Eskalierende Gewalt auf dem Taufkirchener Volksfest

Krankenpflegeschüler schlägt Polizisten

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Zwei Faustschläge gegen einen Polizeibeamten in Zivil haben einen 22-Jährigen vor Gericht gebracht. Der Krankenpflegeschüler kam mit einem blauen Auge davon: Die Geldstrafe gefährdet sein Examen nicht.

Taufkirchen - Der junge Mann aus einer Gemeinde kurz hinter der östlichen Landkreisgrenze hatte am 16. Juli vergangenen Jahres mit einem Freund das Taufkirchener Volksfest besucht. Beide sprachen dem Alkohol recht kräftig zu. Als der Angeklagte zwei Maß Bier und etliche Gläser Wein intus hatte, geriet er mit seinem Spezl in Streit – mit 2,1 Promille Alkohol im Blut.

Mehrfach waren die beiden aneinander geraten. Gegen 0.15 Uhr rauften die beiden am Ausgang des Volksfests wegen eines aus der Hand geschlagenen Handys so heftig, dass zwei zufällig in der Nähe anwesende Zivilpolizisten einschritten.

Der 22-Jährige dachte, Dritte würden sich in den Streit einmischen. Als einer der Beamten den Spezl von hinten packte, herumriss und zu Boden brachte, erwachte beim Angeklagten der Helferinstinkt. Zweimal schlug er dem Polizisten die Faust gegen den Kopf. Der Zivile musste ins Klinikum und war erst drei Tage später wieder voll diensttauglich.

Die Staatsanwaltschaft Landshut schickte dem jungen Mann wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte einen Strafbefehl über 120 Tagessätze. Gegen den legte er mit Hilfe seines Anwalts Michael Steindl Widerspruch ein. Dabei ging es weniger um die Tat an sich, sondern um die Höhe der Geldstrafe. Denn mit 120 Tagessätzen hätte der Pflegeschüler als vorbestraft gegolten. Sein Examen im September dieses Jahres hätte er sich damit abschminken können.

Am Freitag kam es vor dem Amtsgericht Erding zum Prozess. Der Täter gab sich reumütig, räumte die Tat ein und entschuldigte sich bei den Beamten. „So bin ich normal gar nicht. Ich habe wohl zu viel getrunken.“ Im Kern der Verhandlung ging es darum, ob der 22-Jährige wusste, dass er einen Polizisten niedergeprügelte.

Beide Beamte sagten aus, sie hätten „Stopp, Polizei, auseinander“ gerufen. Der Angeklagte versicherte, diese Rufe habe er nicht wahrgenommen. „Es waren sehr viele Leute vor Ort, es herrschte Trubel und war laut“, so der angehende Krankenpfleger. Auch sein Spezl und ein Sicherheitsbediensteter sagten aus, es sei möglich, dass die Warnung nicht angekommen sei. Selbst die Polizisten konnten nicht ausschließen, als solche nicht wahrgenommen worden zu sein.

Daraufhin ließ die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des gewaltsamen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte fallen. Der der vorsätzlichen Körperverletzung aber blieb bestehen. „Mein Mandat hat sich falsch verhalten, das steht außer Frage“, sagte Anwalt Steindl. Er bat darum, eine Geldstrafe von nicht mehr als 90 Tagessätzen zu verhängen, da sein Mandat sonst seinen Beruf nicht werde ausüben können.

Die Anklagevertreterin forderte 90 Tagessätze zu je 24 Euro, also 2160 Euro Geldstrafe. Der Verteidiger erachtete 60 Tagessätze zu 20 Euro (1200 Euro) für ausreichend. Richterin Michaela Wawerla verurteilte den Täter zu 70 Tagessätzen zu je 20 Euro, also 1400 Euro Strafe. Sie hielt ihm sein geringes Einkommen, seine bislang weiße Weste sowie Geständnis und Entschuldigung zu Gute. Allerdings warf Wawerla ihm ein nicht unerhebliches Gewaltpotenzial vor, „vor allem wenn Sie getrunken haben. Passen Sie da auf. Das darf nie wieder passieren.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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