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Damen mit eigener Meinung: Vorsitzende Karin Bauer (r.) blickte auf die Aktivitäten zurück.

„Früher sind die Damen politischer gewesen“

Vor 30 Jahren hat sich die Frauen Union (FU) Taufkirchen gegründet. Jetzt wurde das Jubiläum im Wasserschloss mit über 30 fast ausschließlich weiblichen Gästen gefeiert.

Taufkirchen – Die Initiative hätten damals die Männer „nicht ganz so als den Renner gesehen“, berichtete Vorsitzende Karin Bauer in ihrem kurzen Rückblick: Aus der Chronik sei zu entnehmen, dass damals die Männer den politischen Aktivitäten der Frauen gegenüber „nicht so positiv eingestellt waren“. Trotzdem hätten sich neun Damen davon nicht abhalten lassen, selbst aktiv zu werden.

Gründungsvorsitzende war Hilde Stiller, die zusammen mit der heuer verstorbenen Hertha Puschmann, mit Gertrud Becker, Theresia Maier, Antoinette Hörl, Ursula Schmederer, Maria Becker (Dorfen) und Anni Oberwallner (Hohenpolding) die FU aus der Taufe hob. Nach einem Jahr habe Puschmann, die „Seele der FU“, als Vorsitzende die Führung übernommen, danach Gabriele Baumgartner (ab 1997) und Claudia Anschütz (ab 2001). Seit 2013 steht Bauer an der Spitze.

Sie erinnerte daran, dass 1992 in Dorfen der dritte FU-Ortsverband im Landkreis und 1993 der FU-Kreisverband aus der Taufe gehoben wurden. In 30 Jahren habe man sich „politisch einen Namen gemacht“, sagte Bauer und zu vielen Themen immer wieder die Gemeinde „überprüft“ – etwa Kinderfreundlichkeit oder weibliche Namen für Straßen.

„Früher sind die Damen politischer gewesen, als wir es sind“, klagte Bauer. Im Moment „haben wir fast gar keine politische Meinung“. Man traue sich nicht so, sich zu äußern, um nicht angegriffen und in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden. Bauer mache die Erfahrung, dass sich „keiner wirklich was sagen traut und auch nicht mehr Stellung bezieht“. Ihr sei es daher ein Anliegen, dass sich der FU-Kreisverband mit seinen 180 Mitgliedern wieder mehr politisch engagiert.

Vieles sei heute erreicht bei der Sicherung und Verankerung von Frauenrechten, sagte CSU-Bürgermeister Franz Hofstetter. Er dankte für 30 Jahre politische Arbeit und forderte: „Frauen sollen sich politisch einmischen.“ Ihre oft andere Sicht der Dinge, etwa familienpolitische Aspekte, sei wichtig.

Ihren Dank für das langjährige Engagement sprach die FU-Bezirksvorsitzende von Oberbayern und Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf aus. Rentengerechtigkeit, Mütterrente, Altersvorsorge oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien „nur einige der vielen Themen, bei denen sich auch die Taufkirchener eingemischt haben“. Scharf sei stolz auf den „starken Ortsverband“, der seit drei Jahrzehnte politisch lebe.

„100 Jahre Frauenwahlrecht, 30 Frauen Union Taufkirchen. Ich bin 32 Jahre alt“, sagte FU-Kreisvorsitzende Janine Krzizok. Da merke man erst, was heute alles selbstverständlich ist und es „damals nicht einfach war“. Es sei wichtig, „dass Frauen Politik machen und das nicht nur den Männern überlassen, denn wir haben selber gute Ideen“.  prä

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