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Waren ganz und gar nicht einer Meinung (v. l.): Bernhard Schöbl, Christian Persch, Stefan Kräutler, Max Bauer und Hans Baumgartner.

Bebauung des Bernock-Geländes in Taufkirchen

Experten streiten um jeden Zentimeter

Die Nachbarn des Bernock-Grundstücks, das ein Landshuter Bauträger bebauen will, haben in der Gemeinde um ein Treffen gebeten, um Unstimmigkeiten abzuwägen. Ihrer Meinung nach sind die geplanten Gebäude erheblich höher, als es die gebilligte Vorgabe vorsieht. Es kam zu Diskussionen.

Taufkirchen Seit Monaten gibt es Diskussionen um das Bernock-Grundstück in Taufkirchen beziehungsweise um dessen Bebauung. Einigemale wurde umgeplant. Bürgermeister Franz Hofstetter lud deshalb vor der Sitzung des Bauausschusses in den Sitzungssaal. „Wir haben nichts zu verbergen“, erklärte er und, dass er die Zeit der Auslegung des Planes nutzen wolle, um alles zur Zufriedenheit beider Seiten zu klären.

Der jüngste Vorwurf der Nachbarn lautet: „Die ausgelegte Planung ist nicht vom Beschluss des Bauausschusses gedeckt.“ Auch die neuen Zufahrten würden komplett von der bisherigen Beschlussvorlage abweichen, zitierte Hofstetter aus ihrem Schreiben. Der Entwurf liege noch bis zum 29. Januar aus, könne bis dahin eingesehen, Kritik und Anregungen abgegeben werden, erklärte der Bürgermeister.

Auch war der Bürgermeister sichtlich neugierig, was die Nachbarn vorzutragen hatten – darunter zwei absolute Profis: Stefan Kräutler, Bauingenieur und Inhaber einer Baufirma, sowie Hans Baumgartner, Mitarbeiter des gemeindlichen Bauamts. Baumgartner stellte die Grundparameter der Planung nochmals vor. Die Höhen der vier Gebäude richten sich nicht nach der bestehenden Bebauung, erklärte er.

„Es sind keine Höhen für die Fertigböden im Erdgeschoss festgelegt.“ So seien die Firsthöhen 7,15 bis 9,90 Meter hoch. Um dies zu veranschaulichen, hatten die Nachbarn Geländeschnitte mit den tatsächlichen Höhen der Nachbarbebauung zeichnen lassen und legten sie über die Planung des Bauträgers, um sie anschaulich in Relation mit den darin dargestellten Firsthöhen der Bestandsgebäude zu setzen.

Kräutler warf ein, dass es bei 150 Meter Länge 15 Meter Höhenunterschied gebe. Der einzige Höhenbezugspunkt der Planer sei ein Kanaldeckel auf der östlichen Grundstücksseite. „Wir haben die tatsächlichen Firsthöhen eingetragen und auf ein Transparent gepaust, damit man es darüber legen kann“, erklärte er dem Bürgermeister und den Gemeinderäten des Bauausschusses. „Beim Bebauungsplan ist kein einziger Querschnitt dabei, was ungewöhnlich ist bei so starkem Gelände“, betonte er.

Die Bestandshäuser seien viel zu hoch gezeichnet, ergänzte Baumgartner. Damit würden die geplanten Häuser viel höher, sieben Meter gegenüber der vorgelegten Illustration, die zur Beschlussfassung vorgelegt wurde.

„Das sind erhebliche Diskrepanzen von der Höhe her“, stellte auch Hofstetter fest. Kräutler holte weiter aus: Die ganze untere Verkehrsfläche, die anfangs als Grünfläche dargestellt worden sei, sei nun für rund 25 Stellplätze und als Zufahrt für die Feuerwehr vorgesehen, obwohl der Bürgermeister vor einiger Zeit gefordert habe, dass alle Parkplätze in der Tiefgarage nachgewiesen werden müssten. Die jetzige Planung bedeute für die südlichen Anlieger jede Menge Verkehrsbelästigung.

Insgesamt befinden sich auf den benachbarten Grundstücken auf rund 12 000 Quadratmeter nicht einmal 20 Wohneinheiten. Dagegen sollen jetzt auf gut 6000 Quadratmeter 45 Wohneinheiten entstehen, obwohl der Bürgermeister betont hätte, dass es nicht mehr als 35 sein dürften. „So wie es dargestellt ist, werden es sogar rund 50 Wohneinheiten“ schätzte der Bauingenieur, denn es wurden nur die Mustergrundrisse gezeigt. In dem vorderen kleinen Haus werden es auch mindestens acht Wohneinheiten sein, argumentierte er: „Es gibt später keinen Quadratmeter mehr, der das ursprüngliche Gelände dokumentiert, wenn sie so ins Gelände gehen.“

Hofstetter klinkte sich ein und schlug vor, die Zeit zu nutzen, um weitere Gespräche mit den Beteiligten und mit Vermessungsingenieur Hans Eisgruber zu führen, der die Höhen vermessen habe. Kräutler erklärte, dass er sich schon mit Eisgruber kurzgeschlossen habe. Dieser habe keinerlei Verständnis dafür, dass die Zahlen, die er errechnet und weitergegeben hatte, nicht in der Planung verwendet wurden.

Der Erdinger Architekt Christian Persch war konsterniert und konterte: „Das kann nicht sein. Wir nutzen ein digitales System.“ Und Bernhard Schöbl, Geschäftsführer der Wohnwerk Bayern GmbH, die das Areal bebauen will, beteuerte: „Wir haben das Grundstück zu hundert Prozent richtig vermessen. Wir haben die Stellplätze und die Zufahrt ein zu eins eingehalten. Ich sehe keinen Grund, für das was sie uns vorschmeißen. Wir haben nichts weggelassen, und die Höhen stimmen auf den Zentimeter. Es ist alles digital gezeichnet.“ Da hätte man schon „einen richtigen Bock schießen“ müssen, relativierte er. Landschaftsarchitekt Max Bauer meinte nur: „Wir müssen mal schauen, wo der Wurm ist. Vielleicht schaut der eine das Gebäude von der Wandhöhe hinten an und der andere von vorne.“

Hofstetter fasste zusammen: Als Anlage müssten im Bebauungsplan sowohl die Höhenangaben als auch die Schnitte mit aufgenommen werden, damit das Gelände richtig dargestellt werde. Vor der Abwägung sollte noch ein Entwurf eingegeben werden, der von beiden Seiten für richtig angesehen wird.

Birgit Lang

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