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Nach den Eröffnungsreden informierten sich auch Bürgermeister Franz Hofstetter (l.) und Hans Peis, Vorsitzender der VHS, anhand von Schautafeln übe r den Kommunismus.

Ausstellung im Wasserschloss

Hofstetter: Der Kommunismus hat nach wie vor seinen Reiz

Noch bis Ende Oktober ist im Taufkirchener Wasserschloss eine Ausstellung zum Thema „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ zu sehen.

Von Florian Holzner

Taufkirchen – Von allen Seiten bedauert wurde bei der Eröffnung das krankheitsbedingte Fehlen von Gerd Koenen. Die von dem freien Journalisten und Träger des Leipziger Buchpreises mitgestaltete Lehrsammlung hätte mit einem Vortrag über seine historischen Recherchen begonnen werden sollen. Zudem fehlte aus privaten Gründen der Initiator der Veranstaltung, der neue Leiter der Volkshochschule (VHS) Erding, Claus Lüdenbach. Statt dessen begrüßte Hans Peis, Vorsitzender der VHS, das interessierte Publikum. Peis erinnerte an die 68er-Bewegung, die in weiten Stücken mit dem Kommunismus sympathisierte und von der man seiner Ansicht heute zu wenig wisse.

Spontan, auf die Peis‘s Bitte hin, zeigte sich der anwesende ehemalige Chef des Isar-Amper-Klinikums, Professor Matthias Dose, zu einem Vortrag aus dem Stegreif bereit. Er veranschaulichte die kommunistischen Strömungen der jüngeren Geschichte, verwoben mit autobiographischen Erzählungen. Dose gab Einblick in seine eigene Studentenzeit und seiner Aktivität in der KPDAO (Kommunistische Aufbauorganisation). Er erinnerte an das KPD-Verbot (Kommunistische Partei Deutschlands) von 1956 und folgenden Ereignisse, wie den Vietnamkrieg und die 68er-Bewegung.

Neue linke Gruppierungen unterschieden sich seiner Ansicht nach in der Ausrichtung zwischen Moskau-Treuen und Maoistischen Gruppierungen. Dose selbst war zehn Jahre lang beim Kommunistischen Studentenverband aktiv, der letzterer Gesinnung nahe stand. Zweifel an seiner Orientierung kamen ihm spätestens, als er die Unterschiede zwischen einer Todesstrafe im Sozialismus und derer im Kapitalismus anderen Studenten erklären sollte. „Diese Verbiegungen hat man schon an sich gespürt“, sagte er.

Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter sprach in seiner Begrüßungsrede von einem Thema, das die Nachkriegsgeneration geprägt habe. Die wissenschaftliche Ausarbeitung solch einer Ausstellung überließ er den Experten, hängte dem aber an, dass es den Kommunismus als Staatsform, in voller Ausprägung nie gegeben habe. Dass diese Ideologie nach wie vor seinen Reiz hat, vermittelte Hofstetter mit seiner Einschätzung: „Wenn ein junger Mensch sich nicht dafür interessiert, dann läuft irgendwas schief.“ Dies solle aber keine Werbung für den Kommunismus sein, fügte der Bürgermeister hinzu.

Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober, jeweils von Freitag bis Sonntag von 8 bis 18 Uhr zusehen. Gruppenführungen können im Rathaus vereinbart werden.

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