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Beim gemeinsamen Tanzen und Feiern machte Condrobs-Bereichsgeschäftsführerin Karin Wiggenhauser (r.) mit Begeisterung mit.

Jugendwohngemeinschaft „Puerto“

Junge Flüchtlinge sind schon heimisch

Taufkirchen - Viel wird diskutiert, wie mit Flüchtlingen umzugehen ist und wie Integration bewältigt werden kann. Bürgermeister Franz Hofstetter hat dazu eine simple Antwort: „Nicht reden, sondern wir sollten einfach mit Integration anfangen.“

Bürgermeister Franz Hofstetter war einer der Redner beim interkulturellen Einjahresfest der Condrobs-Jugendwohngemeinschaft „Puerto“ für unbegleitete, jugendliche Flüchtlinge in Taufkirchen. Die Einrichtung im ehemaligen Taufkirchener Gasthaus „Zur Post“ beherbergt 24 alleine geflüchtete Jugendliche. Das Condrobs-Team des überkonfessioneller Trägers für soziale Hilfsangebote in Bayern hat es in nur einem Jahr geschafft, dass die „Puerto“ zur Ersatzheimat für die jungen Leute geworden ist. Dafür gab es großes Lob von allen Seiten.

Die Bewohner und ihre zahlreichen Gäste feierten ihr Einjähriges ganz ungezwungen mit internationalem Essen, Gesprächen und Tänzen. Die Condrobs-Bereichsgeschäftsführerin Karin Wiggenhauser lobte die Gemeinde für die „unkomplizierte Unterstützung“ beim Aufbau der Jugendwohngemeinschaft. Das Wohl der politischen Gemeinde sei „ein Grundbaustein, dass man sich angekommen und angenommen fühlt“. Integration beginne dort, wo sich Menschen begegneten, kennenlernten und respektierten.

Keine Berührungsängste zeigte Hamdi Thamer (r.) beim Interview mit Bürgermeister Franz Hofstetter (M.). Die guten Deutschkenntnisse des jungen Flüchtlings freuten auch Condrobs-Vorsitzende Eva Egartner (l.)

Dass die jungen Leute sehr bemüht sind und große Fortschritte gemacht haben, zeigte Hamdi Thamer. Er interviewte in gutem Deutsch einige Gäste und auch Bürgermeister Hofstetter unter anderem mit der Frage: „Was könnte besser werden?“. Hofstetter sagte zunächst, „es gefällt mir gut, dass ihr euch unkompliziert einfügt und bereits ein Stück integriert seid. Ihr seid offen und geht in Vereine, was wichtig für Integration ist.“ Der Gemeindechef wünscht sich, dass die Jugendlichen „weiterkommen und auch im Verein etwas machen“. Sein Rat: „Arbeitet an Zielen für die eigene Lebensplanung und setzt sie um.“ Dem Einrichtungsträger Condrobs sprach Hofstetter ein „großes Kompliment“ aus. Er wisse nicht, was nach dem Jahr „unbedingt anders werden sollte. Da wird gute Arbeit geleistet“. Man sehe, die jungen Leute fühlten sich wohl und seien viel im Ort unterwegs, gingen in Schule oder machten eine Ausbildung. Hofsetter freute sich, dass das Projekt „so gut funktioniert“. Die Jugendlichen seien „für die Gesellschaft in Taufkirchen eine Bereicherung“.

Condrobs ist Träger der „eher kleinere spezialisierte Hilfen anbietet“ mit 60 Einrichtungen an 15 Standorten in Bayern, informierte die Geschäftsführende Vorsitzende, Eva Egartner. An sechs Standorten arbeite man mit geflüchteten, minderjährigen Jugendlichen. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei ein „besonders wichtiges Ziel“, für die jungem Menschen, die ihre Heimat verlassen, teilweise Schreckliches erlebt hätten. Es sei erfreulich, dass alle in der Schule oder Ausbildung seien, „der wichtigste Schritt zur Teilhabe und Integration“. Das gelinge nicht an jedem Standort. In Taufkirchen leiste das Team um die Einrichtungsleiterin Evelyn Ohms „tolle Arbeit“.

Der Aufbau der Jugendwohngemeinschaft sei „sehr anstrengend gewesen mit vielen Auf und Abs“, berichtete Ohms. Mit 14 Jugendlichen habe man im Juli 2015 begonnen, im September waren zehn weitere dazu gekommen. Das sei damals nicht einfach gewesen, konnten sich die Bewohner oft untereinander nicht verständigen und mussten sich trotzdem ein Zimmer teilen. Das sei „eine große Herausforderung“ gewesen und verlangte Toleranz und Akzeptanz im täglichen Miteinander. Die Jugendlichen hätten schnell „deutliche Fortschritte“ mit der deutschen Sprache gemacht und es sei ihnen inzwischen „sehr gelungen“, Kontakte in Taufkirchen zu knüpfen. Stolz ist Ohms. dass mittlerweile 60 Praktika vermittelt wurden und erste Jugendliche in Ausbildung oder Ausbildungsvorbereitung seien. Ohms Fazit: „Es ist so schön, dass alles so gut funktioniert.“

Hermann Weingartner

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