60 Jahre Johanneskirche, 10 Jahre Spatzennest

Ein Gotteshaus, zwei Jubiläen

Fast auf den Tag genau vor 60 Jahren, am 24. Juli 1956, wurde die Johanneskirche in Taufkirchen ihrer Bestimmung übergeben. Daran wurde mit einem Jubliläumsgottesdienst erinnert, zu dem Dekan Jochen Hauer die Festrede hielt.

60 Jahre Johanneskirche, 10 Jahre spatzennest

Taufkirchen – Pfarrer Edson Schumacher begrüßte die nur rund 50 Gläubigen in der von Architekt Olaf Gulbransson entworfenen Kirche. „Heute feiern wir Geburtstag der Johanneskirche“, sagte er und meinte, ihr Alter würde man ihr auch ansehen, wenn man die Wand hochschaue. Dabei bezog sich der Pfarrer auf einen kleine Stelle, wo der Putz von der Wand bröckelt. Die Johanneskirche habe all die Jahre Raum für Gespräche mit Gott, für Freude, Leid, für Begegnung und Abschiede, für Gedanken und Musik gegeben, erklärte er und übergab das Wort an Hauer.

Der Dekan las die gleichen Zeilen vor, wie sie zur Einweihung vor 60 Jahren vom damaligen Pfarrer zitiert wurden. Es sei die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, wo es viele Tote, Vertriebene und Flüchtlinge gegeben hat. Auch in Taufkirchen lebten 400 Frauen, Männer und Kinder, die Haus und Hof verloren hatten, die aus Schlesien, Pommern oder dem Sudetenland kamen, sagte er. Sie seien entschlossen gewesen, sich hier eine neue Heimat aufzubauen.

Er zitierte aus der Bibel die Geschichte der Vertriebenen in Babylon, zu denen der Prophet Jesaja gesprochen habe. Für Hauer ein „großartiges Bild“, denn Gott habe sie durch die Wüste geführt, den Weg für sein Volk bereitet, auch wenn mancher von ihnen wohl an Gott gezweifelt haben mag. Heute seien die Kriegsschauplätze andere, der Esstisch daheim oder das Büro in der Arbeit. Aber immer noch sei es Gott, der tröste. „Trost hat was mit Trauer und mit trauen zu tun“, erklärte er. Und trauen bedeute auch, einen neuen Anfang zu wagen, sei das eigene Leben auch noch „so dürr und leer“. „Gott will, dass ich mich traue, auch gegen den Augenschein.“ Umkehr und Neuorientierung seien heute genauso notwendig, wie zu Jesajas Zeiten.

Bilder von den Jubiläen: Spatzennest und Johanneskirche feiern

Hauer erinnerte an die Menschen, die vor über 60 Jahren den Neuanfang gewagt und den Entschluss gefasst hatten in Taufkirchen eine evangelische Kirche zu bauen. Viele der Einheimischen hätten es ihnen nicht zugetraut. Doch es gelang, auch wenn viel Überzeugungsarbeit nötig gewesen sei, bis 1956 die Einweihung des Gotteshauses möglich geworden war. „Es ist ein Kleinod bis heute“, meinte er. Die goldene Kugel auf dem Kreuz des Daches der evangelischen Kirche leuchte weithin sichtbar. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir sollten weithin sichtbar sein.“

Begleitet vom Dorfener Kirchenchor und erstmals den Moosener Bläsern, die auch anschließend beim Johannesfest im Festzelt musizierten, war es ein sehr feierlicher Gottesdienst. Edson dankte allen, die in den vergangenen Wochen mit den Vorbereitungen für das Fest, dem Aufbau mit und ohne Regen beschäftigt waren, und lud die Anwesenden dazu ein, mitzufeiern.

Jana Hübner, Leiterin der Kinderkrippe Spatzennest, stellte in der Kirche noch kurz das Fest-Programm vor. Denn zugleich wurde auch das zehnjährige Bestehen dieser Einrichtung gefeiert. Zusammen mit ihrem Team hatte sie mit und für die Kinder und deren Eltern einiges auf die Beine gestellt. Sie hatten ein selbst gedichtetes Lied einstudiert, sich ein Jubiläums-Quiz mit tollen Preisen einfallen lassen, eine Bastelstraße eingerichtet, wo die Kinder Lavendel-Säckchen befüllen, sich schminken oder tätowieren lassen konnten und eine Ausstellung mit Bildern, gemalt von den Kleinen, installiert. Jedes Bild konnte für 5 Euro gekauft werden.

Auch das Spatzennest konnten sich die Besucher bei dieser Gelegenheit genauer ansehen. Zudem sorgten ein Clown, der Isentaler Schalmeien-Express und zwei griechische Tanzgruppe für Unterhaltung. Denn die Taufkirchener Griechen nutzen die Johanneskirche auch für ihre religiösen Feiern.

Birgit Lang

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