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Völlig zerstört: Das Zimmer, in dem die Patientin in der Klinik Taufkirchen einen Brand legte.

Vor Gericht

„Im Auftrag Allahs“ in Klinik Brand gelegt

Eine 38-jährige türkischstämmige Patientin hat ihr Zimmer im Isar-Amper-Klinikum in Brand gesetzt. Sie handelte „im Auftrag Allahs“, sagte die Frau vor der 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut. Es war nicht die erste Brandstiftung der psychisch kranken Frau.

Taufkirchen – Die aus der Nürnberger Gegend stammende 38-Jährige mit türkischen Wurzeln war bereits seit 2002 in psychiatrischen Krankenhäusern untergebracht, zuletzt in der Forensik des Isar-Amper-Klinikums in Taufkirchen. Dort lebte sie nach einer zwischenzeitlichen Verbesserung ihres Zustandes in einer offenen Station im Haus 4. Dort befand sie sich laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft am 8. August 2016 gegen 9.45 Uhr allein in ihrem Zimmer. Das nutzte die Frau, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, einen Brand zu legen.

Zunächst zündete sie mit einem Feuerzeug das Bettzeug und dann die Matratze ihres Bettes an. „Sie beabsichtigte dabei, das Gebäude zu zerstören.“ Nach der Brandstiftung habe sie ihr Zimmer verlassen und sich in den Garten begeben. Der Brand habe, wie von der Patientin beabsichtigt, vom Bett auf das restliche Zimmer übergegriffen, das schließlich komplett zerstört worden sei: Der Putz sei von den Wänden abgeplatzt, die Zimmerwände, die Tür und das Fenster seien wie auch ein Wandregal völlig verrußt worden. Der Sachschaden habe sich letztlich auf rund 28 000 Euro belaufen.

Schwerwiegender allerdings: Mit der Brandlegung habe die 38-Jährige zahlreiche andere Patienten und Klinikpersonal in Gefahr gebracht: Allein auf ihrer Station hätten sich bei Brandausbruch acht weitere Patienten und fünf Krankenpflegerinnen und -pfleger aufgehalten. Ein Stockwerk darunter hätten sich zwölf Patienten und sechs Angehörige des Klinikpersonals, im Erdgeschoss in der Pforte, in der Ambulanz und in der Arbeitstherapie weitere 22 Personen befunden. Nur aufgrund der raschen Entdeckung des Brandes durch eine Mitpatientin, der besonnen und ruhigen Koordinierung der Evakuierung des Gebäudes durch das Klinikpersonal sei verhindert worden, dass niemand durch den Brand verletzt wurde.

Vor der 6. Strafkammer zeigte sch die 38-Jährige wenig auskunftsbereit, ließ lediglich wissen: „Ich weiß, was auf mich zukommt und ich akzeptiere es.“ Sie bestätigte, auch weiterhin eine Medikamenteneinnahme zu verweigern: „Da erlebe ich den Weltuntergang.“

Mehr Aufschluss gab da ein Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth aus dem Jahr 2009, das zu ihrer derzeit noch laufenden Unterbringung in Taufkirchen führte: Nach der Mittleren Reife schlug sich die Frau zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis 2002 bei ihr eine paranoide Schizophrenie auftrat und sie immer wieder in psychiatrischen Kliniken untergebracht wurde. Da begann sie auch, sich ernsthaft mit der islamischen Religion auseinanderzusetzen und es kam zu akustischen Halluzinationen. So führte sie (eingebildete) Gespräche mit Alt-Bundeskanzler Schröder, kam mit ihn überein, gemeinsam das osmanische Reich zu übernehmen. Das führte so weit, dass sie im August 2008 einen Suizidversuch unternahm. Den begründete sie später damit, dass sie dem Alt-Bundeskanzler, in den sie sich verliebt habe und der jetzt ein Prophet Allahs sei, „in den Tod habe folgen wollen.“

Im Oktober 2008 legte die Türkin dann in ihrem Elternhaus einen Brand, bei dem – wie in Taufkirchen – erheblicher Sachschaden entstand. Diese Brandstiftung begründete sie im damaligen Sicherungsverfahren damit, „dass ihr Allah und sein ,Prophet‘ Schröder, die ihr im Traum erschienen seien den , Befehl‘ dazu gegeben haben.“ Sie sei davon ausgegangen, dass es zu einer Explosion des Elternhauses kommen und sie damit ins Paradies befördert würde.

Nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Bernd Weigel habe sich die 38-Jährige bei der schweren Brandstiftung im Isar-Amper-Klinikum aufgrund eines erneuten akuten Schubes ihrer paranoiden Schizophrenie – bedingt durch ihre Weigerung, die verordneten Medikamente einzunehmen und die Therapieangebote zu nutzen – im Zustand der Schuldunfähigkeit befunden. Von ihr seien deshalb auch künftig erhebliche rechtswidrige Taten, insbesondere Brandlegungen zu erwarten. Die Frau stelle in unbehandeltem Zustand eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit dar. Nur wenn es gelinge, sie wieder zur Medikamenteneinnahme zu motivieren, könne sie ihre psychotische Symptomatik, die ihre Gefährlichkeit bedinge, in den Griff bekommen.

Die 6. Strafkammer ordnete, wie vom Gutachter vorgeschlagen sowie von Staatsanwältin Jacqueline Wallinger und Verteidiger Thomas Fauth beantragt, die (weitere) Unterbringung in der Forensik an. Es sei glücklichen Umständen zu verdanken, dass damals außer Sachschaden nicht viel passiert sei. Es hätte auch in einer Katastrophe enden können, immerhin hätten sich 58 Menschen insgesamt, davon 14 im unmittelbar gefährdete Bereich aufgehalten. Die 38-Jährige in unbehandeltem Zustand in die Freiheit zu entlassen, wäre im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich und nicht zu verantworten, argumentierten die Richter.

Walter Schöttl

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