zuhörer – darunter auch Bürgermeister Franz Hofstetter und seine Frau Gabi sowie die Kinder Hierls – schwelgten in Erinnerungen an einen vielschichtigen Mann. „Ohne ihn wäre Taufkirchen ein Dorf geblieben – nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im sozialen und kulturellen Bereich“, sagte Gsedl.

Hierl reloaded. Warum jetzt, so viele Jahre nach Erscheinen des Buches, eine Lesung über den Himolla-Gründer? „Wir veranstalten derzeit eine Vorlesereihe, da bot es sich an, die beiden Taufkirchener Autoren Gsedl und Keilhacker in unser Programm zu involvieren“, sagte Katharina Gaigl, Initiatorin und stellvertretende Leiterin des Mehrgenerationenhauses Taufkirchen.

Freilich freute sich das Autorenteam über die Anfrage: „Wir haben nach acht Jahren mal wieder in dem Buch gestöbert, viele Sentiments wurden wach“, sagte Keilhacker, ein Neffe Hierls. Gsedl ergänzte: „Mir wurde wieder bewusst, was die Gemeinde Taufkirchen dem Visionär und Firmengründer zu verdanken hat.“ Immerhin ist Himolla der größte Arbeitgeber in Taufkirchen – es gäbe allerdings kein Waldbad oder auch keine Reithalle. Dennoch ist diese Biografie kein „Jubel-Buch“, stellte Keilhacker klar, sondern vielmehr eine ungeschminkte Darstellung von Hierls Charakter und Leben.

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Der Untertitel „Leben heißt kämpfen“ ist mit Bedacht gewählt. Aus dem Sattlerbetrieb seiner Vorfahren hatte Hierl den Möbelkonzern geschaffen. Sein unternehmerischer Mut und scharfsinniger Marktinstinkt verhalfen ihm zu wirtschaftlichem Erfolg und Ansehen. Dabei war es gar nicht leicht, in der Nachkriegszeit den Betrieb zu führen, erfuhren die Zuhörer. Oft musste der Lohn, der damals wöchentlich ausgezahlt wurde, vorab von Münchner Kunden eingetrieben werden, mal lieh Hierl sich Geld von seinen Führungskräften, damit jeder Angestellte auch pünktlich die Lohntüte in der Hand halten konnte.

Aber Ruhm und Erfolg führten alsbald ins Chaos. 1966 kam der Absturz, Hierl scheiterte durch eine unternehmerische Fehlentscheidung und musste Himolla verlassen. Ein Schalensessel wurde ihm nämlich zum Verhängnis, las Keilhacker vor: „So wie der Volkswagen, so wollte Hierl den Volksschalensessel produzieren. Das ging schief.“ Hierl baute sich danach als Blumenhändler eine neue Existenz auf.

Den Floristen lernte Autor Gsedl als spendenfreudigen Mann kennen: „Egal welche Veranstaltung: Hierl versorgte alle mit Blumen.“ Gsedl habe selten einen Mann gesehen, der so freizügig gewesen sei, dabei keineswegs protzig: „Und er war ein exzellenter Erzähler.“ Alleine hätte Gsedl das Buch nicht schreiben können, denn ihm fehlten Unterlagen und Fotos. Geschäftsmann Keilhacker hatte hingegen Material und Insiderinfos bei der Hand. Das Buch wird nicht mehr im Handel vertrieben. Interessenten können sich direkt an Keilhaber wenden und ein Exemplar ordern, Tel. (0 80 84) 28 22.

Diese Lesereihe ist übrigens eine Kooperation des Katholischen Bildungswerks, dem Seniorenzentrum Pichlmayr, der Stiftung Lesen und des Mehrgenerationenhauses Taufkirchen. Im vergangenen Oktober hatte beispielsweise Gabi Hofstetter Geschichten aus der griechischen Mythologie vorgetragen. Am 24. November wird Siegfried Unterhuber aus Schwindegg heiter-besinnliche Geschichten aus seinem Buch beim Pichlmayr Adventsmarkt zum Besten geben. MICHAELE HESKE

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