Tragödie am Karlsfelder See: 24-Jähriger schwimmt zurück - und stirbt

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Zu Gast beim Vorzeigeprojekt: Zahlreiche prominente Politiker haben das Mehrgenerationenhaus im Laufe der Jahre besucht, wie etwa der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (2. v. l.)

Zehn Jahre MGh Taufkirchen

„Das Haus, das niemals schläft“

Taufkirchen - Viele Zweifler gab es am Anfang. Aber Bürgermeister Franz Hofstetter und sein Gemeinderat zogen es durch: Sie errichteten das erste Taufkirchener Kinder- und Jugendhaus. Das erste weit und breit, das in dieser Form zum einmaligen Pilotprojekt, zu einer Erfolgsgeschichte und zum Vorbild für andere Gemeinden wurde.

Heute tummeln sich hier im Caritas-Mehrgenerationenhaus, wie es mittlerweile heißt, vom Kleinkind bis zum Rentner alle Generationen. Auch prominente Gäste überzeugten sich schon von der einmaligen Einrichtung: 2008 stattete die damalige Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen dem Haus einen Besuch ab, 2012 der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer. Als Patin stellte sich im Jahr 2008 die bekannte Kabarettistin Monika Gruber zur Verfügung.

Der ursprüngliche Gedanke war, im Kinder- und Jugendhaus verschiedene Angebote für Kinder, Jugendliche und Eltern unter einem Dach zu vereinen, bestehende Angebote und Ressourcen der Gemeinde zu vernetzen. Vor dem Hintergrund rückläufiger Geburtenzahlen und zunehmender Zahlen berufstätiger Eltern und Alleinerziehender war eine flexible Betreuung von Kinder und Jugendlichen immer wichtiger geworden.

Das erkannten Bürgermeister Hofstetter, der damalige Hauptschulleiter und spätere Schulrat Alex Bachmaier, Hauptschullehrer Hans Hartmann und Schulsozialarbeiter Otto Schwaiger schon 1999. Damals begannen ihre ersten Visionen eines Kinder- und Jugendhauses langsam Gestalt anzunehmen. Gleichzeitig waren durch den Abriss des alten Pfarrkindergartens zwei Kindergartengruppen und der Hort „heimatlos“ und eine neue Unterbringung unbedingt erforderlich geworden. Mit dem Neubau des Kinder- und Jugendhauses konnten all diese Bedürfnisse und Anforderungen gelöst werden.

Weil diese Vernetzung bisher in Bayern einmalig war, bekam das Pilotprojekt auch großzügige, modellhafte Förderung. Die Baukosten für das Bauwerk auf dem ehemaligen Pfarrgelände, in direkter Nähe zur Mittelschule inklusive Einrichtung, beliefen sich auf über 2,2 Millionen Euro. Abzüglich Zuschüsse und Förderungen betrug der Gemeindeanteil 947 000 Euro. Spatenstich war im Oktober 2004, Richtfest wurde im Juni 2005 gefeiert, die Einweihung im April 2006.

Bereits im Herbst 2005 waren die ersten Gruppierungen und Fachdienste in den Neubau eingezogen, erfüllten ihn nach und nach mit Leben. Neben der Kindertagesstätte, sprich dem Kindergarten und dem Grundschulhort (aktuell 75 Kinder), zogen die Nachmittagsbetreuung für Schüler ab der 5. Klasse, die Mittagsbetreuung für Grundschüler (zusammen aktuell rund 200 Kinder), der Schülertreff für Hauptschüler, die Schulsozialarbeit und Hauptschulangebote wie die Ganztagsklasse ein. Das so genannte Elterncafé etablierte sich im Eingangsbereich als zwangloser Treff. Nachdem in den Anfangsjahren der Schwerpunkt auf Kinder- und Jugend lag, änderte sich dies schon bald, die Bereiche Senioren, Integration und Bildung kamen hinzu. Aus dem Kinder- und Jugendhaus wurde das Mehrgenerationenhaus, kurz MGH.

