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Jung und selbstbewusst: Die 24-jährige  Christina Huber, die es liebt, Statiken zu berechnen und Brücken zu bauen.

Ein Frau in einer Männerdomäne

Hubers Herz schlägt für Brücken

Sie wirkt wie ein unbeschwerter Teenager. Doch die zierliche, gerade mal 1,57 Meter große Christina Huber aus Kalmhub bei Moosen behauptet sich als angehende Brückenstatikerin in einer Männerdomäne.

Moosen/Regensburg Christina Huber ist Master of Engineering und arbeitet seit Januar im Ingenieurbüro Pfülb in Regensburg. Dort berechnet sie Statiken für Brücken. „Ich arbeite mich langsam ein. Mein Ziel ist es, Brückenstatiken komplett alleine fertigen zu können“, sagt sie.

Dass sie die Stelle bekam, war kein Zufall. Sie hat in dem Ingenieurbüro schon während ihres Studiums gejobbt und ihren Master an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) bestens abgeschlossen.

Die zierliche junge Frau mit den langen, rotblonden Haaren hat sich schon im Studium bestens behauptet und engagiert. Deshalb wurde die 24-Jährige auch mit dem mit 1500 Euro dotierten Preis des Soroptimist International Clubs ausgezeichnet. „Das ist ein Club, der nur aus berufstätigen Frauen besteht, die unter anderem junge Frauen und Mädchen fördern, die einen guten Abschluss in einem von Männern dominierten Beruf machen, in dem der Frauenanteil immer noch relativ niedrig ist“, erklärt sie. Ende Mai muss sie für den Club einen Vortrag über ihren bisherigen Werdegang halten. Dann wird sie sich auch entscheiden, ob sie der Vereinigung beitritt und künftig in Schulen anderen jungen Frauen Mut machen will, sich auch für einen technischen „Männerberuf“ zu entscheiden.

Bei ihr fiel die Wahl auf das Bauingenieurstudium schon in der Kollegstufe, ein Jahr vor dem Abitur. „Ich liebe Zahlen“, sagt sie. Huber war beim letzten G 9-Jahrgang am Dorfener Gymnasium dabei. Ihr Abi legte sie mit der Note 1,9 ab. „Eine Eins vor dem Komma ist schon cool“, erzählt sie lachend. Nach dem allgemeinen Grundstudium an der OTH belegte sie im 7. Semester das Fach „Massivbau“, wo ihr Professor über Brückenstatik dozierte und der Funke schnell übersprang.

Auch der Hochschulleitung in Regensburg fiel die zielstrebige Studentin auf. „Vom Dekan bin ich gefragt worden, ob ich mich nicht für den Soroptimist-Preis bewerben möchte“, erzählt sie. Grund dafür war, dass sie sich auch beim Hochschulleben engagiert hat. Dort hat sie viele Tutorien gegeben, jüngere Studenten auf ihre Prüfungen vorbereitet und den Vorlesungsstoff mit ihnen vertieft.

Außerdem hat sie bei der Beton-Kanu-Regatta teilgenommen, was wohl mit den Ausschlag gab. „Das ist eine Gaudi-Sportmeisterschaft der Hochschulen, die auch ein bisserl was mit Technik zu tun hat.“ An diesem nationalen und internationalen Wettbewerb nimmt die OTH schon länger teil. Durch eine Rundmail erfuhr Huber davon. „Das hört sich doch ganz lustig an“, meinte sie und machte sich mit ihrem Freund Alexander Nobiling und weiteren Kommilitonen ans Werk. Dabei müssen Sponsoren gesucht und ein Beton-Kanu gebaut werden. „Hintergrund ist, dass man sich mit dem Thema Beton beschäftigt, sich die Form des Kanus überlegt und es dann auch baut“, erzählt sie. „Die Schalung hatten wir von unseren Vorgängern übernommen.“ 60 Kilo wog ihr Kanu, obwohl sie die Bordkante reduziert und die Betonrezeptur „etwas abgeändert“ hatten. „Einmal haben wir im Raum der Baustoffhalle der Hochschule was Neues ausprobiert. Aber das ist nach hinten losgegangen. Das fertige Kanu ließ sich kaum aus der Schalung lösen, da es festgeklebt ist“, verrät sie schmunzelnd.

Mit ihrem Team nahm die Moosenerin in Nürnberg und in Berlin sowie in Arnheim/Holland an den Regatten teil. Ihr Mitpaddler auf der 200 Meter Strecke im Mixed-Rennen war ihr Freund Alexander. „Bei den deutschen Regatten wurden wir immer von den Holländern geschlagen. Also dachten wir, jetzt drehen wird den Spieß um, und tatsächlich haben wir in Holland dann gewonnen“, erzählt sie noch ganz begeistert.

Sich in Männerteams zu behaupten, hat der Tochter eines Schreinermeisters noch nie Probleme bereitet. „Ich bin damit von klein auf in Berührung gekommen“, sei es in der Werkstatt ihres Vaters, in der Schule, wo sie meistens in Klassen mit mehr Buben gewesen ist, oder in der Freizeit, wo sie in Cliquen mit vielen Burschen zusammen war. Besonders hat sie sich gefreut, als ihr Vater Walter sie gebeten hat, ihm die Statik für ein geplantes Hochplateau in seiner Werkstatt zu berechnen, damit er weiß, wie es verankert werden muss.

Ihr Herz aber schlägt für den Brückenbau. Der Reiz daran? „Brücken gibt es in den verschiedensten Formen und man kann damit sehr große und auch tiefe Distanzen überwinden.“

Birgit Lang

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