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Als Opfer einer Intrige sieht sich Axel Saile.

Freigesprochener Altenpfleger 

„Man wollte mich loswerden“

Durch die Hölle musste Altenpflegehelfer Axel Saile ein halbes Jahr lang gehen. Er wurde beschuldigt, eine Bewohnerin des Pflegeheims Villa Moosen sexuell missbraucht zu haben – zu Unrecht, wie sich vor Gericht herausstellte. Saile verlangt seine vollständige Rehabilitierung.

Taufkirchen/Erding An den 20. September 2016 erinnert sich Hans-Jürgen Saile, besser bekannt als Axel, noch genau: Gegen den 63-jährigen Altenpflegehelfer wurde Strafanzeige gestellt. Gleichzeitig erhielt er die fristlose Kündigung seines Arbeitgebers. Die Begründung: Saile soll eine an Demenz erkrankte, spastisch gelähmte Bewohnerin des Pflegeheims Villa Moosen in Taufkirchen sexuell missbraucht haben.

Vorwürfe, an denen kein Fünkchen Wahrheit sei, wie der Erdinger im Gespräch mit der Heimatzeitung betont. Er ist froh, vom Amtsgericht Erding freigesprochen worden zu sein – aus Mangel an Beweisen (wir berichteten).

Doch bis heute hat er damit zu kämpfen, wieder respektiert zu werden. „Nicht auszudenken, wie alles verlaufen wäre, wenn das Urteil zu Gunsten der Klägerin ausgefallen wäre“, sagt Saile.

Wie es zu dem Vorwurf kam, kann Saile bis heute noch nicht nachvollziehen. Er habe die pflegebedürftige Frau lediglich ordnungsgemäß gereinigt. Seine Kollegin, mit der er am entsprechenden Abend zur Spätschicht eingeteilt war, konnte das Verfahren nur von hinten sehen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt sexuelle Handlungen an der Dame vorgenommen. Wenn so etwas als Missbrauch dargestellt wird, stellt sich mir schon die Frage, wie weit man als Pfleger gehen darf, um schwerstkranke Patienten im Genitalbereich von Stuhlgang zu reinigen“, so Saile empört.

Er hat nur eine Erklärung für die Vorwürfe: „Die haben so lange gesucht, bis sie irgendetwas gefunden haben, um mich rauszuwerfen.“ Saile habe bereits einige Abmahnungen erhalten. „Und alles nur wegen Kleinigkeiten. Zum Beispiel, weil ich keine Gummihandschuhe getragen habe. Ich leide an einer Latex-Allergie und benutze nur Waschlappen.“

Generell habe in der Villa Moosen ein schlechtes Arbeitsklima geherrscht. „Für mich stand das Wohl der Pflegebedürftigen zu jeder Zeit im Vordergrund, ich war ein sehr pünktlicher Mensch und habe großen Wert auf Hygiene gelegt“, sagt der Erdinger, der bereits seit zehn Jahren als Pflegekraft tätig ist.

Seine Kollegin hingegen habe ständig früher Feierabend gemacht, viele Raucherpausen eingelegt und sei nicht auf die Bewohner eingegangen. „Da habe ich ihr natürlich oft die Meinung gesagt. Auch wenn sonst etwas in der Arbeitsweise des Pflegeheims nicht gepasst hat, habe ich es ausgesprochen. Damit bin ich wohl angeeckt“, sagt Saile und mutmaßt: „Ich denke, dass man mich einfach loswerden wollte.“

Ein weiteres Indiz, das für Saile auf eine Verbündung von Heimleitung und Anklägerin hindeutet: Die Kollegin hat bereits drei Einträge in ihrem polizeilichen Führungszeugnis, wie sich während der Verhandlung herausgestellt hat. „Das geht eigentlich nicht, denn vor der Einstellung muss man ein makelloses Zeugnis vorlegen“, weiß Saile.

Die weitreichenden Folgen für Saile scheint die Geschäftsführung nicht bedacht zu haben. „Die haben mir nur die fristlose Kündigung ohne Begründung gegeben, ohne noch einmal mit mir zu reden, oder mich den Vorfall aus meiner Sicht schildern zu lassen“, bedauert er. Die Konsequenz: Die Suche nach einem Arbeitsplatz ist für den Altenpfleger nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. „Ich war kurz in einer anderen Einrichtung im Landkreis eingestellt. Nachdem der Bericht über meine Verhandlung in der Zeitung war, wurde ich auch dort ohne Grund entlassen.“

Inzwischen hat sich der 63-Jährige einigermaßen mit der Situation abgefunden. „Ich werde die Zeit bis zur Rente nur noch im privaten Rahmen Menschen pflegen. Die Arbeit im Heim tue ich mir nicht mehr an“, sagt er. Dennoch hofft er auf eine öffentliche Entschuldigung seitens der Villa Moosen. „Von denen habe ich auch nach der Verhandlung nichts mehr gehört. Sie sind es mir schuldig, mein Ansehen wieder voll herzustellen“, betont er.

Hildegard Kochbeck, um die sich Saile kümmert, würde die Hand für ihn ins Feuer legen. „Er pflegt mich schon seit vielen Jahren. Da war nie etwas. Die müssen seinen Ruf rehabilitieren.“

Vom Ex-Arbeitgeber war keine Stellungnahme zu bekommen.

Julia Adam

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