Über die Jahre wurde das Portfolio permanent ausgebaut:. von der Babysitterbörse über die „Trauminsel“, einer Freitagsübernachtung für Kinder von drei bis zehn Jahren, und den Tagesmüttern, bis hin zu den Patenomas und -opas, dem Computerkurs für Senioren oder dem Treffen der Demenzgruppe trafen. Auch Angebote für Migranten, Flüchtlinge und zur Integration verschiedener Nationen, etwa der internationale Brunch oder Deutschkurse, finden im MGH statt. Durch „Vita“ (Vernetzung sozialer Institutionen in Taufkirchen) wurden schon viele Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die ebenfalls in dieser Einrichtung zusammenkommen, um etwa Spielplätze attraktiver zu gestalten, „Talente auszutauschen“ oder über Suchtprävention zu diskutieren. Auch soziale Fachdienste bieten im MGH ihre Dienste an. Seit 2011 hat auch der Seniorenbeirat im Haus seine Bleibe gefunden.

Dass im MGH Bewegung drin ist und sich hier Menschen jeden Alters austauschen, findet auch in der Hauspost seinen Niederschlag, die es seit 2008 gibt und die dreimal im Jahr erscheint: „Von 0 auf 100“ lautet ihr Titel. Neben regelmäßigen Aktivitäten, wie dem Elternfrühstück, dem Kreativen Kaffeeklatsch oder dem Repair-Kaffee, bei dem alte Gegenstände ehrenamtlich repariert werden, werden in der Hauspost auch neue Mitarbeiter oder aktuelle Projekte, Angebote und Veranstaltungen vorgestellt.

Träger des MGH ist die Caritas, finanziert wird die Einrichtung zudem durch Fördermittel und durch die Gemeinde. Zudem haben sich 2011 spontan 26 Mitglieder eingetragen, um einen Förderverein zu gründen, der das MGH zusätzlich finanziell unterstützt. Der Jahresbeitrag wurde auf 24 Euro festgesetzt, Hans Bachmayer zum Vorsitzenden gewählt. Ein erstes Polster konnte für den Verein durch einen Benefizauftritt von Monika Gruber in Höhe von 8500 Euro geschaffen werden.

Momentan arbeiten im MGH Taufkirchen neben 46 Mitarbeitern auch rund 40 Ehrenamtliche, um das Zusammenkommen der Generationen und die vielfältigen Angebote für alle Altersklassen zu ermöglichen. Dass das MGH so erfolgreich werden konnte, dazu trugen auch maßgeblich die über alle Maßen engagierten Mitarbeiter bei, allen voran die sehr jungen Leiterinnen wie Doris Schellner und nach ihr Maria Irl, die dem Haus ihren Stempel aufdrückten.

Ein großer Wunsch der Betreiber und Nutzer des MGH ging 2015 in Erfüllung: Der Natur-Erlebnis-Garten, der mit vielen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, darunter auch Flüchtlinge und kbo-Patienten, auf recht unkonventionelle Art geschaffen wurde. Sabine Hartmann hatte die komplette Betreuung des Gartens übernommen. Die Bauzeit dauerte von Mai 2014 bis Juni 2015. Auch das MGH selbst wurde in der Zwischenzeit erweitert.

Bürgermeister Hofstetter ist stolz auf sein Baby, das „Haus, das niemals schläft“ und die vielen „Überzeugungstäter“, die von Anfang an mitwirkten, um eine solch starke Leistung für jedes Alter zu erbringen.

An diesem Sonntag, 19. Juni, wird ab 13 Uhr zur Zehn-Jahresfeier ins Mehrgenerationenhaus eingeladen. Dabei gibt es unter anderem eine Talkrunde und die neuen Spielgeräte im Natur-Erlebnisgarten werden gesegnet. Ab 14.30 bis 18 Uhr gibt es ein offenes Nachmittagsprogramm mit Aktivitäten und Spielen für alle Generationen, Infoständen, Hausführungen und Bewirtung.

Birgit Lang

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