Mittelschule Taufkirchen

Integration funktioniert bestens

Taufkirchen - Es war ein fruchtbares Schuljahr und eine sehr ausgelassene, fröhliche Abschlussfeier der Mittelschüler aus Taufkirchen. Ein großes Thema war die Integration.

Aufgedreht und aufgebrezelt, mit wenigen Ausnahmen, kamen alle nach dem Gottesdienst in der Schulturnhalle an. Nach der Stärkung am Büffet lauschten alle der letzten Abschlussrede von Schulleiter Josef Hofstetter, der in Ruhestand geht (wir berichteten). „Ihr habt euch in den letzten Wochen und Monaten intensiv vorbereitet, habt die anstrengenden Wochen gut gemeistert und heute allen Grund, dieses Ereignis zu feiern“, meinte er zu den Schülern. Es sei ein außergewöhnliches Jahr gewesen, vor allem personeller Art. „Drei Schwangerschaften in drei von vier Abschlussklassen haben die Schule in diesem Jahr vor Herausforderungen gestellt“, verriet der Schulleiter. Kollegen sprangen für sie ein und leisteten gute Arbeit. Die Klasse 9b von Sonja Pauer übernahm Christopher Haas, die 9a von Birgit Kerscher Christine Rädlinger und die 10aM von Anja Thumann Margot Lindinger-Priller.

„Die Prüfungen sind gut gelaufen, ein gutes, durchschnittliches Ergebnis“, allerdings nicht so gut wie im Ausreißer-Vorjahr, konnte erreicht werden. Von den 63 Entlassschülern stellten sich 59, also fast 94 Prozent, dem Quali. 41, also 69,5 Prozent haben ihn bestanden. Das seien 65 Prozent aller Neuntklassler führte Hofstetter weiter aus und erinnerte an 2015, wo es ein Spitzenergebnis von 80 Prozent gab. Gut sei gearbeitet worden, „wenn auch die Spitzenergebnisse mit 1,0 fehlen“, meinte er. 42 Prozent hätten mit der Note zwei, 58 Prozent mit der Note drei abgeschlossen. Auch drei Externe haben sich der Prüfung unterzogen, einer davon habe bestanden. Die Schulbesten waren Lea Fenk mit 1,66, Sarah Hille mit 1,72 und Stefanie Zollner mit 1,94.

Auch beim M-Zug wurde wieder ein gutes Ergebnis erzielt. 34 Teilnehmer, davon 27 aus der Klasse 10aM und sieben Externe, legten die Prüfung ab. „Alle unsere Schüler haben bestanden, also wieder 100 Prozent. Das kann sich sehen lassen und ist nicht immer die Regel“, freute sich Schulleiter Hofstetter.

Insgesamt lag der Schnitt beim Mittleren Schulabschluss bei 2,80 (Vorjahr 2,47). Die Prüfungsnoten im bayernweiten Vergleich lagen in Mathe bei 3,03, in Englisch bei 2,81 und in Deutsch bei 3,26. Die besten M-Zug-Absolventen waren Nicole Kuhl mit 1,67, Carolin Schmelzeisen mit 1,89 und Anna-Lena Obermeier mit 2,00.

Dann wandte sich der Schulleiter mit nachdenklichen Worten an die Entlassschüler, erinnerte an die Terroranschläge in Paris und Nizza, die Unwetterkatastrophe in Simbach, den Militärputsch in der Türkei, den Brexit, den US-Präsidentschaftskandidaten, der einem Angst einflöße, und den Flüchtlingsstrom, der auch die Taufkirchener Mittelschule vor neue Herausforderungen gestellt habe.

Seit Februar gebe es eine Übergangsklasse mit 14 Flüchtlingskindern. Im Mittelpunkt stehe für sie, Deutsch zu lernen. Es sei eine Freude mitanzusehen, wie schnell diese Kinder lernen, sagte Hofstetter. Ein afghanisches Mädchen spreche schon perfekt Deutsch und habe den Sprung in den M-Zug geschafft: „Die Integration gelingt hier sehr schnell.“ Dazu würden auch die deutschen Schüler beitragen, etwa mit dem SMV-Projekt „Wir sind alle gleich – Frieden und Menschenrechte“, bei dem in 20 Workshops das Thema aufgearbeitet wurde. „Darauf bin ich als Schulleiter sehr stolz.“ Unvorhergesehenes werde die Absolventen ihr ganzes Leben begleiten. „Ich bin überzeugt, dass ihr euer Leben meistern werdet“, sagte er und wünscht ihnen eine positive Zukunft.

Auch Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter lobte die (lebens-)tüchtigen Schüler. Er lobte sie und den scheidenden Schulleiter, der Respektsperson, aber auch immer verständnisvoller Ansprechpartner für sie gewesen sei. Entscheidend sei nicht ein schönes Gemäuer, sondern die Menschen, die in einer Schule arbeiten, bilden, erziehen, sich bilden und erziehen lassen, betonte er. Die Kommune sorge als Sachaufwandsträger dafür, dass das Äußere passe, habe noch Großes vor und wolle noch sehr viel investieren. „Wir tun es gern, weil Kinder unsere Zukunft sind“, sagte der Bürgermeister und forderte die Absolventen auf, keine Spießbürger zu werden, sondern neugierig und (welt-)offen zu bleiben. Die Mittelschule zeige, wie Integration bestens funktioniere und auch ein Gewinn für alle sein könne.

Dann durften die Schüler auf die Bühne. Sie erinnerten an schöne Erlebnisse, wie die „Flachwitze“ von Lehrer Hans Hartmann, auch Opa Hans genannt, und an die Sorgenfalten, die sie so manchem Lehrer bereiteten. Sie seien bestimmt froh, wieder ein paar Rabauken überstanden zu haben, meinten sie.

Wie herzlich das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in Taufkirchen ist, zeigte sich schließlich, als sie Christopher Haas auf die Bühne baten mit den Worten: „Haas grei amoi aufa“, oder Lehrerin Karin Baier ihre Ex-Schüler umarmte und sagte: „I mog eich sau gern.“

Birgit Lang

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