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Schwarz -Gurt-Träger und Solohornist bei den Münchner Philharmonikern: Ulrich Haider im Kampfanzug Dobok.

Interview mit Ulrich Haider

Kampfkunst im Konzertsaal

Ulrich Haider beschreibt in seinem Buch einen Weg um seine großen Leidenschaften, Musik und Taekwando, miteinander zu verbinden. 

HubensteinAuf den ersten Blick ist es eine äußerst ungewöhnliche Kombination, die Ulrich Haider in seinem Buch „Neue Wege im Instrumentalunterricht – Lehr- und Prüfungsverfahren asiatischer Kampfsportarten in der Musik“ zusammenführt. In beiden Bereichen ist der 47-jährige Hubensteiner äußerst erfolgreich, seit 1993 ist er stellvertretender Solohornist der Münchener Philharmoniker, vor kurzem hat er im Taekwondo den Schwarzgurt erlangt. Wir haben uns mit ihm über die Entstehung, das Potenzial und die Umsetzbarkeit seiner Methodik unterhalten.

-Herr Haider, was haben Taekwondo und klassische Musik eigentlich gemeinsam?

Ulrich Haider: Bei beidem muss man sehr viel üben. Und bei beidem gibt es fest vorgegebene Formen, die man erlernen muss: In der Musik sind es zum Beispiel Etüden und im Taekwondo Bewegungsabläufe, die man Hyongs nennt.

-Und wo liegen die Unterschiede?

Haider:In der klassischen Musik wird man zur Perfektion erzogen. Durch die Beschäftigung mit dem Kampfsport habe ich gerade in dieser Hinsicht eine andere Haltung zu mir selbst gewonnen.

- Wie meinen Sie das?

Haider: Es gibt wahnsinnig viel Angst in der Musik. Man darf keine Fehler machen. Im Taekwondo existieren Fehler in dieser Form aber nicht. Wenn man etwas nicht richtig macht, dann geht es nur darum, sich zu entwickeln.

-Ein falscher Ton in der klassischen Musik – das geht doch gar nicht, oder?

Haider: Perfektion ist kein unmittelbarer Anspruch mehr für mich. Bei manchen Kollegen stoße ich damit vielleicht auf Unverständnis. Für viele steht sie im Vordergrund. Aber die Frage ist doch: Steht die Musik zuerst, oder die Perfektion?

-Wie sind Sie zu dieser Haltung gekommen?

Haider:In den letzten Jahren wurde mir bewusst, dass bei Probespielen, also den Vorspielen von Profimusikern für Orchester, wahnsinnig viel Druck und Angst entsteht, überwiegend durch den Perfektionsgedanken.

-Welche Prinzipien des Taekwondo übertragen Sie auf die Musik?

Haider:Ein wichtiger Punkt ist der Unterricht in Gruppen. Im Kampfsport wird fast ausschließlich in Gruppen unterrichtet, dabei lernt man sehr viel von den Anderen. Der Einzelunterricht in der Musik ist sehr verstandesbetont. Beim Taekwondo spielt sich dagegen viel in der unterbewussten Ebene ab. Durch Wiederholung kommt man zur Erkenntnis.

-Wem raten Sie die Ausübung einer asiatischen Kampfsportart?

Haider:Für sehr viele Menschen wäre die Ausübung einer Kampfsportart von Vorteil. Dabei meine ich vor allem die Verbindung von Körper und Geist. Die gibt es aber sicher auch in anderen Sportarten oder im Yoga. Vor allem ändert man die Einstellung zu sich selbst. Jeder muss aber die Sportart finden, die zu ihm passt.

-Entwickeln Sie sich nach 27 Jahren in der Profimusik immer noch?

Haider:Ein eindeutiges Ja! Man lernt durch neue sowie durch erfahrene Kollegen aber auch durch Dirigenten. Da man permanent gefordert ist, entwickelt man sich instrumental immer weiter. Ich denke und hoffe, dass das immer weitergehen wird.

-Was muss sich am gängigen Ausbildungs- und Prüfungssystem in der klassischen Musik ändern?

Haider:Es braucht einen Bewusstseinswandel, um das Prüfungssystem zu ändern, da wird noch viel Zeit ins Land gehen. Wichtig ist mir, dass man vor allem bei jungen Musikern die Entwicklung beobachtet, nicht einen „Ist-Zustand“. Einen solchen zu prüfen ist meiner Meinung nach unsinnig, das gilt übrigens auch für die Schule. Wichtiger ist, den Menschen mit seinen Potenzialen zu sehen.

Das Gespräch führte
Fabian Holzner.

Infos im Internet

auf www.ulrichhaider.de

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