In der Kritik: KAB-Diözesansekretär Rainer Forster.

STREIT UM Politische Ausrichtung

SPD treibt KAB in eine Zerreißprobe

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Taufkirchen/Erding - Driftet die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung nach rechts ab? Das befürchtet zumindest die Freisinger SPD. Sie hält Diözesansekretär Rainer Forster für „nicht tragbar“. Der Kirchberger zeichnet für die meisten Veranstaltungen mit teils umstrittenen Referenten verantwortlich.

Die Freisinger SPD hat eine Serie von KAB-Veranstaltungen mit Referenten aus dem AfD-Lager und mit angeblichen „Verschwörungstheoretikern“ zum Anlass genommen, sich beim Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung zu beschweren. Ziel ist vor allem Rainer Forster. Die SPD hält den Diözesansekretär für „nicht tragbar“.

Seit der in Kirchberg lebende Forster Diözesansekretär der KAB ist, hat sich die Außenwirkung des katholischen Sozialverbandes rasant verändert. Forster ist umtriebig und er organisiert fleißig Veranstaltungen, für die er vor allem auf Facebook die Werbetrommel rührt. Doch wen er da in den vergangenen Monaten eingeladen hat, das beobachtet die Freisinger Kreis-SPD mit zunehmender Sorge und mit wachsendem Unverständnis. Denn nicht nur der Bayerische AfD-Landeschef Petr Bystron war zu Gast bei der KAB, sondern immer wieder treten Referenten auf, die viele zu den so genannten „Verschwörungstheoretikern“ zählen: Ken Jebsen etwa, Daniele Ganser oder auch Willy Wimmer und Rainer Rothfuß, dazu der umstrittene Rapper Kilez More. Die Freisinger SPD will diesem Treiben des KAB-Funktionärs nun einen Riegel vorschieben.

Nun hat sich auch der KAB-Diözesanverbandsvorsitzende, Freisings Alt-OB Dieter Thalhammer (SPD), eingeschaltet. Vor einigen Tagen habe es ein „ernstes Gespräch“ der KAB-Diözesanspitze gegeben, in dem man Forster klar gemacht habe, dass er diese Aktivitäten zu unterlassen habe. Er müsse nicht nur das KAB-Logo von seiner privaten Facebook-Seite nehmen (was inzwischen geschehen ist), sondern die Zahl der Veranstaltungen auch drastisch reduzieren und alle Aktivitäten bei der KAB-Spitze frühzeitig anmelden und genehmigen lassen. Angeblich hat Forster auch schon mehrere Abmahnungen erhalten. Dazu will sich der KAB-Sekretär aber nicht äußern.

Dass die Führung des Diözesanverbandes Forster einbremsen will, das wird an der Basis nicht begrüßt. Die KAB-Kreisverbände Erding-Landshut, Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising und Mühldorf stellen sich in der Auseinandersetzung demonstrativ vor Diözesansekretär Forster.

SPD-Vorwürfe strafrechtlich relevant

KAB-Kreisvorsitzender Sepp Aigner findet die SPD-Kritik „diskriminierend“.

In einem Schreiben an den SPD-Kreisverband Freising werden Vorwürfe der Sozialdemokraten als „möglicherweise strafrechtlich relevant“ eingeordnet. Insbesondere wird die SPD-Aussage zitiert, Diözesansekretär Forster mache Gedankengut hoffähig, „das humanistischen und christlichen Grundüberzeugungen widerspricht“. Die KAB, so schreiben die Unterzeichner des Briefes, setze sich für Frieden, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung ein sei eine „Bewegung für soziale Gerechtigkeit“.

Der Erdinger Kreisvorsitzende Sepp Aigner findet die SPD-Kritik insgesamt „diskriminierend“ und „unsäglich“. Nichts von dem, was die SPD behaupte, sei haltbar. Dass die SPD der KAB „große Schnittmengen mit der AfD“ attestiere, „ist unverschämt“. Die SPD sehe offenbar die KAB-Mitglieder „als bescheuert an“, weil ihnen unterstellt würde, „nicht beurteilen zu können, in welcher Richtung Herr Forster unterwegs ist. Das ist eine Diskriminierung, die stellen uns wie die Deppen hin“, so der Taufkirchener.

Gerade die Sozialdemokraten müssten aus ihrem Selbstverständnis heraus das Aufzeigen von Missverhältnissen in Wirtschaft und Gesellschaft unterstützen. Aigner sieht hier ein „Neidproblem“. Offenbar sei die SPD selbst nicht in der Lage, soziale oder christliche Themen, in die Öffentlichkeit einzubringen. Die KAB stehe jedenfalls auf einer Linie mit Papst Franziskus, der in seiner Enzyklika zur Welt-Wirtschaft mit überaus deutlichen Worten kritisiert habe, dass „diese Wirtschaft tötet“.

Auch die SPD-Kritik an einzelnen Referenten will Aigner nicht akzeptieren. In vielen Ländern würden die „Leitmedien“ den Bürgern täglich fast gleichlautende Artikel servieren. Wenn man aber über den sogenannten Mainstream hinaus Zustandsbeschreibungen und kritisches Hinterfragen von Sachverhalten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erhalten wolle, dann müsse man auch Persönlichkeiten referieren lassen, die eben nicht den etablierten Medienschaffenden angehörten.

KAB trifft den Nerv der Zeit

Dass die KAB im Vergleich zu früher wieder hochpolitisch geworden ist, begrüßt Aigner, der selbst schon über 45 Jahre der Bewegung angehört. Dadurch, dass Forster Themen aufgreife, „die den Nerv der Zeit treffen“, würde man neue Leute für die KAB interessieren. Bei der Themenauswahl orientiere sich Forster übrigens nur an den Themen, die der KAB wichtig seien: Soziale Gerechtigkeit, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit Demokratie, Mitbestimmung, Transparenz. Aus seinem Kreisverband Erding-Landshut, der über 220 Mitglieder hat, will Aigner bislang nur positive Rückmeldungen zu den Veranstaltungen erhalten haben. „Keiner der Teilnehmer hat Themen oder Referenten kritisiert. Ich höre vielmehr immer wieder von Teilnehmern, ,endlich werden Themen angesprochen, die die Politik verschweigt’“.

Für Aigner steht fest: Die soziale Gerechtigkeit in Europa müsse wieder hergestellt werden. 25 Millionen Menschen seien in Europa von Armut bedroht. „Das ist ein ungeheuerer Sprengstoff.“ Deswegen agiere die KAB programmatisch und christlich-sozial. „Deswegen von der SPD in die rechte Ecke gestellt zu werden, ist schon der Hammer.“ Die SPD würde vor allem aus dem linken Lager und der Antifa-Bewegung Meinungen „völlig unreflektiert“ übernehmen, anstatt sich selbst ein Bild zu machen. Aigner zitiert hier den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Willy Wimmer, einen der Referenten bei der KAB, die kritisiert wurden: „Ich weiß überhaupt nicht, ob die SPD in Bayern überhaupt noch als Partei geführt wird. (. . .) Diese Typen wollen anderen ehrenwerten Leuten vorschreiben, mit wem sie reden oder nicht. Das sind rot-lackierte Faschisten.“

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