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Führte durch die Forensik: Verena Klein, die Leiterin der Taufkirchener Einrichtung. 

Forensik taufkirchen

Frauen helfen, nicht wegsperren

Seit 2011 wird der Neubau der Forensik am kbo-Isar-Amper-Klinikum mit seinen fünf geschlossenen Stationen genutzt. Jetzt ergab sich die einmalige Gelegenheit, bei einem „Tag der offenen Tür“ Einblick in das ansonsten streng gesicherte Gebäude zu bekommen.

Taufkirchen – 1998 wurde in Taufkirchen die erste frauenforensische Abteilung Deutschlands als Maßregelvollzugseinrichtung eröffnet. Unter Maßregelvollzug versteht man die Sicherung und therapeutische Betreuung psychisch kranker Straftäter. Dabei sind nur etwa acht Prozent dieser Täter Frauen. Dass diese in einer eigenen Einrichtung untergebracht werden, liegt laut Verena Klein, der Leiterin der Forensik, daran, dass sich Frauen in den Motiven und in den die Straftat bedingenden Vorgeschichten meist grundlegend von Männern unterscheiden. Die Anfangs 36 Betten sind bis heute auf 174 gestiegen. Die in Taufkirchen untergebrachten Frauen stammen aus ganz Bayern.

Einzigartig in Deutschland sei die Mutter-Kind-Station, so Klein. Alle vier Plätze sind derzeit mit Straftäterinnen und deren unter drei Jahre alten Kindern belegt. Zum Schutz der Kinder kommen hier aber nur Suchtkranke in Betracht, Frauen mit gewalttätiger Vorgeschichte scheiden aus. Das Alter der Patientinen reicht von 18 bis 80 Jahren, wobei sowohl die Jungen als auch die Älteren die Ausnahme sind, berichtete Klein.

Um den Frauen auch den Gang ins Freie zu ermöglichen gibt es neben dem großen „Therapiehof“ für jede Station einen eigenen, kleineren Hof, mit Sportmöglichkeiten wie Tischtennisplatten oder Volleyballnetzen. Sogar Hochbeete wurden von den Frauen angelegt und bepflanzt.

Ängste der Bevölkerung vor Ausbrüchen sind laut Klein „absolut unbegründet“. Seit 2004 habe es keine Entweichung mehr gegeben.

Immens ist der personelle Aufwand um die Forensik zu betreiben. 200 Pflegekräfte und 50 Therapeuten und Ärzte sind hier beschäftigt. Stationsleiter Gerhard Zeidler erklärte, dass jeder Patientin zwei feste Ansprechpartner und ein Therapeut zugeteilt seien. Bezugspflege heißt dieses Konzept. Am Ende der einstündigen Führung steht die Erkenntnis: Hier soll niemand weggesperrt, sondern kranken Menschen geholfen werden. F abian Holzner

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