Motorrad-Gottesdienst

Höllenlärm im Pfarrgarten

Taufkirchen – Vor ein paar Jahren wäre es noch völlig undenkbar gewesen, dass im Garten des Taufkirchener Pfarrzentrums Horden von Motorradfahrern ihre Bikes abstellen und lautstark ihre Motoren aufheulen lassen. Unter Pfarradministrator Paul und Pater Dominik ist das kein Problem mehr.

Motorrad-Gottesdienst, von seinem ehemaligen Pfarrverband in Auerbach in der Oberpfalz mit nach Taufkirchen gebracht. Und der kam richtig gut an. Waren es beim ersten Mal vergangenes Jahr noch an die 70 Biker, die daran teilnahmen, so wurden dieses Jahr schon doppelt so viele gezählt. Gut 150 Motorradfahrer seien dabei gewesen, schätzten die zwei Polizisten der Freisinger Motorradstreife, die die Motorradparade von Hilpolding bis in den Taufkirchener Pfarrhof eskortierten. Auch die Taufkirchener Feuerwehr, das Rote Kreuz sowie ein Steinkirchener Feuerwehrmann auf dem vereinseigenen Feuerwehrmotorrad begleiteten den Korso.

Treffpunkt war am Volksfestplatz. Bis alle eingetrudelt waren dauerte es eine halbe Stunde. Gerade recht, um sich gegenseitig zu beschnuppern und die Zweiräder der anderen zu begutachten. Von der Quickly über den Vespa-Roller und dem Trike bis hin zum Bundeswehr-Kradmelder und einer russischen Dnjepr, einer Maschine mit Beiwagen, war alles dabei. Vor allem viele Straßen- und ein paar Rennmaschinen sowie einige Chopper wurden gesichtet. Neben einer Delegation aus Auerbach, darunter eine Bikerin mit knallig Pink lackiertem Motorrad, traten auch Priester aus Polen die Reise nach Taufkirchen an, um den MoGo mit anschließendem Grillfest mitzufeiern.

Pater Paul, der auf seiner schweren Honda Gold Wing mit Airbag, Kamera und Musikboxen lässig daher cruiste, begrüßte alle mit Handschlag, umarmte alte Freunde, fachsimpelte mit den Bikern und sorgte für gute Stimmung. Dann gab der Geistliche das Signal zur Parade, die er anführte. Von Hilpolding setzte sich die Meute in Richtung B 388 in Bewegung. Über Aham, Granting, Moosen, Johannrettenbach und Wetzling führte sie ihre rund sieben Kilometer lange Tour schließlich nach Taufkirchen. Rund ums Pfarrzentrum wurden die Motorradler schon von vielen Schaulustigen erwartet.

Nachdem die Biker rund um das Areal geparkt hatten, auch viele im Pfarrgarten, und sich mit den anderen Gläubigen auf den Bierbänken niedergelassen hatten, wurde der MoGo abgehalten. Vor dem Altar, unter weiß-blauem Himmel, war ein großes Kreuz aus Motorradhelmen aufgebaut, rundherum standen Motorräder. Fünf polnische Seelsorger zelebrierten die Messe: Die drei in Taufkirchen wohnenden Patres Paul, Dominik und Edward wurden von Pfarrer Krzysztof Petech aus Polen und SDB Cezary Liwinski aus Reichenkirchen unterstützt.

Pater Paul begrüßte die Anwesenden und dankte allen Helfern. „Wer besitzt von euch ein Navi“, fragte er, worauf viele die Hand hoben. „Das Navi weiß alles; wo die nächste Eisdiele, Tankstelle, Kirche ist und auf welcher Höhe man ich gerade befindet. Wir sind die Navi-Generation.“ Früher habe die Ehefrau neben einem gesessen und gesagt, ob die Fahrt frei sei. „Nun könnten wir getrost unsere geografischen Kenntnisse von unserer Hirnfestplatte löschen. Ist doch cool.“ Das Navi sage uns, wo es lang gehe und wir glauben ihm zu hundert Prozent, dass wir mit ihm ans Ziel kommen, gehorchen ihm blind, meinte Pater Paul. Während wir dem Navi grenzenlos vertrauen würden, falle es uns unglaublich schwer, der Stimme zu glauben, die noch viel höher schwebe, der Stimme Gottes. Zwar würden die meisten noch an Gott glauben, aber es bestehe „kein Funkkontakt mehr“. Wo aber kein Austausch mehr bestehe, sei er dann nicht überflüssig, sei er dann nicht Weltraumschrott? „Interessante Paradoxien“, stellte der Seelsorger fest und betonte: „Die Welt könnte besser laufen, wenn wir wieder mehr auf Gott hören. Aber wir tun es nicht, wir kaufen uns lieber ein Navi.“ Er wünschte allen, egal mit welchen Gerätschaften sie fahren, „auch wieder unsere innere Stimme, die Stimme Gottes zu hören, seine Liebe vor Augen zu haben“.

Bilder: Motorrad-Gottesdienst in Taufkirchen

Während die Ministranten in Helmen Spenden für bedürftige Gemeindebürger einsammelten, zog schon der Duft des Grillfleischs durch die Luft. Pfarrer Liwinski erbat in aller Kürze den Segen Gottes, dass er alle Zweiradfahrer im Beruf oder in der Freizeit vor Unglück und Schaden schütze und für hilfsbereite, rücksichtsvolle Fahrer im Verkehr sorge. Pfarrer Krzysztof weihte dann die Zweiräder. Organisiert wurde der MoGo vom Pfarrverband, der Gemeinde, der Frauengemeinschaft und vom christlichen Motorradclub „God’s Guards“.

Birgit Lang

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