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Zu Tränen gerührt: Ein tolles Abschiedsfest hat der Elternbeirat für die scheidende Kindergartenleiterin Kati Yilmaz organisiert. Unter anderem bekam sie von den Mädchen und Buben eine Bauwagentorte geschenkt.

Wechsel im Oase-Naturkindergarten Taufkirchen

Kati Yilmaz: Ein neuer Anfang nach 14 Jahren

Es wurde viel geweint, aber auch viel gelacht beim Abschied von Kati Yilmaz. 14 Jahre lang hat sie den Taufkirchener Oase-Naturkindergarten geleitet. Jetzt will sie ihre Leidenschaft Tanzen zu ihrem Beruf machen.

Taufkirchen – Abschied nehmen ist immer schwer. Das hat Kati Yilmaz gemerkt, als sie den Oase-Naturkindergarten verlassen hat.Eigentlich wollte sie kein großes Abschiedsfest, „aber jetz g’foits ma doch“, sagte sie im Kreise ihrer Kollegen, der Kindergartenkinder und deren Eltern sowie vieler Ehemaliger. Elternbeiratsvorsitzender Georg Scheuerer hatte zusammen mit seinen Helfern zu einem Überraschungsfest nach Teufelsöd eingeladen.

Erst 23 Jahre war Yilmaz, als sie Leiterin des ersten Naturkindergartens des Landkreises Erding wurde. „Viele sagen, meine Mutter (Marile Götz; Anm. d. Red.) hat den Naturkindergarten nur für mich gegründet, aber das stimmt nicht“, sagte sie. In Landshut, in Seligenthal, hatte sie an der Fachakademie für Sozialpädagogik Kindererzieherin gelernt und ihr Berufspraktikum in der Dorfener Pusteblume absolviert. „Ich war im Regelkindergarten nicht glücklich, wusste anfangs gar nicht, was ein Waldkindergarten ist und dachte, das ist nichts für mich.“ Weil aber die eigentlich vorgesehene Leiterin auf Weltreise ging, wurde ihr diese Aufgabe angetragen. Also dachte sich Yilmaz: „Ich probiere es mal.“ Sie schnupperte in Vilsbiburg in einer ähnlichen Einrichtung. „Es war voll meins, weil ich die Natur mag und merkte, wie die Kinder anders drauf sind, wenn sie draußen sind.“

Also ließ sie sich auf das Abenteuer in Taufkirchen ein. Anfangs waren es nur 13 Kinder. Zusammen mit Andrea Stein, „meinem Fels in der Brandung“, und Almut Heilmaier, die ehrenamtlich drei Jahre lang fast jeden Tag mitgearbeitet hat und heute noch freitags mithilft, setzte sie das Konzept nach und nach um, das ihre Mutter entworfen hatte. „Und die Mama war ja auch immer da“, erzählt Yilmaz. Sie erinnerte an die Zeit, als sie noch nicht einmal eine Schutzhütte hatten und sich mit einer Plane halfen, wenn es „wieder mal aus Kübeln geschüttet hat“.

„Ohne Almut und Manfred Heilmaier würde der Bauwagen nicht da stehen“, sagte sie. Viele Erfahrungen konnte sie in den vergangenen 14 Jahren machen. „Ich konnte mich frei entwickeln“, sagt die mittlerweile 37-jährige Taufkirchenerin. Natürlich habe sie sich auch mal überfordert gefühlt, erinnerte sich ihre Mutter. Aber irgendwann habe sie alles allein gestemmt. „Die Fröhlichkeit, wie du mit allen lachen kannst, alle bei dir auf dem Bauch liegen und ihr euch kitzelt“, hat Marile Götz immer begeistert. „Da hat man nicht die Chefin gespannt. Ihr wart ein Team. Andrea, die Große und Starke, Kati, die Zierliche, die das Musische reingebracht hat.“

Diese Pionierarbeit sei ohne Unterstützung von Bürgermeister Franz Hofstetter nicht möglich gewesen, erklärte Götz. Dieser dankte Yilmaz. „Ihre ganz besondere Art der Zuwendung haben die Kinder gespürt.“ Er freue sich über diese „wunderbare Einrichtung“, die er von Anfang an begleiten durfte. Er sei stolz im Nachhinein, dass es mittlerweile so viele Naturkindergärten gebe, die das Taufkirchener Modell zum Vorbild genommen haben.

Schon lange ging Yilmaz mit dem Gedanken schwanger, was Neues zu machen. Der Bauchtanz hat es ihr angetan. Seit 2002 übt sie diese Leidenschaft aus, wurde Mitglied der Gruppe Shirins und tanzt auch bei den Oriental Temptations in Freising. Nachdem sie eine Ausbildung zur Tanzpädagogin gemacht hat, wird sie ab Januar in Geisenhausen als Tanzlehrerin arbeiten und immer freitags in Dorfen Jazzdance mit ihrer Kollegin Stein machen.

Zunächst wird sie Überstunden abbauen. Den Naturkindergarten ganz zu verlassen, fiel ihr zu schwer. Sie bleibt ihm ein bisschen erhalten, wird jeden Freitag weiterhin mit den Kindern ins Taufkirchener Seniorenheim gehen und als Bürokraft administrative Aufgaben erledigen.

Ihre Leitungsposition aufzugeben, war ihr nur möglich, weil sie mit Helen Impekoven-Spang eine Nachfolgerin gefunden hat, die den Naturkindergarten in ihrem Sinne weiterführen möchte. Weil auch ihre Kollegen und „ihre“ Kinder wissen, wie sehr die Kati das Tanzen liebt, hatten sie zum Abschiedsfest für sie einen Tanz einstudiert auf das Lied „Wenn sie tanzt, ist sie woanders“, was viele nochmals zu Tränen rührte.

Birgit Lang

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