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Angeregte Diskussion: Bürgermeister Franz Hofstetter (2. v. l.) hört die Argumente von (v. r.) den Anliegern Hans Baumgartner und Andreas Allgäuer, Bauunternehmer Stefan Kräutler, Gemeindemitarbeiter Herbert Mayerthaler und Geschäftsführer Bernhard Schöbl.

Baugebiet Bernock

Kein Konsens beim Ortstermin

Die drei Lattengerüste auf dem Bernock-Grundstück konnten die Bedenken der Anlieger nicht ausräumen. Dennoch ging es beim Ortstermin der Wohnwerk Bayern GmbH, die hier einen großen Wohnkomplex errichten möchte, überwiegend sachlich zu.

Taufkirchen– Die Bebauung des Bernock-Geländes in Taufkirchen sorgt für Gesprächsstoff – vor allem bei den Anliegern. Nun gab es einen Ortstermin mit Bernhard Schöbl, dem Geschäftsführer der Wohnwerk Bayern GmbH. Dort waren zur Veranschaulichung Lattengerüste aufgestellt worden.

Größte Diskussionspunkte waren die Höhenkoten, also die Bemaßungen der Höhe der geplanten Gebäude von einem bestimmten Level aus, sowie die Anzahl der geplanten Stellplätze für künftige Bewohner und Besucher. Stefan Kräutler, Sohn eines Anliegers und Bauunternehmer, brachte den bestehenden Bebauungsplan mit sieben Einfamilienhäusern ins Gespräch. Es fehle bei der vorgestellten Planung der Bezug zur bestehenden Bebauung, kritisierte er. „Nichts wird da eingehalten.“ Laut Bebauungsplan seien 6,5 Meter Traufwandhöhe erlaubt. Im Entwurf seien es zur Bergseite 7,7 Meter und zur Talseite 9,85 Meter, ungefähr „3,40 Meter zu viel, also mindestens ein ganzes Geschoss, und dann der lange Gebäudekörper. In ganz Taufkirchen gibt es keinen 100 Meter langen Wohnblock“, wetterte Kräutler. Schöbl konterte, die Höhen lägen zwischen 7,20 und 7,60 Meter. Man habe sich sehr wohl an der bestehenden Bebauung orientiert und befinde sich im gleichen Rahmen. „Wenn Sie ein Grundstück für 1,6 Millionen Euro kaufen und dann nur sieben Einfamilienhäuser drauf bauen, sind Sie ruiniert. Wir müssen verdichten.“

Natürlich gehe ein Bauträger auch immer ein „gewisses Risiko“ ein, wenn er ein solches Projekt plane und die Gemeinde nicht mitziehe, gab er zu und betonte: „Wir haben uns bemüht, dass wir den Nachbarn gerecht werden“. So sei von der ursprünglich zweireihigen Bebauung auf eine einreihige umgestiegen worden, bei der die Abstände zu den Nachbarn teilweise viermal so groß seien im Vergleich zum ersten Entwurf, so dass „jeder mehr Luft hat“. Die Häuser staffeln sich mit dem Gelände und werden versetzt angeordnet. Pro Wohneinheit werden es zwei Stellplätze in der Tiefgarage sein, plus zusätzliche Besucherplätze, führte er aus. Wie viel es werden, könne er bei der Grobplanung noch nicht genau sagen.

Angst vor Beschattung hatte Anlieger und Gemeindemitarbeiter Hans Baumgartner. Er habe 2004 hier für eine zweigeschossige Bebauung ein Belichtungsdiagramm erstellen lassen, nach dem im Frühjahr, Herbst und Winter der Schatten bis zum ersten Stock reiche. Dass bestritt Schöbl. Nicht mal bei der zweireihigen Bebauung sei das zu befürchten: „Sie haben null Schatten zu erwarten.“

Bei der anschließenden Sitzung des Bauausschusses meldete sich Martin Huber (REP) zu Wort. „Der Mittelbau passt optimal von der Höhenkote und wirkt nicht mehr wie ein Fremdkörper.“ Zudem sei er „brutal weit weg von den Nachbarn“. Weil die Rosenstraße dort eng sei und noch mehr gebaut werde, sollte das ganze Areal überplant werden, um das Stellplatzproblem zu lösen.

„Wir wollen was Schönes hinstellen, keine Sozialwohnungen. Es soll ein Gewinn für Taufkirchen werden“, erklärte Schöbl. Deshalb sei auch eine kurze Erschließungsstraße geplant, die direkt in der Tiefgarage verschwinden werde. Der Kanal soll in Abstimmung mit der Gemeinde erweitert werden.

Auf die Nachfrage von Sepp Fanger (Einigkeit Moosen) nach konkreten Stellplatzzahlen, antwortete der Geschäftsführer: Bei 35 bis 40 Wohneinheiten seien dies, je nach Größe der Wohnungen, 70 bis 80 Stellplätze und sieben bis zehn Besucherparkplätze. „Wir haben jetzt ja viel Platz.“

„Bei einem Riegel mit 80 Metern Länge in der Siedlung, wo teilweise kleine Einfamilienhäuser sind, da habe ich Bauchweh“, warf Alois Maier (WGW) ein. „Es wird eine nette Anlage mit Bäumen und Spielplatz“, hielt Schöbl entgegen. Davon ließ sich Thomas Unterreitmaier (CSU) nicht überzeugen. Er hatte Bedenken, dass es „einfach zu viele Leute sind. 35 Autos, die da rausfahren?“ SPD-Rat Manfred Slawny fand, dass ein „vernünftiges, tragfähiges Parkkonzept nötig“ sei. „Wir nehmen die Vorschläge der Gemeinde auf“, beteuerte Schöbl. Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) schlug vor: Der lange Riegel sollte in der Mitte auseinander geschoben und die Traufwandhöhe um einen Meter reduziert werden. 35 Wohneinheiten seien die Obergrenze, forderte Hofstetter weiter. Bei der ersten Planung war noch von bis zu 45 die Rede.

Bis zur nächsten Sitzung soll der Bauträger all das in den Entwurf einarbeiten, über den dann abgestimmt wird.

Birgit Lang

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